«Eine absolute Frechheit»: Stadt Bern erntet scharfe Kritik für geplante Friedhofsschliessung
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«Eine absolute Frechheit»Stadt Bern erntet scharfe Kritik für geplante Friedhofsschliessung

Aufgrund von Sparmassnahmen will die Stadt Bern den Friedhof in Bümpliz schliessen und zu einem Park umfunktionieren. Das Vorhaben stösst bei der Bümplizer Bevölkerung auf Widerstand.

von
Lara Hofer
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Die Stadt Bern plant die Schliessung des Friedhofs in Bümpliz.

Die Stadt Bern plant die Schliessung des Friedhofs in Bümpliz.

20min/Matthias Spicher
Dadurch sollen jährlich 400’000 Franken gespart werden können, so Christoph Schärer, Leiter Stadtgrün Bern. Vor allem die Aufrechterhaltung der Gebäude würde hohe Kosten verursachen.

Dadurch sollen jährlich 400’000 Franken gespart werden können, so Christoph Schärer, Leiter Stadtgrün Bern. Vor allem die Aufrechterhaltung der Gebäude würde hohe Kosten verursachen.

20min/Matthias Spicher
Für geplante Friedhofschliessung erntet die Stadt Bern jedoch scharfe Kritik von den Bewohnerinnen und Bewohnern von Bümpliz. Auch Christine Pasquadibisceglie, die seit 38 Jahren in Bümpliz wohnt, spricht sich gegen das Vorhaben aus.

Für geplante Friedhofschliessung erntet die Stadt Bern jedoch scharfe Kritik von den Bewohnerinnen und Bewohnern von Bümpliz. Auch Christine Pasquadibisceglie, die seit 38 Jahren in Bümpliz wohnt, spricht sich gegen das Vorhaben aus.

ZVG

Darum gehts

  • Die Stadt Bern möchte den kleinsten ihrer drei städtischen Friedhöfe schliessen – den Friedhof in Bümpliz.

  • Die Bewohnerinnen und Bewohner wehren sich gegen dieses Vorhaben. Viele von ihnen möchten selbst einmal in Bümpliz begraben werden.

  • Auch die Stadtberner SVP spricht sich gegen eine Schliessung des Friedhofs aus.

  • Von Seiten der Stadt Bern liegt Verständnis für die Kritik vor. Es gehe lediglich um die notwendigen Sparmassnahmen.

Die Stadt Bern muss den Gürtel enger schnallen und neue Sparmassnahmen treffen. Einige der Sparvorschläge sorgen nun für rote Köpfe. Nachdem bereits die vorgesehene Schliessung der Stadtgalerie für Unmut sorgte, erntet nun ein weiterer Schliessungsvorschlag harte Kritik: Der 1885 gebaute Friedhof in Bümpliz soll geschlossen werden, damit jährlich bis zu 400’000 Franken eingespart werden können. Der Friedhof soll zu einem Park umfunktioniert werden.

Bümpliz setzt sich zur Wehr

Bei einigen Bewohnerinnen und Bewohnern von Bümpliz sorgt dieser Vorschlag für Unverständnis – so auch bei Christine Pasquadibisceglie. Die 42-jährige Bernerin wohnt seit 38 Jahren in Bümpliz und engagiert sich nun aktiv für den Erhalt des Friedhofs. «Rund ein Viertel der Stadtbernerinnen und Stadtberner wohnen in diesem Stadtteil, also sollten wir auch hier liegen dürfen, wenn wir tot sind.»

Die Aussicht auf eine Umwandlung des Friedhofs in einen Park mache die Situation auch nicht besser: «Wir haben mehr als genug Grünfläche in Bümpliz. Nur Leute, die noch nie hier waren, glauben, der Westen Berns bestehe nur aus grauen Betonhäusern», so die Bernerin. Es sei ihr zudem ein persönliches Anliegen, selbst einmal in Bümpliz begraben zu werden: «Wenn ich tot bin, sollen mich meine Familie und meine Freunde hier besuchen können.»

«Es ist eine Frechheit»

Auch die Stadtberner SVP lehnt die Schliessung des Friedhofs ab. «Bümpliz hat den Anspruch auf einen eigenen Friedhof», so SVP-Fraktionschef Alexander Feuz. Die anderen beiden Friedhöfe der Stadt seien zu weit entfernt, als dass die ältere Menschen problemlos dorthin gelangen könnten. «Das ist eine Zumutung und eine absolute Frechheit.»

Die Stadt Bern sollte lieber anderswo sparen, sagt Feuz. Möglichkeiten gebe es genug: «Sinnvoll wäre etwa ein Verzicht auf den vorgesehenen Bau einer unterirdischen Turnhalle im Kirchenfeld Schulhaus für 20 Millionen.» Solche Investitionen sollten unterlassen werden, denn: «Die Stadt Bern sollte traditionelle und notwendige Einrichtungen aufrechterhalten – wie etwa den Friedhof in Bümpliz.»

Kein Grab wird frühzeitig aufgehoben

Die Stadt Bern äussert sich zu der vorgesehenen Friedhofsschliessung wie folgt: «Wir kennen die Bedürfnisse der Bevölkerung. Es geht jedoch darum, einen wichtigen Sparbeitrag zu Gunsten der Stadt zu leisten», so Christoph Schärer, Leiter Stadtgrün Bern. Bis zu 400’000 Franken könne die Stadt jährlich einsparen, wenn die Infrastruktur-, Gebäude- und Personalkosten wegfallen würden.

Wichtig sei zu betonen, dass kein Grab frühzeitig aufgehoben werde. Ab 2023 sollen aber keine neue Gräber mehr zugelassen werden. «Es handelt sich um ein 40-Jahre-Projekt. Nichts ändert sich von heute auf morgen», so Schärer. Die Stadt Bern will zudem eine Arbeitsgruppe bilden, um die Anliegen und offenen Fragen zusammen mit dem Quartier und den Kirchgemeinden zu klären. Ob der Friedhof wirklich geschlossen wird, liege schlussendlich in der Hand der Politik und der Bevölkerung.

Deine Meinung

139 Kommentare
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3018 Bern

25.03.2021, 17:26

Das Geld für teure Velostreifen, Begrünungs-Töpfe, die Elektro-Velos, unnötige Bauten usw. verschwenden, ja zum Fenster rausschmeissen, aber dann einen Friedhof schliessen wollen! Diese Politiker sollten ihr Missmanagement aus dem eigenen Geldbeutel berappen müssen, dann würden sie eventuell auch bessere Arbeit abliefern. Die gute Frau Wyss wollte noch im letzten Jahr die Stadt Bern höher verschulden indem Sie Kredite aufnehmen wollte. Ist ja nicht deren Geld. Nur ein Beispiel, was die für Arbeit abliefern. Sollen wir uns denn irgendwo verschachern lassen wo keine Verwandten, Bekannten, Familie und Freunde leben? Eine weitere bodenlose Frechheit, was sich die Politik wieder mal leisten will. Wir sollten uns vielleicht mal hinterfragen, wofür wir hier noch Steuern bezahlen, bei einem der teuersten Steuerfüsse der Schweiz

Frage12oder3

25.03.2021, 17:04

ich frage einmal in die Runde, werden die Muslimgräber auch nach 20j aufgehoben, oder haben die wieder einen Sonderstatus?

EinsteinSchmetterling

25.03.2021, 09:11

Jemand aus dem wirtschaftlich denkenden Bern hat wahrgenommen und realisierte eine Idee in Betrachtung was er als Objekt wahrnahm ohne die Frage ist die Betrachtung des Ganzen die Betrachtung wo Objekt immer Subjekt ist den Objekt gestaltet sich als Subjekt wie Subjekt sich zu sich selbst als Objekt verhält nur im Butterflyeffect eines Wesen das ganzheitlich als gleich angenommen wird aber sich räumlich und zeitlich relative zu sich realisiert. Ergo.... Bümpliz