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Stadt Strassburg wegen Todes von 13 Konzertbesuchern vor Gericht

Im Juli 2001 wurden an einem Konzert in Strassburg 13 Personen von einem entwurzelten Baum erschlagen. Seit heute muss sich die Stadt Strassburg wegen des Vorfalls vor Gericht verantworten.

Das Strassburger Landgericht soll prüfen, ob die Stadt für das Unglück mitverantwortlich war, weil sie das Konzert trotz der Sturmwarnungen nicht abgesagt hatte. Die Anklage lautet auf fahrlässige Tötung und Körperverletzung.

Die Elsass-Metropole als juristische Person riskiert eine Geldbusse von maximal 225 000 Euro. Sie macht ihrerseits die Konzertveranstalter verantwortlich. «Die Stadt hat keinen Fehler begangen», sagte ihr Anwalt Gérard Alexandre vor Beginn der Verhandlung.

Während des Konzerts der Gruppe «Yiddishe Mamas et Papas» hatte am 6. Juli 2001 ein Mini-Tornado eine alte Platane entwurzelt. Der 40 Meter hohe und rund 70 Tonnen schwere Baum stürzte auf die rund 120 Konzertbesucher und zehn Künstler, die wegen des strömenden Regens unter ein Zeltdach geflüchtet waren.

Die Rettungskräfte brauchten anschliessend mehrere Stunden, um die unter dem Baum begrabenen Opfer zu bergen. Elf von ihnen waren bereits tot, unter ihnen ein 13 Jahre altes Mädchen. Zwei andere Verletzte starben einige Tage später.

Bei den bis 23. Februar dauernden Verhandlungen treten rund hundert Opfer beziehungsweise Hinterbliebene als Nebenkläger auf. Sie werden von 16 Anwälten vertreten. Das Gericht soll prüfen, ob Versäumnisse vorlagen und wer dafür verantwortlich ist.

Sturmwarnungen ignoriert?

Dabei geht es zum einen um die Frage, ob die Behörden die Sturmwarnungen ignoriert hatten. Der französische Wetterdienst hatte sowohl am Tag des Unfalls als auch bereits einen Tag zuvor vor schweren Unwettern mit Sturmböen in Ostfrankreich gewarnt und die Bevölkerung aufgerufen, möglichst zu Hause zu bleiben.

Ausserdem wird geprüft, ob die rund hundert Jahre alte Platane im Pourtalès-Park am Rande der Europastadt sicher war. In zwei Gutachten wird festgestellt, dass der Baum zwar brüchige Wurzeln hatte, der Park jedoch insgesamt gut gepflegt wurde.

«Wir wollen wissen, warum das Konzert nicht abgeblasen wurde, wir wollen Erklärungen, Antworten», betonte die Vorsitzende der Opfergemeinsachaft «Solidarité Pourtalès», Françoise L'Hermitte Ancelet. Die These, es habe sich um ein fatales Unglück gehandelt, sei für viele Opfer schockierend.

Bürgermeisterin spricht von Schicksal

Die Strassburger Oberbürgermeisterin Fabienne Keller und der damalige französische Gesundheitsminister Bernard Kouchner hatten nach dem Unglück von einem «fatalen» Schicksalsschlag gesprochen.

In der ersten Prozesswoche sollen vor allem Überlebende über den Vorgang befragt werden. Anschliessend werden Gutachter und drei Ex- Bedienstete der Stadt, die zum Zeitpunkt des Unglücks für Sicherheit und den Unterhalt der städtischen Grünanlagen verantwortlich waren, als Zeugen vernommen werden. Sie stehen nicht persönlich unter Anklage. (sda)

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