St. Gallen: Stadt und Suchthilfe wollen kein Fixerstübli

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St. GallenStadt und Suchthilfe wollen kein Fixerstübli

Ein Zimmer zum Fixen. Dies fordert Student Angelo Zehr nach seiner Bachelor-Arbeit über die St. Galler Drogenszene. Stadt und Suchthilfe winken ab: Zu teuer, zu wenig Bedarf.

von
tso
Heroinabgabe: Ein Süchtiger setzt sich einen Schuss. (Symbolbild)

Heroinabgabe: Ein Süchtiger setzt sich einen Schuss. (Symbolbild)

In seiner kürzlich veröffentlichten Bachelorarbeit beschreibt der St. Galler Angelo Zehr die Welt der Drogensüchtigen: Unhygienische Bedingungen für die Suchtkranken, Blut und Spritzen in öffentlichen Toiletten, Junkies im Park neben der Kantonsschule. Zehrs Schlussfolgerung: Ein Fixerstübli würde all dem Abhilfe schaffen.

Zwar gebe es in der Stadt bereits die kontrollierte Heroinabgabe, sagt der Student. «Längst nicht jeder Süchtige macht aber davon Gebrauch.» Das bestätigt auch Jürg Niggli, Geschäftsführer der Stiftung Suchthilfe St. Gallen. Er hingegen hält ein Fixerstübli für unnötig. Um den öffentlichen Raum zu entlasten, müsse ein Fixzimmer sieben Tage die Woche offen sein, und zwar ganztägig. Für so ein umfassendes Angebot sei der Bedarf aber schlicht zu klein. «Die offene Drogenszene in St. Gallen ist nicht mehr so gross wie früher.» Bereits früher habe man befunden, dass der Bedarf nach einem Fixerstübli zu klein sei.

Besser auf Bewährtes setzen

Ausserdem: «Eine solche Einrichtung lässt sich nicht einfach aus dem Ärmel schütteln», sagt Niggli. Betreuung, Infrastruktur, Hygiene - das alles koste bis zu 800'000 Franken jährlich.

Auch die Stadt St. Gallen ist wenig angetan von der Idee: «Angesichts der aktuellen Sparprogramme der Stadt glaube ich kaum, dass sich ein Fixerstübli realisieren liesse», sagt Heidi Gstöhl, Leiterin des städtischen Amts für Gesellschaftsfragen. Besser, man setze auf die bereits bewährten Angebote wie Gassenküche, Kathi Treff und Heroinabgabe. Dennoch will das Amt Zehrs Arbeit aufmerksam prüfen und gegebenenfalls andere Inputs daraus ziehen, sagt Gstöhl.

Zehr versteht die Gegenargumente. «Es ist mir bewusst, dass die Stadt andere Prioritäten hat», sagt er. Doch er bleibt dabei: «Ein Fixerstübli ist notwendig und würde sicher auch genutzt.» Dies zeigten ihm seine Erfahrungen auf der Gasse und seine vielen Gespräche mit Süchtigen und Sozialarbeitern.

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