Singen (D) - Stadt verbietet Treffen von Autoposern und droht mit Bussen – Szene ist empört
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Singen (D)Stadt verbietet Treffen von Autoposern und droht mit Bussen – Szene ist empört

Die deutsche Grenzstadt Singen geht gegen die Autoposer-Szene vor und verbannt sie nach grösseren Treffen aus der Stadt. Die Szene reagiert enttäuscht und denkt an eine Demo.

von
Michel Eggimann
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Die deutsche Stadt Singen verbietet ab Freitag an Wochenenden Treffen von Autoposern und -tunern. (Symbolbild)

Die deutsche Stadt Singen verbietet ab Freitag an Wochenenden Treffen von Autoposern und -tunern. (Symbolbild)

Tamedia AG/Urs Jaudas
Als Treffen definiert die Ortspolizeibehörde dabei jede Ansammlung von mehr als fünf Fahrzeugen von Posern oder Tunern. (Symbolbild)

Als Treffen definiert die Ortspolizeibehörde dabei jede Ansammlung von mehr als fünf Fahrzeugen von Posern oder Tunern. (Symbolbild)

Privat
Bei Verstössen drohen Bussen und die Beschlagnahme des Fahrzeugs. Hier beschlagnahmte Fahrzeuge durch die Kapo Zürich.

Bei Verstössen drohen Bussen und die Beschlagnahme des Fahrzeugs. Hier beschlagnahmte Fahrzeuge durch die Kapo Zürich.

Kapo ZH

Darum gehts

  • Die Behörden aus Singen (D) verbieten Treffen von Autoposern und -tunern.

  • Bei Verstössen drohen Bussen und die Beschlagnahme des Fahrzeugs.

  • In der Szene spricht man von Diskriminierung und einer Demo als Reaktion.

  • Das Verbot ist eine Folge von einem grösseren Treffen am letzten Wochenende.

  • Ein Grossteil der Autoposer hatte ein Fahrzeug mit Schweizer Zulassung.

Immer wieder trafen sich Autoposer und -tuner in der Grenzstadt Singen (D). So auch letztes Wochenende. Am späten Samstagabend kam es dort zu einem grossen Aufmarsch der Szene. Gemäss Polizeiangaben fuhren über 300 Fahrzeuge in Singen vor. Ein grosser Anteil davon hatte eine Schweizer Zulassung. Da sie sich auf einem Parkplatz trafen, störten die Poser und Tuner den Betrieb der dortigen Einkaufsgeschäfte. Die Fahrzeuginsassen versammelten sich grösstenteils auf dem Parkplatz und liessen sich mit Campingausrüstung, Grills uns Shisha-Pfeifen nieder. Später wurden sie aufgefordert, den Parkplatz zu räumen. Das machten sie nur zögerlich.

Bussgelder und Beschlagnahmen der Fahrzeuge droht

Die Behörden in der deutschen Grenzstadt haben offenbar genug. Wie es in einer Medienmitteilung heisst, sind ab dem 11. Juni an Wochenenden Treffen der Szene verboten. Konkret: «Mit einer Allgemeinverfügung, die ab Freitag, 11. Juni, in Kraft tritt, untersagt die Stadt Singen mit Absprache und auf Empfehlung der Polizei jedwede Treffen der Tuning- und Autoposer-Szene im gesamten Stadtgebiet.» Das Verbot beziehe sich auf sämtliche öffentliche wie auch private Flächen und gelte von Freitagabend 20 Uhr bis Montagmorgen 2 Uhr.

Weiter meint die Stadt Singen: «Zur Tuningszene zählt die Stadt Personen, deren Fahrzeuge gegenüber der Serienproduktion an Karosserie, Fahrwerk, Motorleistung, Auspuff oder Bereifung technisch verändert wurden. Als Treffen definiert die Ortspolizeibehörde dabei jede Ansammlung von mehr als fünf Fahrzeugen.» Bei Verstössen gegen das Verbot wird ein Bussgeld von 150 Euro erhoben, was gut 160 Franken entspricht. Noch härter durchgegriffen wird, wenn sich die gebüsste Person «nicht unverzüglich und innerhalb von zehn Minuten mit seinem Fahrzeug entfernt». In solchen Fällen drohen höhere Geldstrafen und die Beschlagnahme des Fahrzeugs.

Ist das Verbot rechtsmässig?

Björn Bilidt, Verkehrs- und Verwaltungsexperte stellt zudem die Rechtmässigkeit des Verbots für die Autoposer in Frage. Gegenüber der deutschen Zeitung sagt er: «Wenn die in einem privaten Hof stehen und niemanden stören, kann eine Allgemeinverfügung nicht rechtmässig sein.» Deshalb erwartet Bilidt, dass bei der ersten Ahndung eines Verstosses eine betroffene Person dagegen rechtlich vorgeht. Dann wäre es eine Angelegenheit für die Gerichte.

Szenenmitglied spricht von Diskriminierung

In der deutschen Zeitung «Der Südkurier» zeigt sich das Szenemitglied Mateusz Ostrozny enttäuscht. Die Anordnung der Behörden löse die Problematik nicht, sondern heize sie nur an und mache Singen zu einem noch interessanteren Ort für die Szene. Ostrozny sagt: «Ich habe bereits jetzt gemerkt, dass viele Menschen auf dem Standpunkt stehen, eine Demonstration zu veranstalten gegen diese Diskriminierung. Wenn ein ruhiges Treffen ohne Ausschreitungen verboten ist, wird die Szene gezwungen, als geschlossene Kolonne durch die Stadt zu fahren.»

Er meinte aber auch, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um die Autoposer-Szene zu beruhigen und Ausschreitungen zu vermeiden. Gleichzeitig meint das Szenemitglied: «Das Verbot der Stadt zeigt, wie sehr die Szene einen eigenen Platz braucht – ohne die Lärmbelästigung der Bewohnenden.» Ostrozny hofft auf einen runden Tisch mit dem Oberbürgermeister Singens und denjenigen der umliegenden Städte. Zu einem ersten Treffen mit dem Oberbürgermeister sei es bereits gekommen und die beiden wollten sich am 15. Juni wieder zusammensetzen. Eine Lösung sei jedoch aufgrund der verhärteten Fronten nicht zu erwarten.

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