Aktualisiert 08.05.2019 20:17

12'000 Touristen in LuzernStadt von Riesen-Gruppe aus China überrascht

Weder Stadt noch Luzern Tourismus wussten, dass eine Gruppe mit 12'000 Chinesen nach Luzern reist. Selbst der Veranstalter rechnete nur mit 3'000 Personen. Jetzt nimmt die Stadt Stellung.

von
mme
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Chinesische Touristen an einem normalen Tag in Luzern. (Archivbilder)

Chinesische Touristen an einem normalen Tag in Luzern. (Archivbilder)

Keystone
Bald wird es eng für die Luzerner: Nächste Woche kommen 12'000 zusätzliche Touristen aus China nach Luzern. Luzern Tourismus teilt mit: «Der öffentliche Raum wird zeitweise mehr als üblich belastet sein. Die Organisatoren sind darum auch auf das Verständnis seitens Bevölkerung sowie auf den Support durch die Stadt und die Polizei angewiesen und bedanken sich dafür.»

Bald wird es eng für die Luzerner: Nächste Woche kommen 12'000 zusätzliche Touristen aus China nach Luzern. Luzern Tourismus teilt mit: «Der öffentliche Raum wird zeitweise mehr als üblich belastet sein. Die Organisatoren sind darum auch auf das Verständnis seitens Bevölkerung sowie auf den Support durch die Stadt und die Polizei angewiesen und bedanken sich dafür.»

Keystone
Grund der Reise: Ein Kosmetikhersteller lädt die 12'000 besten Verkäufer aus China in die Schweiz ein.

Grund der Reise: Ein Kosmetikhersteller lädt die 12'000 besten Verkäufer aus China in die Schweiz ein.

Keystone/Sigi Tischler

Der Massentourismus wird von vielen Luzernern kritisch wahrgenommen im Alltag. Nächste Woche kommt nun eine zusätzliche Reisegruppe, wie sie die Schweiz wohl noch nie gesehen hat: 12'000 Chinesen auf Einladung einer US-Firma, 4'000 davon in 95 Cars alleine am Montag. Wie wird die Bevölkerung darauf reagieren?

Franziska Bitzi: Der Tourismus ist einer der weltweit am schnellsten wachsenden Wirtschaftssektoren. Gegenüber dem Vorjahr wurde 2018 ein Wachstum von mehr als 7 Prozent verzeichnet. Für die nächsten Jahrzehnte wird ein ähnlich starker Anstieg vorausgesagt. So erfreulich dieses Wachstum für die Tourismusbranche ist, bringt es auch Konsequenzen und Herausforderungen mit sich, die von Branche und Politik erkannt werden müssen. Die ersten Reaktionen auf das Bekanntwerden dieser Reise zeigen, dass das Thema die Bevölkerung bewegt. Dies bestätigt uns, dass wir den eingeschlagenen Weg zur Erarbeitung einer «Vision Tourismus Luzern 2030» weitergehen. Es braucht eine Strategie, welchen Tourismus wir in Luzern wollen. In diesen Prozess werden wir die Bevölkerung einbeziehen, etwa mittels Bevölkerungsbefragung oder Workshops. Letztlich gehört dazu auch, dass wir Möglichkeiten zur Steuerung und Begrenzung diskutieren.

Haben Sie keine Bedenken, dass viele Luzerner wegen dieser Gruppe denken könnten, jetzt ist genug mit Massentourismus, diesmal hat es Luzern Tourismus übertrieben?

Weder die Stadt noch die Luzern Tourismus AG (LTAG) haben diese Gruppe akquiriert, sondern erst von der Reise erfahren, nachdem die Landarrangements bereits gebucht waren. Andernfalls hätte man den Organisatoren vorgängig andere Lösungen vorgeschlagen, zum Beispiel die Aufteilung in kleinere Gruppen. Die LTAG hat sich in Luzern mit G2 Travel, Stadt, Polizei und allen weiteren beteiligten Partnern getroffen, um zusammen eine möglichst ideale Lösung für Logistik, Sicherheit und Kommunikation zu finden.

Die Luzerner Bevölkerung soll an den betroffenen Tagen mehr Zeit einberechnen, der öffentliche Raum werde überlastet sein, warnen die Verantwortlichen. Halten Sie das für gerechtfertigt?

Eine solche Information ist Standard bei allen Grossanlässen – etwa bei Konzerten auf der Allmend, Fasnachtsumzügen oder beim Swiss City Marathon –, bei denen zum Teil sogar die Seebrücke gesperrt wird.

Gab es in der Planung auch Überlegungen, die Reisegruppe in dieser Grösse nicht in Luzern empfangen zu wollen? Könnte die Stadtregierung sowas überhaupt verbieten?

Wie bereits festgehalten: Die Luzern Tourismus AG (LTAG) akquiriert keine solch grossen Gruppen, hat sich nach Bekanntwerden des Projektes aber intensiv für einen reibungslosen Ablauf eingesetzt. Die Grösse dieser Incentive-Gruppe ist eine absolute Ausnahme. Normalerweise zählen solche Gruppen 100 bis 200 Personen. Der Veranstalter «Jeunesse» selbst ging von rund 3'000 und nicht 12'000 Teilnehmenden aus.

Verbieten oder verhindern können wir den Besuch unserer Stadt nicht.

Die touristische Wertschöpfung dieser Gruppe soll 4 Mio. Franken betragen. Wie profitiert die Luzerner Bevölkerung davon?

In Luzern finden für fast alle Gruppen am Abend die Galadinners in den Hallen der Messe Luzern statt; tagsüber stehen 45-minütige Schiffsausflüge sowie Sightseeing und Shopping in Gruppen auf dem Programm. Die ungefähre Wertschöpfung von rund 4 Mio. Franken wurde auf Basis der durchschnittlichen Tagesausgaben eines asiatischen Tages-Gruppengastes in Luzern errechnet.

In einer subjektiven Wahrnehmung hat man das Gefühl, die Luzerner Bevölkerung hat die Altstadt aufgegeben und überlässt dieses Gebiet als eine Art Disneyland den Touristen. Die Luzerner leben, arbeiten und konsumieren stattdessen ennet der Reuss in der Neustadt. Täuscht dieser Eindruck?

Tatsächlich ist es so, dass die Geschäfte im Gebiet Schwanenplatz/Grendel, aber auch an der Pfistergasse oder am Löwenplatz, ihr Angebot auf Touristinnen und Touristen ausrichten. Trotzdem wird in unserer Altstadt auch gewohnt, gearbeitet und gelebt – sie ist kein Disneyland. Die Luzerner Altstadt ist authentisch, historisch gewachsen und keine reine Kulisse. Auch zahlreiche Einheimische halten sich nach wie vor gerne in der Altstadt auf. Es ist richtig, dass sich die Neustadt dynamisch entwickelt hat und deren vielseitiges Angebot eher der einheimischen Bevölkerung bekannt ist.

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