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Kostensenkungs-Projekt in ZürichStadt will künftig um 10 Prozent günstiger bauen

Schulhäuser, Alterszentren und dergleichen will die Stadt Zürich künftig in entschlackter Form realisieren – und so in den nächsten 15 Jahren rund 80 Millionen Franken sparen.

Das Schulhaus Leutschenbach in Schwamendingen wurde 2009 bezogen - es kostete am Ende 25 Prozent mehr als geplant.

Das Schulhaus Leutschenbach in Schwamendingen wurde 2009 bezogen - es kostete am Ende 25 Prozent mehr als geplant.

Angestossen wurde das Projekt «Kostenklarheit» bereits 2010. Am Mittwoch präsentierte Hochbauvorsteher André Odermatt (SP) erste Ergebnisse der bisherigen Bemühungen um Kostensenkung sowie Vorgaben für die Zukunft. Seit 2013 konnten bei geplanten Neubauten rund 17 Millionen Franken eingespart werden. Weitere 80 Millionen sollen es bis 2030 sein.

Gemäss Odermatt entscheidet sich die Kostenfrage nicht beim Bauen, sondern vorher. Die wichtigsten Weichen werden in den Phasen der Bedarfsabklärung und der Bestellung gestellt. Alle städtischen Angestellten, welche in Auftrags-, Planungs- und Bauphasen mitwirken, müssen deshalb eine entsprechende Schulung durchlaufen.

Der «grösste Kostentreiber» sei die zu verbauende Fläche. Neubauten, wie Alters- und Pflegezentren oder Schulhäuser, aber auch städtische Büros sollen mit weniger Fläche auskommen.

Redimensionierung, Verzicht, Reorganisation sind angesagt. Vergleichsgrössen liefert ein Benchmark-System, das Kosten pro Bett, pro Arbeitsplatz und pro Klassenzimmer festhält.

In Schulhäusern beispielsweise sollen Klassenzimmer kleiner, Gruppen- und Aufenthaltsräume zusammengelegt, gewisse Spezialzimmer weggelassen werden. Statt grosszügige Foyers genügen bescheidenere Flächen, Mensen können kleiner ausfallen, wenn das Mittagessen im Schichtbetrieb ausgegeben wird.

Rigide Auslegung von Gesetzen

Immer wieder wird laut Odermatt der Vorwurf laut, die Stadt lege bei ihren Bau- und Öko-Richtlinien allzu strenge Massstäbe an, beziehungsweise lege Gesetze allzu rigide aus. Dies verteure das Bauen. Verschiedene Fälle wurden untersucht. Es wurden laut Odermatt keine kostentreibenden Standards ausfindig gemacht.

Dennoch: Um sicher zu gehen, sammelt die Stadt nun während einem halben Jahr in einem elektronischen Briefkasten Meldungen über «unpassende Ermessensentscheide des Hochbaudepartementes zu gesetzlichen Bestimmungen». Die Eingaben werden in der zweiten Jahreshälfte 2016 ausgewertet. Dann wird entschieden, was allenfalls beseitigt und was bewusst beibehalten wird.

Sanieren oder neu bauen - Unterhaltskosten analysieren

Aber nicht nur geringere Baukosten sind wichtig: Ein hoher Stellenwert kommt der Betrachtung des Lebenszyklus eines Gebäudes zu. Die Kosten, die über diese ganze Zeit anfallen, liegen nämlich viel höher als die Erstellungskosten, über welche die Stimmberechtigten abstimmen.

Das Amt für Hochbauten hat zu diesem Zweck ein Berechnungstool entwickelt, das in der ganzen Schweiz beachtet wird. Eingesetzt werde es vor allem bei strategischen Entscheidungen. Wenn es etwa darum geht, ein in die Jahre gekommenes Pflegeheim zu sanieren oder abzureissen und neu zu bauen.

Es eigne sich aber auch bei Materialfragen, etwa bei der Wahl von Fassaden, sagte Odermatt. Der städtische Bau der Zukunft sei preiswert und robust im Unterhalt. (sda)

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