Aktualisiert 07.01.2014 03:11

Besetztes Labitzke-ArealStadt Zürich will zwischen den Fronten vermitteln

Die Polizei muss Teile des besetzten Labitzke-Areals räumen, findet Mobimo und verweist auf die Abbruchbewilligung. Doch diese reiche nicht, sagt die Stadt Zürich und vermittelt.

von
rom

Auf dem Altstetter Labitzke-Areal herrscht derzeit eine verkorkste Situation. Eigentlich wollte die Eigentümerin Mobimo Anfang Jahr mit dem Abbruch einiger Liegenschaften beginnen, um ihr Bauprojekt voranzutreiben. Doch es gibt Probleme: Zwei der betroffenen Liegenschaften sind seit dem letzten Freitag besetzt. Offenbar von einer Gruppierung, die nichts mit dem anderen besetzten Teil des Areals, dem so genannten Autonomen Beauty Salon, zu tun hat. Zudem haben von den rund 30 Mietern deren zwei ihre Schlüssel nicht wie vorgesehen auf Ende Jahr abgegeben.

Die Mobimo erwartet von der Stadtpolizei nun, dass sie die neu besetzten Gebäudeteile räumt: «Wir haben eine gültige Abbruchbewilligung und gegen die Besetzer Anzeige erstattet», sagt Mobimo-Sprecherin Christine Hug. Bloss: In einem Teil der neu besetzten Gebäude halten sich immer noch zwei Mieter auf, die gemäss Mieterstreckung bis Ende Februar bleiben dürfen.

Mieter klagen über unhaltbare Zustände

«Wir befürchten nun eine polizeiliche Räumung, obwohl wir hier immer noch Miete bezahlen und entsprechend Anspruch auf Strom, Heizung und Wasser haben», sagt David L., einer der Mieter. Er betreibt seit 14 Jahren ein Atelier auf dem Areal und lebt mittlerweile auch hier – zusammen mit gut einem Dutzend weiteren Personen. «Die Zustände sind unhaltbar geworden – die Wasserversorgung hapert und die Heizung funktioniert nicht mehr», so David L.

Dass die frei gewordenen Gebäudeteile Ende letzte Woche besetzt wurden, stört David L. nicht – im Gegenteil: «Ohne die Besetzer würden wir die nächsten Monate in einer Ruine leben.» Die Mobimo habe am 3. Januar regelrechten «Abbruch-Vandalismus» betrieben: «Kaum hatten die Mieter die Schlüssel abgegeben, tauchten Bauarbeiter auf, schlugen Fenster ein und machten die Gebäude unbewohnbar.» Sowohl die letzten Mieter als auch die Besetzer wehren sich gegen diesen «unnötigen Abbruch auf Vorrat».

Keine Räumung vor Sportferien

Sicher ist: Sorgen um eine polizeiliche Räumung müssen sich die Mieter vorerst keine machen. «Wenn es ruhig bleibt, wird vor den Sportferien nicht geräumt», sagt Urs Spinner, Sprecher des städtischen Hochbaudepartements. Zwar verfügt Mobimo über eine Abbruchbewilligung vom Kanton wegen der Altlastensanierung des Areals, aber noch über keine rechtskräftige Baubewilligung. Eine solche müsste gemäss gängiger Praxis vorliegen, um das Areal zu räumen.

Mobimo hat laut Spinner auch noch kein Baugesuch eingereicht. Selbst wenn sie dies nun tun würde, wäre eine Baubewilligung erst in rund vier Monaten zu erwarten und dann könnte es noch Rekurse geben, die das Projekt weiter verzögern. Deshalb sucht die Stadt in den kommenden Wochen das Gespräch mit Mobimo und allenfalls den Besetzern. Spinner: «Die Stadt will wissen, ob die Altlastensanierung bereits jetzt durchgeführt werden muss.»

Baugesuch im Frühling

Gemäss Mobimo-Sprecherin Hug dauert die Altlastensanierung auf dem Areal der ehemaligen Farbenfabrik Labitzke rund zehn Monate. Das sei der Grund, weshalb man bereits jetzt damit habe beginnen wollen. Zudem würden die Arbeiten so ausgeführt, dass die restlichen Mieter nicht tangiert wären. «Weil in den Gebäuden Asbest vermutet wird, erfolgt der Rückbau vorsichtig und Schritt für Schritt», so Hug. Das Baugesuch wolle man im Frühling einreichen.

Offiziell am längsten bleiben dürfen die Besetzer des Autonomen Beauty Salons. Mit diesen hat Mobimo abgemacht, dass sie erst im Frühling gehen müssen. Auf dem Areal plant Mobimo bis 2017 eine Grossüberbauung mit 245 Miet- und Eigentumswohnungen in acht Gebäuden. Eines davon wird ein 15-stöckiger Wohnturm sein. Entworfen wurde die Siedlung von Gigon Guyer Architekten – bekannt unter anderem durch den Prime Tower.

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