Aktualisiert 11.06.2015 13:40

Fachstelle littert

Stadt Zug erlebt eine Güsel-Posse

Die Littering-Fachstelle Zug wollte für Präventionszwecke auf einer Wiese Abfall liegen lassen. Weil man dort aber fast keinen fand, wurde kurzerhand selbst gelittert.

von
Daniela Gigor
Mit diesen Tafeln und dem liegen gelassenen Güsel wollte die Stadt Zug auf das Littering-Problem aufmerksam machen.

Mit diesen Tafeln und dem liegen gelassenen Güsel wollte die Stadt Zug auf das Littering-Problem aufmerksam machen.

Hunderte von achtlos weggeworfenen oder liegen gelassenen Kleinabfällen auf der Rössliwiese in der Stadt Zug am Quai wurden am letzten Samstagmorgen von den Werkhofmitarbeitern mit verschiedenen gelben Tafeln markiert. Darauf war etwa zu lesen: «Voll daneben» oder «Wäh! So nicht!» Ziel der Aktion war, die Benützer des öffentlichen Raumes darauf zu sensibilisieren, die Abfälle in die Kübel zu werfen und nicht einfach liegen zu lassen.

Abfall-Züglete wird zum Politikum

Allerdings: Als die Werkhofmitarbeiter am Samstagmorgen auf die Rössliwiese kamen, da hatte es kaum Güsel auf der Wiese. Was tun, damit die Demo trotzdem stattfinden konnte? Die Lösung der Zuger Litteringfachstelle sah so aus: Abfall-Züglete. Mitarbeiter des Werkhofs sammelten auf der Schützenmattwiese Güsel ein und importierten ihn auf die Rössliwiese, wie Zentral+ berichtete.

Darüber ärgert sich nun SVP-Kantonsrat Beni Riedi: «Das ist ökologischer Schwachsinn.» Riedi sieht den Auftrag der Litteringstelle darin, dass sie dort gegen Littering vorgehen müsse, wo es stattfinde. Der Gipfel sei aber, dass die Anti-Littering-Beauftragten für die Aktion noch selber gelittert hätten. «Ich frage mich, ob es diese Fachstelle braucht», sagt Riedi weiter. Jetzt wird die Güsel-Züglete gar zum Politikum: Im Zusammenhang mit der Anti-Littering-Aktion vom Samstag will Riedi einen Vorstoss im kantonalen Parlament einreichen.

Rössliwiese ist stark betroffen

Laut Roger Naef, Leiter der Fachstelle Littering in Zug, ist die Aktion mehrheitlich gut angekommen. Riedi suche das Haar in der Suppe. «Die Rössliwiese ist die Vorzeigewiese in Zug und ebenfalls stark von Littering betroffen», sagt Naef auf Anfrage von 20 Minuten. Es sei auch kein ökologischer Unsinn gewesen, einen Teil des Mülls von der Schützenmattwiese auf die Rössliwiese zu bringen. Bei der Aktion sei es einfach darum gegangen, der Bevölkerung zu zeigen, was in einer lauen Sommernacht so alles liegen bleiben könne. Naef empfiehlt Riedi, einmal persönlich an einem Wochenende morgens um fünf Uhr die Rössliwiese zu besuchen, wenn die Mitarbeiter des Werkhofs den liegen gebliebenen Güsel wegräumen würden.

Die Güsel-Demo auf der Rössliwiese wurde übrigens früher beendet als erwartet: Ein junger Mann ärgerte sich über die Aktion, weil er fand, sie richte sich gegen Jugendliche. Also sammelte er kurzerhand den importieren Güsel fein säuberlich ein und entsorgte ihn.

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