Aktualisiert 03.03.2019 09:12

BaselStadtbekanntes Puff wird riesige Studenten-WG

Büffeln statt Bumsen: Im ehemals bekanntesten Freudenhaus von Basel ziehen jetzt Studenten ein. Im Mietpreis der Einzimmer-Appartements ist Netflix inbegriffen.

von
lha
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Das Klingeli am Rande des Basler Rotlichtmiliues war jahrzehntelang stadtbekannt als eines der grössten Laufhäuser Basels.

Das Klingeli am Rande des Basler Rotlichtmiliues war jahrzehntelang stadtbekannt als eines der grössten Laufhäuser Basels.

20 Minuten/lha
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Mehrere Kühlschränke und Tiefkühler stehen den 17 Bewohnern zur Verfügung. Damit auch jeder und jede seine Lebensmittel lagern kann.

Mehrere Kühlschränke und Tiefkühler stehen den 17 Bewohnern zur Verfügung. Damit auch jeder und jede seine Lebensmittel lagern kann.

20 Minuten/lha

Klingental 20 oder eben das «Klingeli», wie man in Basel sagt, war jahrzehntelang eine Institution im Basler Rotlichtmilieu. In der Beiz am Eck konnte man bis in die Morgenstunden noch falsche Schnecken oder Schnitzel essen, in der Kontaktbar nebenan buhlten Prostituierte um Kundschaft, die sie mit aufs Zimmer nahm. Vor einem Jahr schloss das Stundenhotel. Das Restaurant bekam neue Pächter und auf der Karte ist nun Hummus statt Hausmannskost.

Zuerst war die Rede von einer Zwischennutzung des ehemaligen Bordells. «Wir wollten aber etwas Solides», sagt Marc Eichenberger von der Vorest Immobilienverwaltung. Er selbst hatte die Idee, daraus eine Studenten-WG zu machen.Es habe sich irgendwie sogar angeboten, sagt Eichenberger. «Es waren alles Einzimmer-Appartements.»

Daraus wurde nun das wohl unkonventionellste Studentenwohnheim von Basel. Eichenberger betont, dass hier keine klassische Studentenbude entstanden ist. «Das sind Appartements im Eigentumsstandard.» Die Preise sind aber durchaus kompatibel mit einem schmalen Studentenbudget. Die günstigste Zimmerkategorie gibt es ab 475 Franken.

Mit Netflix und Putzkraft

Im Mietpreis inbegriffen ist Internet, Swisscom TV und Netflix und obendrauf noch die Reinigung der Gemeinschaftsräume. Das Appartement ist sogar möbliert, wofür die Vorest eigens bei einem Kleinbasler Schreiner zeitgemässe Möbel in Auftrag gab. Maximal zwei Studenten teilen sich jeweils eine Nasszelle. Wer nicht teilen mag: Für 950 Franken gibt es das eigene Bad plus Balkon und 30-Quadratmeter-Suite. Gegen Aufpreis kann man sich sogar das eigene Bad putzen lassen.

Insgesamt 17 Appartements auf drei Etagen werden vermietet, alle teilen sich eine «riesige Küche mit genug Kühlschränken», wie Eichenberger verspricht. Sollte es wider erwarten zu Engpässen kommen, sei noch Stauraum vorhanden.

Mehr Verlockungen, als das Studentenbudget zulässt

Damit nicht genug. Die Gegend rund um das Klingeli ist gastronomisch zu einer der angesagtesten Ecken der Stadt geworden. Auch das Nachtleben findet vor der Haustüre statt. Die Bar Renee, die ein Rotlichtlokal beerbte, ist im Nu zu einer der angesagtesten Adressen der Stadt geworden, und auf dem angrenzenden Kasernernareal sind zwei der grössten Konzertlokale der Stadt. Für ein schmales Studentenbudget fast schon zu viele Verlockungen.

Damit auch wirklich nur Studenten zum Zug kommen, werden die Appartements nur an unter 28-Jährige vermietet, die sich in Aus- oder Weiterbildung befinden. Am Freitag nehmen bereits die ersten fünf ihre Schlüssel in Empfang.

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