Aktualisiert 20.08.2013 12:36

Mit farbigen FähnchenStadtgärtner kämpfen gegen Wegwerfgrills

Ein Brandloch eines Wegwerfgrills kostet 300 Franken. Die Stadt Zürich startet wegen solcher Rasenschäden eine Kampagne. Die Migros erwägt, die Grills aus dem Sortiment zu verbannen.

von
nj

Für jeden braunen Fleck eine Flagge: Grün Stadt Zürich hat genug von den Grillschäden in den städtischen Parkanlagen und hat am Dienstagmorgen mit kleinen Fahnen auf die toten Stellen im Gras hingewiesen. «Es ist eine Schockkampagne, die aufrütteln soll», sagt Lukas Handschin von Grün Stadt Zürich. «Wir wollen die Leute pünktlich zur Rückkehr aus den Ferien auf den Missstand aufmerksam machen.»

Vom Ausmass der Rasenschäden waren die Stadtgärtner am frühen Morgen selbst überrascht. Tausend Fähnchen sind für die Aktion produziert worden. «Wir sind von etwa 900 Schäden ausgegangen», so Handschin. «Doch die Flaggen reichten lange nicht für alle braunen Flecken.» Und das, obwohl nur Teile von Grünanlagen, darunter das Arboretum, das Zürichhorn und die Fritschiwiese mit den Flaggen versehen wurden.

Jeder Brandfleck kostet 300 Franken

Leser-Reporter Daniel Müller ist am Morgen auf dem Weg zur Arbeit am Mythenquai auf die Aktion aufmerksam geworden. «Ich finde die Idee super, denn der Rasen, an dem ich häufig vorbeikomme, ist mittlerweile übersät von toten Flecken.» Handschin hofft, dass auch andere auf dem Arbeitsweg genau hingesehen haben und sich die Botschaft auf den Fähnchen zu Herzen nehmen (siehe Bildstrecke): Einen einzigen Schaden zu beheben kostet 300 Franken – rund zehnmal so viel wie ein durchschnittlicher Grillabend.

Mit weit mehr als tausend Brandlöchern fallen allein in der Stadt Zürich jeden Sommer Kosten von «locker einer halben Million Franken» an, so Handschin. Das tote Gras muss entfernt, ein neues Stück Rasenteppich verlegt werden. «Dieser braucht anfangs täglich Wasser.» Die Reparaturarbeiten finden vor allem im Herbst statt, weil sich im Sommer zu viele Leute in den Anlagen tummeln.

Wer erwischt wird, muss blechen

Ein Grillierverbot für die Zürcher Parks hat die Stadt bei der Revision des Polizeigesetzes abgelehnt. Wer Rasen verbrennt und in flagranti erwischt wird, den zeigt Grün Stadt Zürich aber wegen Sachbeschädigung an. Diesen Sommer sind bei der Stadtpolizei bislang zehn Anzeigen eingegangen. «Das Problem ist, dass die Einweggrills vor allem abends brennen, wenn unsere Mitarbeiter nicht mehr vor Ort sind», sagt Handschin.

Das Problem kennen auch andere Städte. In Basel hat man eine ähnliche Flaggenaktion bereits im Juli durchgeführt. Dort gehen die Behörden von jährlichen Schäden im Bereich von 150 000 Franken aus.

Migros reagiert, Coop nicht

Viele Stadtgärtnereien hoffen nun auch auf Gespräche mit Grossverteilern wie Coop oder Migros sowie Tankstellenshops: «Sie sollen die Einweggrills aus dem Sortiment nehmen», fordert Handschin. Bei Migros könnten die Schweizer Stadtgärtner Glück haben. «Wir denken darüber nach, ob wir nächstes Jahr auf die Einweggrills verzichten wollen», sagt Mediensprecherin Monika Weibel. Ein definitiver Entscheid sei aber noch nicht gefallen.

Bei Coop ist das kein Thema. «Der Einweggrill entspricht einem Kundenbedürfnis und wir möchten unseren Kundinnen und Kunden Wahlfreiheit bieten», sagt Sprecher Ramon Gander. Durch Hinweise auf der Verpackung zeige man aber auf, wie die Grills korrekt verwendet und fachgerecht entsorgt würden. Der Hinweis auf der Verpackung sei neulich optisch vergrössert worden.

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