Gibt es Teslas?: Stadtpolizei Zürich fährt künftig nur noch E-Autos
Aktualisiert

Gibt es Teslas?Stadtpolizei Zürich fährt künftig nur noch E-Autos

Die Stadtpolizei Zürich stellt ihre Fahrzeugflotte etappenweise auf Elektroantrieb um. Dazu sucht sie nun nach einem Anbieter.

von
Jennifer Furer
1 / 9
Auf Anfrage von 20 Minuten sagt Sprecher Michael Walker, dass die Stadtpolizei Zürich künftig ihre Fahrzeugflotte etappenweise auf Elektroantrieb umstelle.

Auf Anfrage von 20 Minuten sagt Sprecher Michael Walker, dass die Stadtpolizei Zürich künftig ihre Fahrzeugflotte etappenweise auf Elektroantrieb umstelle.

Keystone/Georgios Kefalas
Grund für die neue Fahrzeugstrategie: «Mit der neuen Flottenstrategie stellt die Stadtpolizei sicher, dass die für die Polizeiarbeit unabdingbare Mobilität auch in Zukunft effizient und so klimaschonend wie möglich gewährleistet ist», so Walker.

Grund für die neue Fahrzeugstrategie: «Mit der neuen Flottenstrategie stellt die Stadtpolizei sicher, dass die für die Polizeiarbeit unabdingbare Mobilität auch in Zukunft effizient und so klimaschonend wie möglich gewährleistet ist», so Walker.

Keystone/Walter Bieri
Derzeit sucht die Stadtpolizei Zürich mittels öffentlicher Ausschreibung nach einem Anbieter von E-Autos für die Beschaffung von vorerst sieben Fahrzeugen.

Derzeit sucht die Stadtpolizei Zürich mittels öffentlicher Ausschreibung nach einem Anbieter von E-Autos für die Beschaffung von vorerst sieben Fahrzeugen.

Keystone/Walter Bieri

Elektrische Fahrzeuge sind im Aufwind. Im Ausland, in der Schweiz, in Zürich. Nun springt auch die Stadtpolizei Zürich auf diesen Zug auf. Auf Anfrage von 20 Minuten sagt Sprecher Michael Walker, dass die Stadtpolizei Zürich künftig ihre Fahrzeugflotte etappenweise auf Elektroantrieb umstelle.

Grund für die neue Fahrzeugstrategie: «Mit der neuen Flottenstrategie stellt die Stadtpolizei sicher, dass die für die Polizeiarbeit unabdingbare Mobilität auch in Zukunft effizient und so klimaschonend wie möglich gewährleistet ist», so Walker.

Vorerst sieben neue Fahrzeuge

Derzeit sucht die Stadtpolizei Zürich mittels öffentlicher Ausschreibung nach einem Anbieter von E-Autos für die Beschaffung von vorerst sieben Fahrzeugen. «In einem ersten Schritt wird die Stadtpolizei im Rahmen der für die Jahre 2020 und 2021 vorgesehenen ordentlichen Ersatzbeschaffungen für die Verkehrspolizei sieben Elektrofahrzeuge erwerben», sagt Walker.

Drei Fahrzeuge kaufe die Stadtpolizei 2020, vier weitere im Jahr 2021. Da derzeit noch nach einem Hersteller gesucht werde, sei noch offen, wie viel dieser erste Schritt kosten und welches Auto konkret gekauft werde. Demnach ist auch eine Tesla-Flotte, wie sie die Baselstädtische Polizei bereits beschafft hat, nicht ausgeschlossen (siehe Box).

Dass die Stadtpolizei mit Teslas liebäugelt, zeigt der Fakt, dass sie neben anderen Polizeikorps auch bei den Basler Kollegen Auskünfte eingeholt haben. Dabei seien unter anderem Datenschutzfragen im Vordergrund gestanden, sagte eine Sprecherin der Stadtpolizei in einem früheren Bericht.

Nicht-E-Autos unterliegen Bewilligung

Als zweite Massnahme in der neuen Fahrzeugstrategie werde künftig bei Ersatzbeschaffungen von Patrouillenfahrzeugen der ganzen Stadtpolizei jeweils auch die Variante Elektroantrieb geprüft, sagt Walker. «Wenn ein geeignetes Angebot zur Verfügung steht, wird dieses beschafft.»

Zudem müssten alle übrigen Fahrzeuge der Kategorien Personenwagen und Kleinbusse, welche die Stadtpolizei in Zukunft beschafft, einen reinen Elektroantrieb – oder einen vergleichbaren Antrieb – aufweisen, sagt Sprecher Walker weiter. «Ausnahmen, also Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren, müssen begründet und bewilligt werden.»

Marktanalyse beigezogen

Die neue Fahrzeugstrategie der Stadtpolizei sei unter anderem nur möglich, weil gegenwärtig mehrere rein elektrisch betriebene Fahrzeuge auf dem Markt seien, welche die Anforderungen für die Einsatzfahrzeuge der Verkehrspolizei, des Polizeilichen Assistenzdienstes sowie für den grössten Teil der zivilen Fahrzeuge der Kriminalpolizei vollumfänglich erfüllten.

Dies habe eine Marktanalyse ergeben, die auf Basis der Bewegungsprofile der Einsatzfahrzeuge erstellt worden sei, so Stapo-Sprecher Walker. «Ausgenommen sind Fahrzeuge der Fahndung, da für diese spezifische Kriterien gelten.»

Erhöhte Anforderungen

Auch in anderen Bereichen gibt es laut Walker derzeit noch keine überzeugenden Angebote auf dem Markt. So etwa bei den Einsatzfahrzeugen der Sicherheitsabteilung, der Interventionseinheit, des Sonderkommissariats, des Diensthunde-Kompetenz-Zentrums sowie der Wasserschutzpolizei.

Grund dafür seien die erhöhten Anforderungen an Volumen und Nutzlast für diese Patrouillenfahrzeuge. «Die Stadtpolizei geht jedoch davon aus, dass bereits in wenigen Jahren entsprechende grossvolumige Fahrzeuge mit Elektroantrieb auf den Markt kommen», sagt Walker.

E-Autos ökologisch sinnvoll

Positiv zeigt sich der TCS, wenn es darum geht, dass auf Elektroautos umgestellt wird. Sprecher Lukas Reinhardt sagt auf Anfrage, dass es aus ökologischer Sicht durchaus sinnvoll sei, in der Schweiz mit Elektroautos unterwegs zu sein. Zur Beschaffung der Stadtpolizei Zürich möchte sich der TCS grundsätzlich aber nicht äussern, so Reinhardt.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie zeige, dass Elektroautos bei der Produktion zwar deutlich mehr Treibhausgase verursachten als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. «Bei der Nutzung schneiden sie aber in der Schweiz deutlich besser ab», so Reinhardt weiter. In der Schweiz würden Elektroautos vom nachhaltigen Schweizer Strommix profitieren und über die gesamte Lebensdauer gesehen weniger Treibhausgase verursachen als vergleichbare Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren.

Polizei Basel setzt auf Teslas

Für Aufsehen sorgte bereits die Beschaffung von E-Autos durch die baselstädtische Polizei im Dezember 2018. Nicht nur, weil sie sich für das Tesla-Modell X 100D mit Flügeltüren entschieden hat. Ein solcher Elektro-Bolide kostet 140 000 Franken, die Basler Polizei kaufte sieben. Diskussionen entbrannten auch über die Art der Beschaffung, welche die Basler Geschäftsprüfungskommission schliesslich als widerrechtlich bewertete. Sie rüffelte das zuständige Departement für den «unrechtmässigen» freihändigen Kaufentscheid mit ungenügenden Abklärungen und Dokumentation.

Die Basler Polizei waren und sind immer noch überzeugt, dass die Beschaffung rechtens ist, sagt ein Sprecher zu 20 Minuten. Einverstanden sei das Korps mit dem Vorwurf gewesen, dass die Dokumentation hätte besser sein müssen. «Materiell wären wir aber auch mit einer besseren Dokumentation nicht zu einem anderen Ergebnis gekommen», so der Sprecher.

Deine Meinung