Stadtpräsidentin im Vollrausch aus Wohnung geholt
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Stadtpräsidentin im Vollrausch aus Wohnung geholt

Valérie Garbani, Stadtpräsidentin von Neuenburg, wird mit 1, 94 Promille im Blut erwischt und auf den Polizeiposten gebracht - das zehn Tage vor den Gemeinderatswahlen.

Es steht nicht gut um die SP-Politikerin und ehemalige Nationalrätin Valérie Garbani. Gemäss einer kurzen Mitteilung der Stadt Neuenburg ist die Stadtpräsidentin per sofort «aus gesundheitlichen Gründen» abwesend.

Anzeige wegen Hausfriedensbruch

Am Sonntag, 13. April, hat laut einem Bericht in «Le Temps» ein Anwohner der Neuenburger Innenstadt kurz vor 2.00 Uhr die Polizei benachrichtigt. Der Grund: Valérie Garbani wolle «trotz mehrfacher Aufforderung» sein Appartement nicht verlassen. Bei ihrer Ankunft vor Ort wurden die Polizisten von der Stadtpräsidentin mit Schimpftiraden in Empfang genommen. Garbani bezeichnete sie als «Vollidioten» und drohte: «Wenn ihr mich mitnehmt, dann werdet ihr es bereuen. Das wird schlecht ausgehen für euch und ich werde mich dabei gut amüsieren.»

Weil Valérie Garbani sich weiterhin weigerte, die Wohnung zu verlassen, zeigte sie der Mann wegen Hausfriedensbruch an. Schliesslich folgte Garbani den Beamten auf den Polizeiposten, wo sie verhört wurde. Im Bericht wurde festgehalten, dass der Alkoholtest 1,94 Promille ergab.

Kein Einzelfall

Dieser neuste Fall setzt eine Reihe von delikaten Geschichten fort, in die Garbani verwickelt ist. Im vergangenen Februar hatte die Polizei ihr Portemonnaie bei einem Kokain-Konsumenten gefunden. Garbani versichert allerdings, keine illegalen Drogen zu nehmen. Und schon früher waren Ausrutscher von ihr im Zusammenhang mit exzessivem Alkohol- und Medikamentenkonsum bekannt geworden. So wurde ihr auch der Führerschein entzogen. Im Zeitungsinterview sprach Garbani über persönliche Probleme. Sie sei mehrfach Opfer von häuslicher Gewalt geworden.

SP steht hinter ihrer Stadtpräsidentin

Die SP der Stadt Neuenburg stellt sich vor den Gemeinderatswahlen hinter die Stadtpräsidentin, die für eine zweite Amtszeit kandidiert. Die Präsidentin der Kantonalpartei, Monika Maire-Hefti, sprach zwar von einer schwierigen Situation für die Partei. Sie bedauerte aber vor allem das menschliche Drama Garbanis und verwies auch auf ihre gute politische Bilanz. Nach einer allfälligen Wiederwahl müsse sich Garbani behandeln lassen. Auch sie selbst räumte ein, dass sie nach den Wahlen einige Tage Erholung brauche, um aus ihrem Teufelskreis herauszukommen.

tif/SDA

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