Polizeivorsteher: Stadtrat Richard Wolff: «Ich bin Teilzeitvegetarier»
Aktualisiert

PolizeivorsteherStadtrat Richard Wolff: «Ich bin Teilzeitvegetarier»

Um sich für die Wiederwahl zu empfehlen, ass der Zürcher Stadtrat Richard Wolff mit potentiellen Wählern Zmittag. Seinen vegetarischen Menüvorschlag verschmähten aber die meisten.

von
Maja Sommerhalder

«Zum ausgiebig Essen kommt man als Stadtrat wirklich genug», sagte Polizeivorsteher Richard Wolff (AL) und verpiess genüsslich einen Löffel Schoggimousse: «Schokolade mag ich sehr, allerdings gönne ich mir nicht immer ein Dessert.» Sonst setzten die vielen Geschäftsessen rasch an. Am Mittwoch ass der 56-Jährige mit seinen wichtigsten Kunden: Den potentiellen Wählern. Diese haben vor den Stadtratswahlen im Februar die Gelegenheit, 14 Kandidatinnen und Kandidaten im Zentrum Karl der Grosse bei einer gemeinsamen Mahlzeit mit ihren Fragen zu löchern. Das Menü bestimmen die Politiker, die Gäste bezahlen dafür 33 Franken inklusive Getränke.

Bis jetzt war das Interesse allerdings gering. So erschienen letzte Woche beim parteilosen Hanf Ueli gerade mal zwei Nasen und mit dem SD-Kandidaten Walter Wobmann mussten mangels Interessenten sogar die Restaurant-Angestellten speisen. Wolff, der seit diesem Frühling Polizeivorsteher ist, brachte es immerhin auf 15 Gäste.

Wolff: «Wenn möglich, verzichte ich auf Fleisch»

Als Hauptgang wünschte er sich ein Weisswein-Risotto mit Kürbis: «Mit ist wichtig, dass etwas Vegetarisches auf den Tisch kommt», so Wolff, der sich selbst als «Teilzeitvegetarier» bezeichnet: «Wenn möglich, verzichte ich auf Fleisch.» Die Köche setzten dann doch noch eine Rindhackfleischwurst mit Pizokel auf die Speisekarte. Die Gäste dankten es ihnen, denn gerade mal eine Person teilte Wolffs kulinarische Vorliebe. «Wenn ich auswärts esse, bestelle ich meistens Fleisch», sagte eine Frau fast entschuldigend.

Politisch hingegen waren die meisten am Tisch mit Wolff auf einer Wellenlänge. So erschienen einige Parteigefährten und alte Bekannte. «Unsere Kinder gingen zusammen zur Schule», sagte etwa Fabio Gossweiler und fragte Wolff, wie er die Bürokratie im Bildungsbereich und im Sozialwesen abbauen will. «Das gehört nicht in meinen Zuständigkeitsbereich», antwortete Wolff ohne Umschweife. «So ist das mit Politikern, sie weichen eben gerne aus», meinte Gossweiler und fügte rasch hinzu: «Sonst ist der Richi ganz der Alte geblieben. Er ist sehr authentisch und ich habe den Eindruck, dass er ausgewogen mit der Macht umgeht.»

Wolff: «Mit sind keine grossen Fehler passiert»

Kritische Fragen etwa zur Korruptionsaffäre in der Sittenpolizei oder zur Hausbesetzung im Kochareal blieben am Mittagstisch aus. Thematisiert wurde auch nicht, dass Wolff bei einer Podiumsdiskussion die Polizei verärgerte, weil er viel Verständnis für Jugendliche zeigte, die sich über harte Kontrollen beschwerten. «In Zukunft werde ich etwas zurückhaltender mit meinen Äusserungen sein», sagte Wolff dann doch noch, als ihn eine Journalistin darauf ansprach.

Wolff ist zufrieden mit seiner bisherigen Amtszeit und zuversichtlich, dass er wieder gewählt wird: «Mir sind keine grösseren Fehler passiert und ich konnte zeigen, dass ich ein Departement leiten kann.» Dies gab selbst das anwesende FDP-Mitglied Rolf Landolt zu: «Er ist sehr sympathisch und blitzgescheit.» Trotzdem will ihm Landolt seine Stimme nicht geben: «Leider ist Wolff politisch am falschen Ort – Sympathie alleine reicht eben nicht.»

Mittagessen mit den Stadtratkandidaten

Vor dem Stadtratwahlen im Februar können Interessierte mit 15 Kandidaten im Zentrum Karl der Grosse Zmittagessen: Die Politiker bestimmen gemeinsam mit dem Küchenchef ein Menu und stellen sich den Fragen der Gäste. Das Menü kostet 33 Franken inklusive Getränke und die Teilnehmerzahl ist auf 30 Personen beschränkt.

Die nächsten Termine sind:

Andres Türler, 17.12.2013

Samuel Dubno, 18.12.2013

Raphael Golta, 19.12.2013

Filippo Leutenegger, 13.1.2014

Corine Mauch, 14.1.2014

Markus Knauss, 15.1.2014

Roland Scheck, 16.1.2014

Daniel Leupi, 20.1.2014

André Odermatt, 23.1.2014

Claudia Nielsen, 24.1.2014

Nina Fehr Düsel, 31.1.2014

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