Aktualisiert 13.01.2014 17:12

Umstrittene KunstStadtrat Waser sponsert Hafenkran privat

Der abtretende Zürcher Sozialvorsteher Martin Waser (SP) und seine Frau unterstützen den Hafenkran mit Geld aus dem eigenen Sack – das sind bis zu 80'000 Franken.

von
sda/rom
Ab dem kommenden Sechseläuten soll sich das Limmatquai so präsentieren wie auf dieser Fotomontage.

Ab dem kommenden Sechseläuten soll sich das Limmatquai so präsentieren wie auf dieser Fotomontage.

Der Zürcher Stadtrat Martin Waser (SP) schwimmt gegen den Strom. Während andere Magistraten öffentliche Gelder in die private Kasse lenken, spendet der Sozialvorsteher privates Geld an die Realisierung des umstrittenen Hafenkran-Kunstprojekts «Zürich Transit Maritim». 120'000 Franken wollte er locker machen.

Waser erzählte am Montag vor den Medien, dass sich zwischen dem Hafenkran und ihm eine Liebesgeschichte entwickelt habe. Deshalb habe er in einer Stadtratssitzung im vergangenen September Herzrasen und Schweissausbrüche bekommen, als feststand, dass das Projekt kippen könnte, weil es 120'000 Franken teurer werde.

SMS-Wechsel mit der Ehefrau

Mittlerweile geht man bei der Stadt nur noch von 80'000 Franken Mehrkosten aus. Nach einem SMS-Wechsel während der Stadtratssitzung sei klar gewesen, dass er und seine Frau den Fehlbetrag übernehmen würden, sagte Waser. Natürlich sei er froh, «wenn wir nicht die ganze Summe alleine tragen müssen».

Waser war vom Projekt bereits 2008 begeistert, als er in seiner Funktion als Vorsteher des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements (TED) in der Jury sass. Später wechselte er ins Sozialdepartement, den Kran erbte seine Nachfolgerin Ruth Genner (Grüne).

Poller werden ergänzt

Seit 2009 sind vom umstrittenen Hafenkran-Kunstprojekt «Zürich Transit Maritim» am Limmatquai fünf gusseiserne Poller zu sehen. 2014 soll der Kran nun endlich aufgestellt werden. Voraussichtlich am Sechseläuten Ende April dürfte er «parat» sein, wie Jan Morgenthaler vom Projektteam vor den Medien ausführte.

Im Rahmen von «Zürich Transit Maritim» soll neben dem Rathaus-Café während neun Monaten ein originaler Hochsee-Hafenkran aufgestellt werden. Die über 600'000 Franken teure Kunstaktion spielt mit der Fantasie, dass es in Zürich einst einen Hafen gab, der allmählich ausgegraben wird.

Ab dem 7. April wird damit begonnen, das Skelett des Krans freizulegen. Am 10. Mai soll mit einem Festakt dessen Freilegung öffentlich gefeiert werden. Vom 4.-6. Juli findet neben und auf der Limmat ein Hafenfest statt. Beim eigens dafür gegründeten Verein Zürich Maritim können sich unter anderen noch Marktfahrer, Musiker, Gaukler und Gastronomen melden.

Unmut im Parlament und in der Bevölkerung

Wenig festliche Stimmung herrschte jeweils in den Budgetdebatten des Zürcher Gemeinderates, wenn es um eine neue Kredittranche für das Hafenkran-Projekt ging. Das Spektrum reichte von «Symbol für Weltoffenheit» bis zu «Mahnmal für behördliche Sturheit».

Auf weniger Gegenliebe stiess das Projekt auch bei über 6000 Zürcherinnen und Zürcher, welche die städtische Volksinitiative «Hafenkräne-Nein» unterschrieben haben. Auf das aktuelle Projekt hat die Initiative keinen Einfluss mehr. An die Urne kommt sie erst, wenn der Stein des Anstosses, der Hafenkran, schon steht - oder gar schon wieder abgebaut ist.

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