125 Jahre EWZ : Stadtzürcher verbrauchen weniger Strom als andere
Aktualisiert

125 Jahre EWZ Stadtzürcher verbrauchen weniger Strom als andere

Woher kommt der Strom, wie viel Strom braucht der Stadtzürcher und was ist der Plan bei einem Black-out? EWZ-Direktor Marcel Frei gibt Antworten.

Sehen Sie im Video, wie die Zürcher Strom sparen.

Herr Frei*, woher kommt der Zürcher Strom?

Vor 125 Jahren war die Antwort einfach: Der Strom für das damalige Stadtzürcher Hotel Victoria kam aus dem EWZ-Kraftwerk Letten. Auch 1909 war diese Frage immer noch

einfach zu beantworten: Das EWZ nahm damals die schweizweit erste, rund 140 Kilometer lange Stromleitung vom bündnerischen Sils im Domleschg nach Zürich in Betrieb. Heute ist Europa mit einem flächendeckenden Hochspannungsnetz überzogen. Im In-

und Ausland wird Strom produziert und in dieses Netz eingespeist. Auch Zürich bezieht seinen Strom aus diesem Netz. Der Strom nimmt dabei immer den Weg des geringsten Widerstandes. Somit kommt aus der Zürcher Steckdose nicht ausschliesslich Bergeller oder Grimsler Strom, sondern ein Strommix.

Wie viel Strom verbraucht ein Zürcher im Durchschnitt?

Ein Stadtzürcher Haushalt verbraucht im Jahr mit 2800 Kilowattstunden Strom deutlich weniger als ein Schweizer Haushalt mit 4500 Kilowattstunden. Eine Erklärung sind sicher unsere Bemühungen und Beiträge im Rahmen der 2000-Watt- Gesellschaft. Wir richten seit 1991 Förderbeiträge aus für energieeffiziente Geräte und Projekte, die Strom bzw. Wärme aus erneuerbaren Quellen produzieren oder Stromsparmassnahmen umsetzen.

Haben Geräte wie Smartphones den Stromverbrauch in den letzten Jahren ansteigen lassen?

Jein. Die Geräte wurden immer effizienter, aber die Menge der Elektrogeräte ist gestiegen. Gab es früher zum Beispiel in einem Haushalt einen stromfressenden TV, so gibt es heute zwei bis drei energieeffiziente TVs, die zusammen mehr verbrauchen als das alte Gerät. Das kann mit verschiedenen Geräten wie PCs oder Smartphones beliebig fortgeführt werden. Aber auch das Bevölkerungswachstum und die Bautätigkeit in Zürich haben zu einem Anstieg des Stromverbrauchs geführt. Ohne energieeffiziente Massnahmen wäre der Stromanstieg sicher höher gewesen.

Mit welchem Stromverbrauch rechnen Sie in Zukunft?

Der Strombedarf wird steigen. Der Grund liegt beim notwendigen Ersatz von fossilen Brenn- und Treibstoffen wie Heizöl, Erdgas, Benzin und Diesel durch erneuerbare Energiequellen. Die Elektromobilität wird zunehmen und immer mehr Wärmepumpen zum Einsatz kommen. Wir müssen den gesamten Energieverbrauch massiv senken und den Strombedarf aus erneuerbaren Energiequellen wie Wasser, Sonne, Wind und Biomasse decken.

Wie kann man am besten Strom sparen?

Energie sparen lässt sich mit dem Grundsatz: Energievermeidung, Energieeffizienz und schonender Umgang mit unseren Ressourcen. Das bedeutet etwa, Geräte auszuschalten, die wir nicht benötigen, alte durch neue, energieeffiziente Geräte zu ersetzen und den verbleibenden Strombedarf mit erneuerbaren Energien zu decken.

In letzter Zeit gab es in Zürich viele Black-outs. Hat das mit dem steigenden Strombedarf zu tun?

Bei einem Black-out wäre die ganze Stadt Zürich dunkel. Dazu ist es noch nie gekommen. Bisher gab es Stromausfälle, die entweder nur einzelne Häuser oder mehre Quartiere betrafen und maximal 7 Prozent des Stadtgebiets umfassten. Stromausfälle in Zürich kommen nicht häufiger vor als an anderen Orten. In den letzten fünf Jahren betrug die Unterbrechungsdauer 9,7 Minuten pro Jahr und liegt damit deutlich unter dem Schweizer Durchschnitt. Ein Stromausfall in der Stadt wird jedoch stärker beachtet, als wenn der Strom in einer kleineren Landgemeinde ausfällt.

Wie lange würde es dauern, bis ein Black-out für Zürich gefährlich würde?

Ein stadtweiter oder schweizweiter Black-out ist rein «strommässig» nicht gefährlich und hat auch keine Auswirkung auf das Stromnetz selber. Unser Leben würde aber stark beeinträchtigt, da vieles nicht mehr funktionierte: Trams würden nicht fahren, Lichtsignale funktionierten nicht, Kochherde blieben kalt, Smartphones könnten keine Verbindung zu den Antennen aufnehmen, die Wasserversorgung wäre beeinträchtigt, und für die Toilettenspülung gäbe es kein Wasser, an Tankstellen könnte nicht getankt werden und zu Hause bliebe es dunkel.

Momentan hat das EWZ in Zürich eine Monopolstellung. Wie wird das in der Zukunft aussehen?

Wir haben schon heute keine Monopolstellung mehr. Über zwei Drittel unseres Stroms werden von Kundinnen und Kunden bezogen, die im freien Markt ihren Stromanbieter wählen können. Der Zeitpunkt für die zweite Teilmarktöffnung für Privathaushalte und kleinere Gewerbebetriebe ist noch nicht definiert. Diese zweite Phase der Marktliberalisierung wurde vom Bundesrat zurückgestellt und soll noch dieses Jahr neu beurteilt werden. Unabhängig davon haben wir uns fit gemacht für die vollständige Marktöffnung, obwohl wir immer noch keine Planungs- und Rechtssicherheit haben.

Wenn ich Ökostrom beziehe, kommt dann auch tatsächlich Ökostrom aus meiner Steckdose?

Aus der Steckdose kommt ein allgemeiner Strommix, denn es gibt nur ein Stromnetz. Aber unsere Kundinnen und Kunden können mit ihrer Produktwahl bestimmen, wie dieser Mix aussehen soll. Wir produzieren dann ihren Strom mit der entsprechenden Stromqualität und speisen diesen ins Stromnetz ein. Seit 2015 bestehen alle Stromprodukte von EWZ zu 100% aus erneuerbaren Energien. Mit dem Bezug von zertifiziertem Ökostrom fördern unsere Kundinnen und den Bau neuer Produktionsanlagen nach höchsten ökologischen Kriterien, sorgen für die Erneuerung von bestehenden Wasserkraftwerken und ermöglichen Auf- und Abstiegshilfen für Fische sowie eine naturnahe Ufergestaltung.

(20 Minuten)

*Marcel Frei ist Direktor des ewz.

Das feiert dieses Jahr sein . Zu diesem Zweck sind verschiedene Aktionen geplant, so standen am Montagmittag am Paradeplatz die Uhren für eine Stunde still. Damit machte ewz auf das Mixed-Reality-Game «ewz-on» aufmerksam. Das Game fürs Smartphone besteht aus 6 Epochen, angefangen im Jahr 1892 bis in die Zukunft. Es sensibilisiert für Themen wie Energieeffizienz, Energievermeidung und einen schonenden Umgang mit Ressourcen. Wer es bis am 19 September auf seinem Smartphone spielt, kann Preise im Gesamtwert von 60'000 Franken gewinnen.

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