Beliebte Zuwanderer: Städte boomen bei unter 30-Jährigen
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Beliebte ZuwandererStädte boomen bei unter 30-Jährigen

Viele Schweizer Städte erfreuen sich über den Zuzug von jungen Erwachsenen. Dabei gibt es regional grosse Unterschiede punkto Herkunft.

von
Thomas Mathis
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Junge Erwachsene ziehen in die Zentren. Das zeigen die Zahlen für das Jahr 2016.

Junge Erwachsene ziehen in die Zentren. Das zeigen die Zahlen für das Jahr 2016.

Keystone/Ennio Leanza
Nach Zürich sind am meisten junge Erwachsene gezogen.

Nach Zürich sind am meisten junge Erwachsene gezogen.

Thomas Mathis
Nur St. Gallen hatte Ende Jahr etwas weniger junge Einwohner.

Nur St. Gallen hatte Ende Jahr etwas weniger junge Einwohner.

Thomas Mathis

Die Zahlen der Statistikämter zeigen, dass die Städte bei jungen Personen hoch im Kurs sind. 2016 sind in die grössten Kantonshauptorte mehr 20- bis 30-Jährige ein- als ausgewandert. Die Nettozunahme betrug zwischen knapp 1350 in Luzern und 6500 in Zürich. Nur in der Stadt St. Gallen sind mehr junge Personen weg- als zugezogen.

Der St. Galler Stadtpräsident Thomas Scheitlin sagt, dass das an den Bildungsinsitutionen mit internationaler Ausstrahlung liege. Junge Erwachsene würden für das Studium nach St. Gallen ziehen und die Stadt danach wieder verlassen. Das Ziel des Stadtrats sei, möglichst viele Studierende in St. Gallen zu halten.

St. Gallen setzt auf Start-ups

Man versuche, bewusst junge Menschen anzusprechen, damit sie St. Gallen als zukünftigen Arbeitsplatz wählen. «Mit dem Netzwerk Startfeld haben wir ein Zentrum für die Förderung von Jungunternehmern geschaffen, das insbesondere für Start-ups interessant ist», so Scheitlin. Gründer hätten damit die Möglichkeit, ihr Unternehmen in St. Gallen aufzubauen.

Bei der absoluten Zuwanderung unangefochten an der Spitze ist Zürich. Über 12'000 Personen im Alter von 20 bis 30 Jahren sind im vergangenen Jahr zugezogen. Das freut die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch: «Zürich profitiert davon, wenn junge Leute mit ihren Ideen, mit ihrem Elan und verschiedenen Mentalitäten in die Stadt kommen.» Zürich biete jungen Menschen ausgezeichnete Hoch- und Fachschulen, gute Jobs in Zukunftsbranchen und nicht zuletzt auch ein breites Kultur- und Freizeitangebot.

Luzern hat viel regionale Zuwanderung

Bern liegt mit über 5000 Personen auf dem zweiten Platz. Das ist weniger als halb so viel wie Zürich. Es folgen Basel mit knapp 3400, St. Gallen mit gut 2600 und Luzern mit 2300 Personen. Berücksichtigt man die Bevölkerungszahl, verzeichnet Bern den grössten Zuwachs. Knapp vier Prozent der Bevölkerung ist jung und frisch zugezogen. St. Gallen liegt mit drei Prozent ebenfalls vorn.

Geht es um die Zuwanderung aus der Region, liegt Luzern auf dem ersten Platz. 73 Prozent aller aus der Schweiz Zugewanderten haben vorher in einem Zentralschweizer Kanton gewohnt. «Luzern ist ausgesprochene Zentrumsstadt und erfüllt diese Funktion für die gesamte Zentralschweiz», sagt der Luzerner Stadtpräsident Beat Züsli.

Bern lockt Westschweizer und Tessiner an

Für junge Erwachsene sei das dichte Kultur- und Freizeitangebot, der zahlreichen Bildungsmöglichkeiten und der gastronomischen Vielfalt höchst anziehend. «Luzern ist die einzige Gemeinde in der ganzen Zentralschweiz mit diesen Qualitäten», so Züsli. Die Attraktivität verdanke Luzern zu einem grossen Teil einem bunten Bevölkerungsmix. Das wolle man weiterhin pflegen.

Hohe Werte erzielen bei der Zuwanderung aus der Region auch St. Gallen und Bern. Zürich verzeichnet verhältnismässig viel Zuwanderung aus dem Tessin. Bern hat im Vergleich zu den anderen Städten aber insgesamt am meisten Zugewanderte aus anderssprachigen Teilen der Schweiz. Der Anteil beträgt 15 Prozent. «Es freut mich, dass viele junge Personen nach Bern ziehen», sagt der Berner Stadtpräsident Alec von Graffenried.

Basel hat viel Zuwanderung aus dem Ausland

Dass Bern bei Personen aus der Romandie und dem Tessin beliebt sei, dürfte nicht zuletzt auf die Rolle als politisches Zentrum zurückzuführen sein. Die Bundesverwaltung biete interessante Stellen für Westschweizer und Tessiner. «Ich bin stolz darauf, dass unsere Stadt für Personen aus allen Landesteilen attraktiv ist», so von Graffenried.

Beim Anteil Personen, die aus dem Ausland zugewandert sind, hat Basel die Nase vorn. Knapp die Hälfte aller jungen Personen, die es ans Rheinknie zieht, hat vorher im Ausland gewohnt. Von den 2882 Zugewanderten kommen über 30 Prozent aus Deutschland. Mit 4 bis 7 Prozent folgen Italien, Frankreich und Indien.

Viele Zuwanderer kommen aus Deutschland

Die Basler Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann freut sich darüber: «Basel ist bei Einheimischen und Ausländern ein sehr beliebter Arbeits- und Wohnort.» Der Anteil an Arbeitsplätzen in Forschung und Entwicklung mache Basel attraktiv. Die spezialisierten Firmen seien auch auf Fachleute aus dem Ausland angewiesen.

In Zürich ist die Situation ähnlich wie in Basel. 9619 Ausländer haben ihren Wohnsitz 2016 an die Limmat verlegt. Darunter waren neben Deutschen viele Italiener und Briten. Nur wenig Zuwanderung aus dem Ausland verzeichnet Bern. Nur 1666 Personen zogen 2016 aus dem Ausland zu.

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