Höhere Preise: Städte geben Auswärtigen den Tarif durch
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Höhere PreiseStädte geben Auswärtigen den Tarif durch

Für jeden, der bei ihnen in den Ausgang oder ins Theater geht, zahlen die Städte drauf. Jetzt gehen sie in die Offensive: Auswärtige sollen mehr für Eintritte und Billette zahlen.

von
hal

3600 Franken zahlt jeder Stadtzürcher pro Jahr für die sogenannten Zentrumslasten. Einerseits berappt er damit die sogenannte A-Problematik: In den Städten wohnen mehr Alte, Arbeitslose, Arme, Auszubildende und Ausländer – Personengruppen, die im Schnitt höhere Kosten verursachen. Andererseits finanziert er Konzertsäle, Sportangebote oder die Sicherheit. Jeden Monat hat er so rund 300 Franken weniger im Portemonnaie. Dafür können Leute aus anderen Kantonen oder vom Land billig in der Stadt ins Theater, in den Ausgang oder in die Badi.

Allein für Kultur, Sport und Freizeit geben die grossen Zentren 3,7-mal so viel aus wie eine 0815-Gemeinde. Laut einer Studie des Bundesamts für Raumentwicklung haben sie insgesamt 73 Prozent höhere Ausgaben. Trotz Mehreinnahmen an Steuern und Ausgleichszahlungen bleibt so am Ende des Jahres ein fettes Minus – und für die Städter 2 bis 4 Prozent höhere Steuern.

Gemeinden wollen nicht mitbezahlen

Jetzt schlagen die Städte zurück: Das Churer Stadtparlament hat vor kurzem einstimmig einen Vorstoss durchgewunken, der einen Einheimischentarif fordert. Wer von aussen kommt und in Chur parkieren, Bücher ausleihen oder Bus fahren will, soll künftig mehr bezahlen. Dasselbe in Luzern: Dort soll der Eintritt ins Hallenbad Allmend für Auswärtige teurer sein. In Olten SO kostet ein Badi-Jahresabo für Auswärtige künftig 240 Franken, für Einheimische 130. Auch Frauenfelds Stadtammann Carlo Parolari denkt öffentlich über einen Auswärtigentarif nach.

Die Städte reagieren damit darauf, dass die Verhandlungen mit den Gemeinden gescheitert sind: Obwohl sie teilweise akute Finanzprobleme haben – in Olten wurde dieses Jahr sogar das Budget eingefroren – wollten sich die Nachbarn vielerorts nicht an den Kosten beteiligen. In Luzern scheiterte der Gemeindeverband mit dem Vorschlag, die umliegenden Gemeinden sollen den Bau des 30 Millionen Franken teuren Hallenbads mitfinanzieren.

«Weshalb sollen wir zahlen?»

Auch in Chur will sich keine Gemeinde an den Zentrumskosten beteiligen. Vordergründig heisst es, das komme an der Gemeindeversammlung nicht durch, sagt Churs Stadtpräsident Urs Marti im Interview mit dem «Tages-Anzeiger». «Aber eigentlich denken sie sich: Weshalb sollen sie etwas zahlen, wenn es Chur ohnehin macht?»

Die Auswärtigentarife sind ein neues Modell der Städte zur Finanzierung ihrer hohen Zentrumskosten. Allerdings greifen nicht alle darauf zurück: Der Zürcher Kantonsrat lehnte höhere Ticketpreise für auswärtige Opernbesucher ab. Auch der Winterthurer Stadtrat wollte im Oktober nichts von einem Sondertarif für Auswärtige wissen. Er befürchtete unter anderem einen Imageschaden.

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