«Urban Audit»: Städte sind jünger als die Agglomerationen
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«Urban Audit»Städte sind jünger als die Agglomerationen

Eine neue Studie in der Schweiz zeigt: Im Vergleich zu den Agglomerationen haben Städte mehr Probleme mit Arbeitslosen, sind jünger und krimineller.

Die zehn grössten Schweizer Städte sind jünger, krimineller und stärker von Arbeitslosigkeit betroffen als ihr Umland, die Agglomerationen. Das zeigt «Urban Audit» eine am Dienstag veröffentlichte Studie des Bundesamts für Statistik (BFS).

Miteinbezogen wurden auch andere europäische Städte. In der Schweiz untersuchte das BFS Winterthur, Zürich, Bern, Biel, Luzern, Basel, St. Gallen, Lugano, Lausanne und Genf. Dabei zeigte sich, dass das Medianalter in den Kernstädten und Agglomerationen zwischen 1990 und 2008 von 37 auf 40,3 Jahre stieg. Das Medianalter der Gesamtschweiz lag 2008 bei 40,2 Jahren.

Allerdings ergab sich nach 1990 eine Wende: War das Alter in den Kernstädten bis dahin noch höher als im Umland, so wiesen sechs der zehn Kernstädte 2008 ein tieferes Medianalter als die Agglomerationen auf. Das Medianalter weist aus, dass je die Hälfte der Bevölkerung jünger oder älter ist.

Mehr Einbrüche als im Landesdurchschnitt

Die Kriminalität in den zehn Kernstädten war höher als in den Agglomerationen, wie das BFS aufgrund der Wohnungseinbrüche ausweist. Pro 1000 Stadtbewohner musste 2009 mit 4 Einbrüchen gerechnet werden, in der Agglomeration waren es 3,3.

Ausnahme bildet Genf: Hier kamen die Einbrecher in der Agglomeration leicht häufiger. Die Einbruchswerte in den städtischen Gebieten liegen über jenen für die gesamte Schweiz.

Im europäischen Vergleich wiesen alle Schweizer Städte 2008 relativ tiefe Arbeitslosenquoten aus. In den Kernstädten stempelten generell mehr Männer, in den Agglomerationen mehr Frauen. Bei beiden Geschlechtern gab es in den Vororten weniger Arbeitslose als in den Städten. Die Quoten lagen je nach Stadt über dem Landesdurchschnitt, je westlicher die Stadt desto deutlicher.

Die Jugend- und Altersquotienten - der Bevölkerungsanteil der nicht Erwerbsfähigen (unter 20 und über 64) - lagen in den Schweizer Städten, allen voran Zürich und Bern, tiefer als in den verglichenen europäischen Städten. In den Agglomerationen war der Jugendquotient systematisch höher als in den Kernstädten.

Die Agglomerationsbewölkerung wuchs zwischen 2004 und 2008 mit 0,7 Prozent stärker als jene der Kernstädte (0,5 Prozent). Umgekehrt war es in den verglichenen europäischen Städten: Dort wuchsen die Kernstädte stärker. Einzige Ausnahme bildet Winterthur.

Viel Wohnfläche, reichlich Museen

Die städtische und in der Agglomeration ansässige Bevölkerung beanspruchte gemäss Volkszählung 2000 rund 10 Prozent grössere Wohnflächen als in anderen europäischen Städten. In der Agglomeration stand mehr Wohnfläche zur Verfügung als in den Kernstädten. Allerdings lag die Wohnfläche pro Person nahe oder unter den 44 Quadratmetern des schweizerischen Durchschnitts.

In den zehn Schweizer Kernstädten dienten knapp 8 Prozent des Bodens Erholung, Sport und Freizeit. Die drei grössten Schweizer Städte Genf, Zürich und Basel zeigten dabei die höchsten Werte.

Museumsmässig sind die Schweizer Städte ebenfalls gut bestückt. Mit einem Museum für 7000 Einwohner wurde hier 2008 im Europavergleich der höchste Wert erzielt. (sda)

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