Studie des Bundes: Städter zahlen für den Lifestyle der Dörfler
Aktualisiert

Studie des BundesStädter zahlen für den Lifestyle der Dörfler

Eine neue Studie des Bundes zeigt: Wer auf dem Land wohnt, verursacht immer höhere Kosten, kann diese aber teils auf die Steuerzahler abwälzen.

von
Nikolai Thelitz
1 / 4
Wer in einem Einfamilienhaus auf dem Land wohnt, verursacht deutlich mehr Infrastuktur-Kosten als Personen, die in der Stadt wohnen. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie des Bundesamtes für Raumplanung.

Wer in einem Einfamilienhaus auf dem Land wohnt, verursacht deutlich mehr Infrastuktur-Kosten als Personen, die in der Stadt wohnen. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie des Bundesamtes für Raumplanung.

Keystone/Gian Ehrenzeller
Dies, weil in den Städten viel dichter gebaut wird und die Menschen vor allem in Wohnblöcken zu Hause sind...

Dies, weil in den Städten viel dichter gebaut wird und die Menschen vor allem in Wohnblöcken zu Hause sind...

Keystone/Gaetan Bally
...wo Kosten für die Infrastruktur der Strom- und Wasserversorgung auf viel mehr Einwohner verteilt werden können als bei Einfamilienhäusern.

...wo Kosten für die Infrastruktur der Strom- und Wasserversorgung auf viel mehr Einwohner verteilt werden können als bei Einfamilienhäusern.

Keystone/Gaetan Bally

Wer in der Stadt wohnt, verursacht deutlich weniger Kosten in den Bereichen Verkehr, Strom- und Wasserversorgung als Personen, die auf dem Land wohnen. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie des Bundesamtes für Raumplanung.

Dies, weil in den Städten viel dichter gebaut wird und die Menschen vor allem in Wohnblöcken zu Hause sind, wo Kosten für die Infrastruktur der Strom- und Wasserversorgung auf viel mehr Einwohner verteilt werden können als bei Einfamilienhäusern, die vorzugsweise auf dem Land stehen.

Am deutlichsten ist der Unterschied jedoch im Bereich Verkehr, wo Landbewohner doppelt so hohe Folgekosten verursachen, weil sie häufiger mit dem Auto unterwegs sind, der ÖV weniger ausgelastet ist und sie weitere Wege, beispielsweise zum Arzt oder zum Einkaufen, zurücklegen. Während die Landbevölkerung mehr Kosten verursacht als noch im Jahr 2000, sind die Kosten bei den Städtern seither gesunken.

Die Kosten werden auf die Allgemeinheit abgewältzt

Die Mehrkosten werden dabei nur bedingt von den Verursachern selbst getragen. Beim Strassenbau etwa kommen die Steuerzahler zu einem beträchtlichen Teil für die Kosten auf, Stromkonsumenten mit dem gleichen Verbrauchsverhalten bezahlten die gleichen Netznutzungsgebühren, unabhängig von den tatsächlichen Kosten in den einzelnen Siedlungsgebieten.

Die Finanzierung der Infrastruktur sei noch zu wenig verursachergerecht ausgestaltet, schreiben die Studienautoren. Es würden nicht nur jene, welche die höheren Infrastrukturkosten verursachen, zur Kasse gebeten. Vielmehr bestünden lokale, aber auch überregionale Quersubventionierungen. «Die Einwohner von kompakten und damit aus Sicht der Infrastruktur kostengünstigen Siedlungen tragen die Kosten der Zersiedelung mit.»

Über diese Studienergebnisse freut sich Luzian Franzini von den Jungen Grünen. «Hier wird bestätigt, was die wir bereits seit langer Zeit kritisieren. Die Zersiedelung verursacht hohe Infrastrukturkosten und wird vom Steuerzahler sogar subventioniert.» Das Problem dürfte sich in Zukunft noch verstärken, da vielen Menschen bei den hohen Immobilienpreisen in den Städten gezwungen seien, aufs Land zu ziehen.

Anders sieht dies Kathrin Strunk vom Hauseigentümerverband. «Innerhalb der Gemeinden ist es wahrscheinlich so, dass Hauseigentümer mehr Steuern bezahlen als Mieter und sie ihren Anteil so sicherlich nicht durch andere subventionieren.»

Bei den meisten Bauprojekten würden ausserdem Erschliessungskosten, etwa für Zugangsstrassen, fällig. Diese würden die künftigen Bewohner anteilsmässig mitbezahlen. «Auch hier zahlen Hauseigentümer wahrscheinlich mehr als Mieter.»

Zersiedlungsinitiative, Road Pricing oder mehr Steuern?

Weil verdichtetes Bauen günstiger und nachhaltiger sei, wollen die Jungen Grünen mit ihrer Zersiedelungsinitiative dieses fördern. Für jedes neu als Bauzone eingezonte Gebiet soll ein anderes Gebiet gleicher Grösse ausgezont werden, so die Forderung. Auch müssten nun die Steuerabzüge für Pendler überdacht werden, findet Franzini «Es ist absurd, dass Autofahrer gleichzeitig Kosten für Strassen auf die Steuerzahler abwälzen und dafür selbst noch Steuerabzüge geltend machen können.»

«Die Zersiedelungsinitiative will einen absoluten Einzonungsstop. Dies würde die Entwicklungsmöglichkeiten für Städte und Gemeinden zu stark einschränken. Wie sollte ohne Einzonungen das zukünftige Bevölkerungswachstum aufgefangen werden?», sagt Strunk. Auch ob jemand mit Auto oder Bahn pendle, habe eigentlich nichts mit der Wohnform zu tun. «Auch Mieter, die in einem Hochhaus wohnen, können mit dem Auto pendeln, es gibt auch Autopendler zwischen den Städten.»

Die Studienautoren selbst glauben, dass die Landbewohner bald mit Strassenzöllen stärker an den Kosten beteiligt werden könnten. «In Zukunft ist damit zu rechnen, dass zumindest teilweise ein kosten- und verursachergerechteres Mobility-Pricing-System eine gewisse Umsetzungschance erhält.»

Deine Meinung