Aktualisiert 11.08.2009 23:04

Outdoor-BoomStädter ziehts in die Berge – Rega spürts

Städter haben das Wandern für sich entdeckt. Doch die Bergexpedition wird oft unterschätzt – mit schmerzhaften Folgen.

von
Désirée Pomper

Das Wandern ist längst nicht mehr nur des Müllers Lust. «Mit dem Outdoor-Boom zieht es immer mehr Stadtmenschen in die Berge», sagt Ueli Mosimann, Sicherheitsbeauftragter beim Schweizer Alpenclub SAC. So haben die Übernachtungen in den Berghütten in den letzten zehn Jahren um 18 Prozent auf aktuell 324  000 Übernachtungen zugenommen.

Zugenommen hat aber auch die Anzahl Wander­unfälle: Mussten 2005 noch knapp 800 Bergwanderer die Hilfe des Bergrettungsdienstes in Anspruch nehmen, ­waren es letztes Jahr gut 1000. Dies obwohl die Todesfälle im Vorjahresvergleich um 15 Prozent zurückgegangen sind.

«Es gibt viele fahrlässige Wanderer, die Turn- statt Wanderschuhe tragen und weder Wetter- noch Kartenkenntnisse haben», sagt Rolf Moning von der Beratungsstelle für Unfallverhütung.

Doch die urbanen Berg­eroberer fallen nicht nur durch ihr alpines Halbwissen auf, sondern auch durch ihre Wehleidigkeit: «Verstauchten wir uns früher den Fuss, bissen wir die Zähne zusammen und humpelten ins Tal», so Mosimann. Heute werde gleich die Rega gerufen.

Die hohen Ansprüche machen auch vor den Berghütten nicht Halt – weswegen es hier inzwischen statt Massenschlägen und Büchsenbratwürsten Doppelzimmer und Drei-Gang-Menüs gibt. Doch das ist den Luxusverwöhnten nicht genug. «Manche Gäste erwarten hier oben eine Dusche, Internetzugang und eine Steckdose, um ihr Handy aufzuladen», so Bruno Lüthi, Marketingleiter beim SAC.

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