Städtische Asylorganisation weiss von nichts
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Städtische Asylorganisation weiss von nichts

Drogen, Drohungen und randalierende deutsche Zeitarbeiter: In einer untervermieteten Asylantenbaracke in Zürich ist der Teufel los. Die Vermieterin der Baracken, die Asylorganisation Zürich, hat von all dem nichts mitgekriegt - und will damit auch nichts zu tun haben.

von
Maurice Thiriet

In einer Liegenschaft der Asylorganisation Zürich liegen sich deutsche Zeitarbeiter und der Verwalter der Liegenschaft in den Haaren. Die von einem Temporär-Büro einquartierten Arbeiter werfen dem Verwalter vor, mit einem Backpacker-Hotel das grosse Geld machen zu wollen. Deshalb schikaniere er sie. Da er bereits Werbung für sein «Biker's Home» macht, kommen auch Gäste. Diese werden von den Deutschen regelmässig in die Flucht geschlagen.

Deutsche raus, Gäste rein

Ihr Motiv, die Gäste zu vergraulen, ist simpel. «Derzeit kündigt er nach Tagesstimmung, je nach Zimmeranfrage für sein Projekte «Biker's Home»! Als Kündigungsgrund wird Renovation angeführt. Was heisst: Wände werden gestrichen und Laminat verlegt. Der Arbeitsaufwand von acht Stunden bei einer Raumgrösse von neun Quadratmetern rechtfertigt aus meiner Sicht keine Kündigung», sagt einer der Arbeiter.

«Wir mischen uns nicht ein»

Die städtische Asylorganisation Zürich (AOZ) ist erst von 20minuten.ch auf die Herberge-Pläne des Verwalters, der im Auftrag der Temporärfirma die Liegenschaft verwaltet, aufmerksam geworden. Von den Spannungen die zwischen den Arbeitern und dem Verwalter herrschen, hat man nichts gewusst. «Die Temporärfirma hat mit uns einen Mietvertrag, um in der Liegenschaft Zeitarbeiter einquartieren zu können. Uns wurde signalisiert, dass dieser Vertrag weitergeführt wird. Solange die Liegenschaft zu Wohnzwecken verwendet wird und es keine Probleme mit dem benachbarten Nothilfezentrum für abgewiesene Asylbewerber gibt, mischen wir uns nicht ein», sagt AOZ-Sprecher Thomas Schmutz.

Was nun?

Die Pläne des Verwalters, sein «Biker's Home» einzurichten, sind nun ins Stocken geraten. Er rechnete fest damit, den Mietvertrag des Temporärbüros für die AOZ-Liegenschaft übernehmen zu können. Nun will der Stellenvermittler den Mietvertrag jedoch weiterführen, weil man davon ausgeht, dass seitens der AOZ kein Interesse an einer Backpacker-Unterkunft besteht. Die AOZ hat sich in dieser Frage noch nicht festgelegt.

Deutschen-Asyl: Was bisher geschah

Ein Temporär-Büro quartiert in einer Liegenschaft der städtischen Asylorganisation Zürich deutsche Zeitarbeiter ein. Das Temporärbüro zahlt dem städtischen Betrieb monatlich 15 000 Franken für die Räumlichkeiten, die wegen der geringen Zahl von Asylbewerbern leerstehen. Der vom Temporärbüro eingesetzte Verwalter der Liegenschaft will nun hinsichtlich der Euro 08 eine Backpacker-Unterkunft einrichten. Die Deutschen Arbeiter behaupten, der Verwalter wolle sie «rausekeln», um lukrativere Gäste einzuquartieren. Der Verwalter wiederum bezichtigt die Arbeiter der Zechprellerei und schlechten Benehmens. Er hat verschiedentlich die Polizei ins Haus gerufen, auch eine Drogenrazzia hat stattgefunden. Die Führung der Asylorganisation Zürich hat von den Vorgängen nichts mitgekriegt. Von den Plänen des Verwalters eine Backpacker-Unterkunft einzurichten und dass eine solche schon beworben wird, hatte man keine Kenntnis.

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