Aktualisiert 01.10.2010 13:39

Pokerverbot

Ständeräte sollen das Pokern kennenlernen

Um für die Legalisierung des privaten Pokerspiels zu werben, haben alle Ständeräte ein Einstiegsset erhalten. Nicht alle reagierten erfreut.

von
mdr

46 Poker-Sets liess Marc Horisberger am Freitagmorgen im Bundeshaus verteilen. Alle Ständeräte haben Poker-Karten, speziell angefertigte Jetons sowie ein Einführungshandbuch erhalten. Mit diesem Einsteigerset und einem beigelegten Brief will Horisberger Werbung machen für die Legalisierung des privaten Pokerspiels. Eine entsprechende Motion von SVP-Nationalrat Lukas Reimann behandelt die kleine Kammer voraussichtlich in der Wintersession, nachdem die grosse Kammer bereits im März Ja gesagt hatte.

Grund für Horisbergers politischen Aktivismus ist ein Bundesgerichtsurteil vom Mai. Es verunmöglicht Pokerturniere ausserhalb von Casinos beinahe völlig, da Poker ein Glücks- und kein Geschicklichkeitsspiel sei. Horisberger ist selbst Veranstalter von Pokerturnieren im kleinen Rahmen. Er vergleicht dies mit Jassturnieren: Jeder Spieler bezahlt ein Startgeld von beispielsweise 40 Franken. Diese Einsätze werden vollumfänglich unter den Siegern aufgeteilt. Zusätzlich bezahlen die Turnierteilnehmer noch eine Taxe von beispielsweise 10 Franken, die die Kosten des Veranstalters decken. «Diese Turnierform des Pokers ist für die Casinos gar nicht attraktiv», sagt Horisberger. Denn deren Spielbank habe keinen Vorteil.

Unklare Rechtslage

Deshalb will Horisberger, dass nach Annahme der Motion Reimann gesetzlich geregelt wird, bis zu welchem maximalen Spieleinsatz Pokerturniere legal sind. Denn wenn heute einige Personen in einem Restaurant pokern, ist es laut Horisberger nicht klar, ob sich der Wirt der Organisation des Glücksspiels schuldig macht. Deshalb wirbt er im Ständerat für die Motion Reimann. Als Charmeoffensive will er das Poker-Set aber nicht verstanden wissen: «Ich will die Parlamentarier über die Fakten informieren.» Denn diese hätten oft keine Zeit, sich mit allen Themen eingehend zu beschäftigen.

Gegen den Zeitmangel nützt aber auch ein Poker-Set nicht unbedingt. Mehrere Ständeräte haben das Paket noch nicht angeschaut. Er habe es nur eingepackt, sagt der Aargauer Maximilian Reimann (SVP). Doch das Anliegen stösst bei ihm grundsätzlich auf offene Ohren: «Ich sehe keinen Grund, warum der Staat Poker verbieten soll, wenn einige Gleichgesinnte um kleine Beiträge spielen.» Den Leuten das Kartenspiel zu verbieten findet auch SP-Ständerat Roberto Zanetti (SO) heikel, betont aber, dass er sich noch nicht mit dem Vorstoss befasst habe. Er selbst kann weder Pokern noch Jassen. Das Einsteigerset von Horisberger hat er dennoch mitgenommen, aber nicht für sich: «Ich bin nicht so das Pokerface», sagt er. Aber sein Göttibub dürfte Freude haben.

«Lasse mich nicht gerne beeinflussen»

Freude am Kartenspiel hat FDP-Ständerat Peter Briner. Beim Jassturnier der Parlamentarier hat er auch schon einen Podestplatz errungen. Den Spass am Pokerspiel könne er deshalb nachvollziehen. Zur politischen Forderung will er sich noch nicht festlegen, aber man könne darüber sprechen, sagt Briner. Ihn stört jedoch die Werbeaktion von Horisberger eher. Den Brief habe er überflogen, das Poker-Set aber in Bern gelassen. «Ich lasse mich nicht so gerne beeinflussen», sagt Briner. Er glaubt, dass das einem grossen Teil des Ständerats so gehe.

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