Krebserkrankung: Ständerat Ernst Leuenberger gestorben
Aktualisiert

KrebserkrankungStänderat Ernst Leuenberger gestorben

«Mit Ernst Leuenberger verlieren der Kanton Solothurn und die Schweiz einen der profiliertesten und herausragendsten Politiker.» So kommentiert die Solothurner Kantonsratspräsidentin Christine Bigolin den Tod von Ständerat Leuenberger.

Am Dienstagabend ist der Solothurner SP-Ständerat Ernst Leuenberger im Alter von 64 Jahren den Folgen seiner Krebserkrankung erlegen, teilte Bigolin heute Morgen mit. Über Jahrzehnte habe Leuenberger die politische Debatte in seinem Kanton und in der Schweiz massgeblich mitgeprägt. (Siehe Biografie)

«Mit Engagement, Sachverstand und starker Stimme hat er von 1983 bis 1999 im Nationalrat und anschliessend im Ständerat die Interessen des Standes Solothurn im Bundeshaus vertreten», sagte Bigolin.

Leuenberger habe sich immer für die Benachteiligten und Schwachen der Gesellschaft eingesetzt. Mit seiner Kraft habe er ihnen Hoffnung, Zuversicht und Selbstvertrauen gegeben.

«Politiker mit Herz und Seele»

Die SP Schweiz und die Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) würdigen Ernst Leuenberger als volksnahen Vollblutgewerkschafter und -politiker.

Mit Ernst Leuenberger verliere die Schweiz eine hoch engagierte Persönlichkeit. «Aschi war stets ein Politiker mit Herz und Seele, ein Gewerkschafter durch und durch, aber auch ein wahrer und guter Freund», wird SP-Parteipräsident Christian Levrat in einer Medienmitteilung zitiert. Leuenberger hinterlasse eine «unermessliche Lücke».

SP-Fraktionspräsidentin Ursula Wyss hob die Bodenständigkeit, Volksnähe und das Verantwortungsbewusstsein des Verstorbenen hervor. «Er hat die Interessen der Arbeiterinnen und Arbeiter mit viel Herzblut vertreten.»

Grosser Rückhalt im Volk

Trauer herrscht auch beim SEV: «Ernst Leuenberger war ein Vollblutgewerkschafter, der dank seinem volksnahen Wesen und seiner klaren, träfen Sprache an der Basis grossen Rückhalt genoss.» Seine Verdienste um die Arbeiterbewegung seien immens. Die Erinnerungen an «einen aussergewöhnlichen Menschen mit einzigartigem Charisma» würden immer erhalten bleiben.

«Mit grosser Bestürzung» nahm auch der Solothurner Landammann Klaus Fischer vom Hinschied Leuenbergers Kenntnis. «Leuenberger war die Stimme Solothurns, die in Bern, aber auch schweizweit, gehört und respektiert wurde.»

Seit 1983 im Parlament

Leuenberger wurde 1983 in den Nationalrat gewählt und gehörte der grossen Kammer bis 1999 an. 1998 präsidierte er den Nationalrat. Im Herbst 1999 wählte das Solothurner Stimmvolk Leuenberger in den Ständerat. Er litt seit 2005 an Krebs. Mit dem wortgewaltigen Leuenberger verliert die SP einen ihrer profiliertesten Politiker. Er war zudem jahrelang als Gewerkschafter beim SEV und in den SRG-Gremien tätig. (sda/dapd)

Ständeratssitz bleibt vorerst vakant

Nach dem Tod des Solothurner SP-Ständerates «Aschi» Ernst Leuenberger bleibt sein Sitz in der kleinen Kammer vorerst vakant. Über die Nachfolge entscheidet das Solothurner Wahlvolk frühestens am eidgenössischen Abstimmungswochende vom 27. September.

Der Regierungsrat habe aus Gründen der Pietät noch keinen Wahltermin festgelegt, sagte Dagobert Cahannes, Mediensprecher des Regierungsrates, am Mittwoch auf Anfrage der SDA. Er werde in den nächsten Wochen festlegen, wann die Ersatzwahl stattfinden solle.

Bei der Erneuerungswahl im Oktober 2007 hatte das Volk Leuenberger und FDP-Ständerat Rolf Büttiker problemlos bestätigt. Der CVP-Kandidatin Anneliese Peduzzi gelang es nicht, den 1999 von Leuenberger eroberten Sitz zurückzuholen.

Deine Meinung