Aktualisiert 15.12.2010 09:51

KrankenversicherungStänderat schickt Managed Care bachab

Der Ständerat widersetzt sich dem Bundesrat und Nationalrat: Krankenversicherer sollen nicht gezwungen werden, ein integriertes Versorgungsnetz anzubieten.

Von integrierten medizinischen Versorgungsnetzen (Managed Care) spricht man, wenn sich Leistungserbringer - etwa Hausärzte, Spezialärzte und Physiotherapeuten - zum Zweck der Koordination der medizinischen Versorgung zusammenschliessen. Dank besserer Koordination sollen die Behandlungsprozesse optimiert, die Behandlungsqualität verbessert und das Kostenwachstum gebremst werden.

Damit Managed Care im Parlament überhaupt eine Chance hat, haben die Gesundheitspolitiker eine Vorlage ausgearbeitet, die sowohl von den Krankenkassen als auch von den Ärzten und Patienten Konzessionen verlangt.

Kompromiss gefährdet

Vergeblich warnten vor allem linke Ständeräte davor, von der Angebotspflicht abzusehen. Ohne Angebotszwang würden zahlreiche Versicherte gezwungen, einen höheren Selbstbehalt zu akzeptieren, da ihre Krankenkasse kein Ärztenetzwerk anbietet, sagte Liliane Maury- Pasquier (SG/GE). Betroffen wären insbesondere Menschen in Randregionen.

Damit die Vorlage erfolg haben könne, müssten die Versicherer mindestens ein Managed-Care-Modell anbieten. Werde der Angebotszwang herausgebrochen, sei das Geschäft gefährdet.

Denn damit sinke auch die Bereitschaft der Versicherten, ihren Beitrag an die Vorlage zu leisten. Sie sollen nämlich über einen differenzierten Selbstbehalt dazu animiert werden, sich einem Ärztenetzwerk anzuschliessen. Wer seine Wahlfreiheit des Arztes nicht einschränkt, soll einen höheren Selbstbehalt bezahlen.

Geteilt wurden diese Argumente auch von den freisinnigen Gesundheitspolitikern Christine Egerszegi (AG) und Felix Gutzwiller (FDP). Lasse der Ständerat die Pflicht zum Angebot eines Ärztenetzwerks fallen, drohe der Vorlage der Absturz, warnte Gutzwiller.

Es sei gerechtfertigt, die Versicherer in die Pflicht zu nehmen, sagte Egerszegi. Die Anforderung an die Versicherer sei nicht extrem: Diese könnten sich mit anderen zusammenzuschliessen. Zudem hätten sie drei Jahre Zeit, entsprechende Angebote einzuführen.

Markt solls richten

Andere bürgerliche Ständeräte, vor allem aus den Reihen der CVP, bezeichneten den Angebotszwang schlicht als überflüssig. Seien die Netzwerke überzeugend, dann würden die Versicherten von alleine zu solchen Angeboten wechseln. Damit kämen die Versicherungen unter Druck, solche Modelle anzubieten, sagte Urs Schwaller (CVP/FR).

Es sei nicht am Staat zu steuern, warnte Alex Kuprecht (SVP/SZ). Der Markt, das heisst die Versicherten, würden den Ärztenetzwerken zum Durchbruch verhelfen. (sda)

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