Aktualisiert 14.06.2005 10:05

Ständerat will lateinische Schweiz bevorzugen

Bei der Besetzung von Führungspositionen im Bund sollen bei gleichen Fähigkeiten Kandidierende aus der lateinischen Schweiz bevorzugt werden. Der Ständerat hat am Dienstag eine entsprechende Motion von Jean Studer (SP/NE) gutgeheissen.

Stein des Anstosses war die Wahl des Deutschschweizers Oswald Sigg zum Nachfolger von Bundesratssprecher Achille Casanova. Damit habe die offizielle Schweiz ihren letzten ranghohen Vertreter italienischer Muttersprache verloren. Die Lateiner unter den Kadern in der Bundesverwaltung bildeten eine aussterbende Spezies.

Der Tessiner Dick Marty (FDP) war über die Wahl Siggs enttäuscht. Es sei unverständlich, dass die Regierung der multikulturellen Schweiz einen Sprecher wähle, der eine Amtssprache weder sprechen noch verstehen könne. Das gebe es in keinem mehrsprachigen Land in Europa.

Die Bündner Theo Maissen (CVP) und Christoffel Brändli (SVP) ärgerten sich darüber, dass Kulturminister Pascal Couchepin die neue rätoromanische Vizekanzlerin Corina Casanova als Deutschschweizerin bezeichnet hatte. Die Schweiz sei vier- und nicht dreisprachig.

Bundesrat Hans-Rudolf Merz war froh, dass die Sprachenvielfalt immer wieder thematisiert wird. Er stellte eine Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis fest. Seit 2003 gelte die Weisung, dass bei gleicher Qualifikation Kandidierende der sprachlichen Minderheiten namentlich in den Kaderpositionen bevorzugt werden müssten.

Anders sei es in der Praxis, namentlich in seinem Finanzdepartement, räumte Merz ein. Ein ähnliches Vertretungsproblem gebe es bei den Frauen. Fortschritte seien zwar festzustellen. Aber man müsse sich immer wieder Mühe geben. Der Bundesrat war bereit, die Motion entgegenzunehmen.

(sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.