Aktualisiert 19.03.2016 20:44

Foto-ShootingStalins Punk-Enkelin empört Kommunisten

Eine US-Amerikanerin hat vor einem Jahr schrille Bilder von sich auf Facebook publiziert. Eigentlich Schnee von gestern – wäre sie nicht die Enkelin von Josef Stalin.

von
mch

Mit einem Spielzeug-Gewehr auf der Hüfte abgestützt und übertriebenem Make-up posiert Chrese Evans auf Fotos, die sie vor rund einem Jahr auf Facebook hochgeladen hat. Die Aufnahmen seien im Rahmen eines Shootings entstanden, in dem die 44-Jährige eine Figur aus dem britischen Comic «Tank Girl» nachahme, wie der «Stern» schreibt. Russische Blogger stiessen aber erst jetzt auf die Fotos und schicken sie wild umher – denn Evans ist die Enkelin von Josef Stalin.

Anscheinend fühlen sich jetzt russische Kommunisten gekränkt, weil in ihren Augen die Enkelin den Namen Stalin beflecke. Glaubt man dem staatlichen russischen Nachrichtenportal «Sputnik», soll Sergej Malinkowitsch der Partei «Kommunisten Russlands» gesagt haben: «In der nächsten Politbüro-Sitzung werden wir einen offenen Brief verabschieden, in dem wir fordern, dass Stalins Enkelin auf ihr provozierendes Benehmen verzichtet, das den Namen des berühmten Grossvaters schändet.»

Eine schwierige Distanzierung

Chrese Evans heisst gebürtig Olga Peters. Auch ihre Mutter Lana trug diesen Nachnamen, hiess zuvor aber Swetlana Allilujewa. Doch dieser Name war ebenfalls geändert, denn ursprünglich hiess sie Swetlana Stalina und war die einzige Tochter von Diktator Josef Stalin (1878-1953). Swetlana emigrierte 1967 über die US-Botschaft in Neu-Delhi in die Vereinigten Staaten. Sie hielt sich auch kurz in der Schweiz auf.

Die vielen Namensänderungen stehen symbolisch für einen lebenslangen Kampf der Abgrenzung von ihrem Vater. Gegenüber einem Journalisten des «Wisconsin State Journal» schilderte Swetlana ihr Schicksal so: «Egal wo ich hingehe – hierhin, in die Schweiz, nach Indien, wo auch immer. Ich werde immer eine politische Gefangene des Namens meines Vaters sein.» Swetlana starb als letztes überlebendes Kind von Stalin am 22. November 2011.

«Einfach einer von drei Männern auf einem Foto»

Evans wusste lange Zeit gar nicht, dass Stalin ihr Grossvater war. «Für mich war Stalin lange Zeit einfach einer von drei Männern auf einem Foto, die den Zweiten Weltkrieg gewonnen haben. Churchill, Roosevelt und er», sagte Evans zur russischen Zeitung «Komsomolskaja Prawda». «Eines Tages bat mich meine Mutter, mich hinzusetzen und ihr gut zu zuhören. So erfuhr ich von seinen Verbrechen.» Mutter und Tocher standen sich sehr nahe.

Heute lebt Evans im US-Bundesstaat Oregon und schreibt Drehbücher für Comedy- und Stand-up-Shows.

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