Dübendorf ZH: «Stalker» aus Dübendorf kommt auf freien Fuss
Aktualisiert

Dübendorf ZH«Stalker» aus Dübendorf kommt auf freien Fuss

Ein psychisch angeschlagener Telefonist aus Dübendorf hat eine Arbeitskollegin massiv belästigt und zwei weitere Frauen attackiert.

von
Attila Szenogrady
Während das Bezirksgericht Zürich den Täter in eine geschlossene Anstalt einwies, ordnete nun das Obergericht eine ambulante Psychotherapie in Freiheit an. Foto: colourbox.com

Während das Bezirksgericht Zürich den Täter in eine geschlossene Anstalt einwies, ordnete nun das Obergericht eine ambulante Psychotherapie in Freiheit an. Foto: colourbox.com

Für den heute 27-jährigen Telefonisten aus Dübendorf hat sich die Berufung vom Mittwoch wirklich gelohnt. Er wurde vom Zürcher Obergericht wegen Körperverletzung, mehrfacher Nötigung, Missbrauchs einer Fernmeldeanlage und weiteren Delikten zu einer Freiheitsstrafe von 13 Monaten sowie 500 Franken Busse verurteilt. Zudem ordneten die Oberrichter eine ambulante Psychotherapie für den seelisch angeschlagenen Marokkaner an. Was bedeutet, dass der Mann sogleich in Freiheit kommt und zudem für eine erlittene Ueberhaft von fünf Monaten ein Schmerzensgeld von 15 000 Franken erhält. So sass der Dübendorfer bereits seit dem November 20009 hinter Schloss und Riegel.

Gemäss einem ersten Urteil des Bezirksgerichts Zürich sollte er noch lange im Gefängnis bleiben. So hatten die Bezirksrichter im letzten Herbst mit der Anordnung einer stationären Massnahme die so genannte „kleine Verwahrung" über den wenig einsichtigen Täter verhängt.

Frauen belästigt und attackiert

Laut einem psychiatrischen Gutachten erkrankte der von einer Schweizerin geschiedene Nordafrikaner im Frühjahr 2009 an paranoider Schizophrenie. Dies äusserte sich an seinem Dübendorfer Arbeitsplatz, wo er wiederholt eine Arbeitskollegin massiv belästigte. Als die Frau im Grossraumbüro zu ihrem Schutz eine grosse Pflanze auf ihr Pult stellte, verrichtete der Angeklagte seinen Job halb stehend, um sein Opfer weiter beobachten zu können. In der Folge verfolgte er die Geschädigte auch auf ihrem Heimweg. Bis er die Kündigung erhielt.

Im November 2009 eskalierte die Situation, als der Angeschuldigte mit seinem Personenwagen mitten in Zürich zwei junge Frauen attackierte und eines der Opfer sogar absichtlich anfuhr.

Stationäre Massnahme wäre unverhältnismässig

Das Obergericht machte klar, dass eine stationäre Therapie unverhältnismässig wäre. Es verwies dabei auf das neue, mildere Strafmass. So hatte das Bezirksgericht noch 18 Monate festgelegt. Was laut Obergericht aufgrund von Teilfreisprüchen nicht mehr haltbar war. Allerdings hielten die Oberrichter fest, dass der am Berufungsprozess noch verwirrt wirkende Beschuldigte die ambulante Massnahme unverzüglich anzutreten wünsche. Womit der Mann nach seiner Entlassung sogleich einen Psychotherapeuten aufsuchen soll.

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