Stall-Arrest für Hühner
Aktualisiert

Stall-Arrest für Hühner

Das Geflügel in der Schweiz muss ab nächsten Dienstag in den Ställen bleiben. Derweil begrenzt Roche die Abgabe des Grippemedikaments Tamiflu.

Auch in der Schweiz wird den Hühnern wegen der Vogelgrippe der Auslauf gestrichen. Der Bundesrat hat am Freitag einstimmig ein Verbot der Freilandhaltung beschlossen, die Massnahme aber bis Mitte Dezember befristet. In begründeten Einzelfällen sind Ausnahmen möglich, Bioprodukte müssen nicht umdeklariert werden.

Mit dem vorsorglichen Verbot will der Bundesrat die Einschleppung der Vogelgrippe durch Zugvögel verhindern, wie der Direktor des Bundesamtes für Veterinärwesen (BVET), Hans Wyss, vor den Medien sagte. Die Einschleppung der Tierseuche nach Europa sei wohl vorwiegend über Zugvögel erfolgt. Die Schweizer Hühner, Truthühner oder Gänse dürfen darum vorläufig nicht mehr frei herumlaufen. Sie müssen entweder im Stall oder aber in abgeschirmten und überdachten Aussenklimabereichen gehalten werden. Platz sei in der Regel genug da, sagte Wyss: «Es sollte nicht zu Schlachtungen kommen.» Das Verbot gilt ab dem kommenden Dienstag und ist vorerst bis zum 15. Dezember befristet. Nach diesem Datum ist nicht mehr mit grossen Vogelzügen aus Osteuropa zu rechnen.

In begründeten Ausnahmefällen will der Bundesrat Ausnahmen zulassen. Wenn es nicht möglich ist, die Tiere im Stall oder unter einer geschlossenen Abdeckung zu halten, können die Kantonstierärzte vom Verbot absehen. Damit alle Geflügelhalter erfasst werden, hat der Bundesrat auch eine Registrierungspflicht beschlossen: Wer Geflügel hält, muss sich innert Wochenfrist melden. Ebenfalls vorläufig verboten wurden Geflügelmärkte und Ausstellungen.

Das BVET sicherte den Geflügelhaltern zu, dass sie wegen des Freilaufverbots keine Einbussen bei den Direktzahlungen erleiden werden. Auch die Deklaration von Freiland- und Bioprodukten wird für diese vorübergehenden Massnahmen nicht geändert. Die Produkte müssen demnach in den Läden nicht umdeklariert werden, die Konsumenten sollen mit einem Faktenblatt auf die befristete Änderung aufmerksam gemacht werden. Vor der Schweiz hatten bereits Deutschland und Österreich eine Stallpflicht für Geflügel verfügt. Die Schweiz hatte noch am vergangenen Mittwoch eine solche Massnahme als nicht notwendig erachtet.

Wyss gab im Weiteren bekannt, dass bei den bisher untersuchten Zugvogelproben noch kein Fall von Vogelgrippe in der Schweiz aufgetaucht ist. 90 Singvögel seien untersucht worden, mit jeweils negativem Resultat. Das Risiko ist aber bei den Wasservögeln höher einzuschätzen, von denen noch keine Proben vorliegen.

Tamiflu wird rationiert

Das Pharmaunternehmen Roche hat derweil bekanntgegeben, dass das Grippemedikament Tamiflu in den nächsten Wochen nur noch kontrolliert und in limitierter Anzahl abgegeben werde. So will man für die Grippewelle gerüstet sein. Nur solche Patienten sollen Tamiflu erhalten, die es auch wirklich brauchen. Gleichzeitig weist Roche darauf hin, dass die saisonale Grippe noch nicht ausgebrochen ist. Wenn die jährliche Grippewelle aber komme, müsse genügend Tamiflu für die erkrankten Personen zur Verfügung stehen, begründet Roche die Rationierung.

Wie Roche-Sprecher Alexander Klauser auf Anfrage ausführte, wird Roche in einem Schreiben an Grossisten und Ärzte «die Verfügbarkeit von Tamiflu ganz klar für Leute mit Influenza festlegen». Seit dem Sommer sei Tamiflu, zum Teil wohl aus Panik, viel gekauft worden, bei nicht sehr vollen Lagerbeständen der Grosshändler.

Verfügbarkeit sicherstellen

Wohl habe man bei Roche das erhöhte Interesse an dem Medikament antizipiert und einen grossen Teil für die normale Influenzasaison bereits bei Seite gelegt. Mit den zusätzlichen Massnahmen «wollen wir sicherstellen, dass die Verfügbarkeit von Tamiflu während der Grippesaison gewährleistet ist», sagte Klauser.

Die von rund 40 Ländern eingegangenen Aufträge zur Bevorratung für den Fall einer Vogelgrippe-Pandemie würden bedient, sagte der Roche-Sprecher. Die Pandemie-Vorsorge werde klar gesondert von der Grippevorsorge betrachtet, und Roche als Weltkonzern behandle alle Länder gleich. Das Schweizer Tamiflu-Pflichtlager ist gefüllt. (sda)

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