Kokain-Kauf: Stamm drohen drei Jahre Gefängnis oder Geldstrafe
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Kokain-KaufStamm drohen drei Jahre Gefängnis oder Geldstrafe

Luzi Stamm (66) hat nach eigenen Angaben Kokain gekauft, um einen Dealer zu entlarven. Ein erster Schnelltest der Polizei bestätigt, dass es sich um Drogen handelt.

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daw/mm
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Nationalrat Luzi Stamm hat auf den Berner Strassen einem Dealer Kokain abgekauft.

Nationalrat Luzi Stamm hat auf den Berner Strassen einem Dealer Kokain abgekauft.

Keystone/Peter Schneider
Mit dem Säckchen ging er am nächsten Tag zur Polizei und erstattete Anzeige.

Mit dem Säckchen ging er am nächsten Tag zur Polizei und erstattete Anzeige.

Keystone/Dedmityay

Kokain im Bundeshaus! SVP-Nationalrat Luzi Stamm hat am Mittwochmorgen die Polizei ins Bundeshaus gerufen und ihr ein Säckchen mit einer weissen Substanz übergeben. Stamm gibt an, das Kokain in der vergangenen Nacht einem Strassenmusiker in der Berner Altstadt abgekauft zu haben, um ihn zu überführen.

Christoph Gnägi, Mediensprecher der Berner Kantonspolizei, bestätigt den Einsatz: «Herr Stamm hat uns gerufen und eine weisse Substanz übergeben. Ein erster Schnelltest hat ergeben, dass sie Kokain enthält.» Nun werden die genauen Umstände geklärt, wie der Nationalrat in den Besitz des Kokains gekommen ist. «Grundsätzlich sind der Besitz und Erwerb von Kokain verboten.» Ob man auch eine Haarprobe von Stamm genommen habe, sagt die Polizei nicht.

Hat Stamm nun ein Problem?

Ein Berner Anwalt, der sich auf dem Gebiet auskennt, sagt, Stamm könnte sich selbst strafbar gemacht haben. «Laut Artikel 19 des Betäubungsmittelgesetzes drohen Luzi Stamm für das unbefugte Besitzen, Aufbewahren und Erwerben eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe.» Zwar könnten das Motiv für den Kauf und ein leerer Strafregisterauszug strafmildernde Umstände mit sich bringen. «Würde es zu einer Verurteilung kommen, ist eher mit einer bedingten Geldstrafe zu rechnen», erklärt der Anwalt.

Für die Aktion Stamms hat er kein Verständnis: «Verdeckte Ermittlungen sind Aufgabe des Staates.» Stamm selbst war für 20 Minuten noch nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Der Aargauer Nationalrat ist übrigens nicht der erste Politiker, der in den Besitz von Kokain gelangt ist. So begab sich der Genfer MCG-Politiker Eric Stauffer mit der Kamera bewaffnet in das Quartier Pâquis in Genf, um zu demonstrieren, wie leicht man an Kokain kommt. Ein Lockvogel besorgte ihm zwei Gramm Kokain. Die Genfer Staatsanwaltschaft klagte ihn deswegen an, vor Bundesgericht wurde er schliesslich vom Vorwurf der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz freigesprochen.

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