Aktualisiert 05.04.2020 13:52

Coiffeure riskieren Gefängnis

«Stammkunden schneide ich die Haare weiterhin»

Geschäfte verkaufen vor dem Laden Blumen und Coiffeure schneiden im Wohnzimmer Haare. Sie riskieren damit bis zu drei Jahre Gefängnis.

von
jas/zos
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Die Kunden seien sehr dankbar, dass sie weiterhin komme und ihre Haare mache. «Ich erhalte zurzeit besonders grosszügige Trinkgelder», sagt eine Coiffeuse* aus Zürich. Das ist allerdings illegal.

Die Kunden seien sehr dankbar, dass sie weiterhin komme und ihre Haare mache. «Ich erhalte zurzeit besonders grosszügige Trinkgelder», sagt eine Coiffeuse* aus Zürich. Das ist allerdings illegal.

Benakiba
Wer gegen die Verordnung des Bundes verstösst und etwa weiterhin seinen Kunden Haare schneidet, müsse mit einer Anzeige rechnen, erklärt Dionys Widmer von der Stadtpolizei St. Gallen. «Bei Missachtung der Regeln können bis zu drei Jahre Gefängnis drohen.»

Wer gegen die Verordnung des Bundes verstösst und etwa weiterhin seinen Kunden Haare schneidet, müsse mit einer Anzeige rechnen, erklärt Dionys Widmer von der Stadtpolizei St. Gallen. «Bei Missachtung der Regeln können bis zu drei Jahre Gefängnis drohen.»

Erstudiostok
Haty Lehmann, Geschäftsführerin eines Coiffeur-Studios in St. Gallen, findet es verantwortungslos, wenn Coiffeusen sich nicht an die Massnahmen des Bundes halten. Sie erhalte täglich Anfragen von Kunden, die richtiggehend um einen Haarschneid-Termin betteln - und lehne ab.

Haty Lehmann, Geschäftsführerin eines Coiffeur-Studios in St. Gallen, findet es verantwortungslos, wenn Coiffeusen sich nicht an die Massnahmen des Bundes halten. Sie erhalte täglich Anfragen von Kunden, die richtiggehend um einen Haarschneid-Termin betteln - und lehne ab.

Haty Lehmann

«Meine Stammkunden empfange ich seit dem Lockdown weiterhin, einfach nur noch zu Hause», sagt eine Coiffeuse* aus Zürich gegenüber 20 Minuten. Neue Kunden nehme sie nicht an. Damit handelt sie illegal: «Wir gehen jedem Hinweis auf einen Verstoss nach, den wir hören», sagt Michael Walker, Mediensprecher der Stadtpolizei Zürich. «Die Anweisungen des BAG müssen zwingend eingehalten werden.»

Wer gegen die Verordnung des Bundes verstösst, müsse mit einer Anzeige rechnen, erklärt Dionys Widmer von der Stadtpolizei St. Gallen. «Bei Missachtung der Regeln können bis zu drei Jahre Gefängnis drohen.» Angst vor einer möglichen Strafe hat die Coiffeuse nicht, ebenso wenig vor einer möglichen Ansteckung durch Corona. «Ich frage meine Kunden, ob sie gesund sind, und arbeite immer mit Desinfektionsmitteln.» Die Kunden seien sehr dankbar, dass sie weiterhin komme und ihre Haare mache. «Ich erhalte zurzeit besonders grosszügige Trinkgelder.»

Doppelter Preis angeboten

Haty Lehmann, Geschäftsführerin eines Coiffeur-Studios in St. Gallen, findet es verantwortungslos, wenn Coiffeusen sich nicht an die Massnahmen des Bundes halten. Es sei unfair gegenüber denen, die sich daran halten. Sie erhalte täglich Anfragen von Kunden, die richtiggehend um einen Termin betteln würden. «Einer hat mir sogar den doppelten Preis angeboten. Ich habe aber abgelehnt», so Lehmann. Aus ihrem Umfeld hört sie immer wieder von Coiffeuren, die ihren Kunden zu Hause die Haare schneiden. «Wenn wir Hinweise erhalten, gehen wir diesen nach, denn es ist unsere Aufgabe, die Massnahmen des Bundes durchzusetzen», so der Mediensprecher der Stadtpolizei St. Gallen.

Blumen vor Laden verkaufen ist verboten

«Bis Donnerstag hatten wir einen Tisch mit Blumen zur Selbstbedienung vor unserem Laden», erzählt eine Floristin aus Zürich. Die Käufer hätten ihr Geld in ein Kässeli vor dem Laden gelegt. Nun aber habe sie einen Anruf von der Polizei erhalten. Wer sie dort angeschwärzt hat, weiss sie nicht. «Ich muss nun mit einer Anzeige rechnen. Dabei habe ich immer sichergestellt, dass ich keinen Kontakt mit meinen Kunden hatte.» Sie ist froh, dass Blumenlieferungen nach Hause weiterhin erlaubt bleiben. Dabei würden die Blumen per Mail oder telefonisch bestellt, mit Kreditkarte oder Twint bezahlt und dann vor die Haustüre gestellt. «Die Bestellungen können auch vor dem Laden abgeholt werden», präzisiert Dionys Widmer von der Stadtpolizei St. Gallen. «Ein Selbstbedienungstisch mit einer Kasse ist aber nicht erlaubt.»

Bücher vor Laden abholen

Beim Buchladen im Volkshaus in Zürich ist es neben der Heimlieferung auch möglich, Bücher selbst abzuholen. Allerdings dürfen die Kunden hierfür nicht den Laden betreten. Im Vorfeld müssen die Bücher telefonisch oder per Mail bestellt werden. Sobald das Buch vor Ort ist, benachrichtigt der Buchladen seine Kundschaft. «Wir legen das Buch zusammen mit einem Einzahlungsschein auf einen grünen Tisch vor den Laden», sagt Co-Geschäftsführer Tommy Egger. Dies gehe ganz ohne Kontakt. Eine Bücherauswahl vor dem Laden anzubieten, kommt für Egger nicht infrage. «Das ist derzeit nicht erlaubt und steht vermutlich unter drakonischen Strafen.»

Auch bei Abholung Mindestabstand wahren

Laut BAG ist die Form des Verkaufes, wie es der Buchladen im Volkshaus macht, in Ordnung. «Die Geschäftsräume jedoch dürfen nicht betreten werden», sagt das BAG. Wichtig sei, den Mindestabstand von zwei Metern einzuhalten.

*Name bekannt

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