Stand-Off in Rio: Neun Tote
Aktualisiert

Stand-Off in Rio: Neun Tote

Bei stundenlangen Schiessereien zwischen Militärpolizisten und mutmasslichen Rauschgifthändlern in einem Slum von Rio de Janeiro sind am Dienstag neun Menschen ums Leben gekommen.

Nach Angaben der brasilianischen Polizei handelte es sich bei allen Toten um Dealer. Sechs Menschen wurden demnach verletzt, einer davon schwer.

Die Schiesserei begann am Vormittag (Ortszeit), als über 100 Mitglieder einer Eliteeinheit der Militärpolizei auf der Suche nach Verdächtigen in das Elendsviertel Vila Cruzeiro im Norden von Rio vorrückten. 14 Verdächtige wurden festgenommen. Ausserdem beschlagnahmte die Polizei Drogen und Waffen, darunter ein Maschinengewehr.

Schulen und Geschäfte geschlossen

Die schwer bewaffneten Elitepolizisten durchbrachen zu Beginn des Einsatzes mit mehreren gepanzerten Fahrzeugen eine Strassensperre am Eingang des Viertels. Der Einsatz dauerte bis zum Einbruch der Dunkelheit.

Die Schulen und Geschäfte in dem von 20 000 Menschen bewohnten Viertel blieben den ganzen Tag über geschlossen. Einwohner, die zur Arbeit wollten, mussten wegen der heftigen Kämpfe wieder umkehren.

Erst Anfang April waren bei einem Polizeieinsatz gegen Drogenbanden in zwei Elendsvierteln von Rio elf mutmassliche Verbrecher getötet worden.

In Vila Cruzeiro waren bereits im vergangenen Jahr mehr als 30 Menschen bei einer Schiesserei zwischen Rauschgifthändlern und Polizisten getötet worden. Auch damals erklärte die Polizei, bei den Toten handle es sich ausschliesslich um Dealer.

Kritik von Menschenrechtsorganisationen und UNO

Die Aktionen der Polizei in den Favelas von Rio sind sehr umstritten. Menschenrechtsorganisationen und Slumbewohner kritisieren, dass bei den Razzien fast immer Unschuldige, auch kleine Kinder, betroffen sind.

Die örtlichen Behörden gehen mit Unterstützung der Regierung von Präsident Luiz Inacio Lula da Silva mit aller Härte gegen das organisierte Verbrechen vor. Amtlichen Angaben zufolge starben bei den bewaffneten Konfrontationen im vergangenen Jahr 1260 Menschen, 18,5 Prozent mehr als 2006.

Im vergangenen November hatte UNO-Sonderberichterstatter Philip Alston die Polizeigewalt in Brasilien scharf kritisiert. Wenn in Polizeiberichten regelmässig davon die Rede sei, Beamte hätten in Notwehr geschossen und getötet, würden häufig aussergerichtliche Hinrichtungen verschleiert, sagte er.

(sda)

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