Bier und Wein am Zürichsee: Standbetreiber am Seeufer sollen auch Alkohol verkaufen dürfen

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Bier und Wein am ZürichseeStandbetreiber am Seeufer sollen auch Alkohol verkaufen dürfen

Dass der Lieferdienst Easi am Seeufer den Standbetreibern Konkurrenz macht, sei «unfair», sagen zwei Gemeinderäte. In einem Vorstoss fordern sie gleiche Bedingungen für alle.

von
Daniel Krähenbühl
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Sieht man immer öfter am Zürcher Seeufer: die Velokuriere des Startups Easi. 

Sieht man immer öfter am Zürcher Seeufer: die Velokuriere des Startups Easi. 

easi.delivery
Im Gegensatz zu den Standbetreibern, die eine Bewilligung benötigen, dürfen sie auch Alkohol verkaufen. 

Im Gegensatz zu den Standbetreibern, die eine Bewilligung benötigen, dürfen sie auch Alkohol verkaufen. 

easi.delivery
Vielen Standbetreibern stösst das sauer auf. 

Vielen Standbetreibern stösst das sauer auf. 

20min/Sonja Mulitze

Darum gehts

Sie verkaufen Glace, Snacks oder gekühlte Softgetränke: Die mobilen Verkaufsstellen am Zürcher Seeufer sind vor allem an heissen Sommertagen gut besucht. Jedes Jahr vergibt die Stadt Zürich 13 Bewilligungen, je nach Standort kosten diese 310 bis 500 Franken pro Monat. Alkoholische Getränke oder andere Produkte dürfen nicht verkauft werden.

Keinerlei solche Auflagen kennt das Start-up Easi: Die Cargovelos beliefern Kundinnen und Kunden nach der Bestellung über eine App mittels GPS direkt am See. Den Betreibern der Verkaufsstellen stösst das sauer auf: «Es hat vor etwa zwei Jahren angefangen. Inzwischen ufert es völlig aus», sagt etwa René Wohlgemuth zum «TagesAnzeiger».

Zwei Stadtparlamentarier fordern nun, dass das Alkoholverbot für die mobilen Verkaufsstellen am Seeufer aufgehoben wird: «Zwischen offiziellen Verkaufsständen und Quick-Commerce Lieferdiensten herrschen keine gleich langen Spiesse», schreiben die FDP-Gemeinderäte Flurin Capaul und Përparim Avdili in ihrem Vorstoss. Trotz kostenpflichtiger Bewilligung seien die offiziellen Verkaufsstellen benachteiligt. «Die Aufhebung des Verbots schafft für alle Marktteilnehmer gleiche Bedingungen.»

«Unfaire» Ungleichbehandlung

Dass Velokuriere Alkohol verkaufen dürfen, lizenzierte Verkaufsstellen aber nicht, mache in der heutigen Zeit keinen Sinn mehr, sagt Flurin Capaul. «Dass jene, die eine Gebühr zahlen und sich an Regeln halten, benachteiligt werden, ist unfair.» Gleichzeitig könnten mit der Auflage, dass die Verkaufsstellen zwar Alkohol, aber keine Glasbehälter verkaufen dürften, gleich zwei weitere Probleme angegangen werden: «Das senkt die Littering- und Verletzungsgefahr in der Seeanlage.»

Angst, dass mit dem Ende des Alkoholverbots Saufgelage zur Normalität werden oder auch Minderjährige an Alkohol kommen, habe er nicht, sagt Capaul: «Jene, die sich betrinken wollen, können den Alkohol bereits heute per App bestellen.» Und die rechtlichen Voraussetzungen blieben auch für die mobilen Verkaufsstellen bestehen: «Wer Minderjährigen Alkohol verkauft, würde seine Lizenz verlieren», sagt Capaul. Diesen Sommer sei aber noch nicht mit einem Ende des Alkoholverkaufsverbots zu rechnen. «Der Stadt- und Gemeinderat wird allerdings frühestens in sechs Monaten über das Geschäft entscheiden.»

Blaues Kreuz würde allgemeines Verbot vorziehen

Die Suchtfachstelle Blaues Kreuz übt Kritik: «Das Alkoholverkaufsverbot am Seeufer macht Sinn», sagt Sprecher Martin Bienlein. Statt den mobilen Verkaufsstellen den Alkoholverkauf zu erlauben, müsste man den Zubringer- und Lieferdiensten diesen vielmehr verbieten. «Auch unter 16-Jährige kommen bei solchen Onlinediensten problemlos an Alkohol.»

Zusätzlich werde durch das Angebot der Alkoholkonsum am Seeufer befeuert, sagt Bienlein. «Mit Alkohol sinkt die Hemmschwelle, damit steigt die Gewalt.» Gingen Betrunkene schwimmen, überschätzten sie oft ihre eigenen Kräfte – Wasserunfälle seien so vorprogrammiert, sagt Bienlein. «Insgesamt sollte dafür gesorgt werden, dass am See möglichst wenig Alkohol konsumiert wird, statt die Hürden für den Alkoholexzess weiter zu senken.»

Start-up mit Expansionsplänen

Beim Start-up easi.delivery lässt man sich vom Vorstoss nicht aus der Ruhe bringen: «Grundsätzlich haben wir kein Problem damit, wenn auch mobile Verkaufsstellen Alkohol verkaufen dürfen», sagt Michael Rinderli, Mitgründer und Verwaltungsratspräsident der Easi AG. «Wir punkten schliesslich mit einem breiten Sortiment, Flexibilität, Service und Geschwindigkeit.» Die Kritik vom Blauen Kreuz lässt Rinderli aber nicht gelten: «Wir halten uns an alle gesetzlichen Vorgaben.» Im Zweifelsfall seien die Fahrer angehalten, den Ausweis zu kontrollieren.

Das Geschäft laufe derzeit gut, sagt Rinderli. Dass sie im Durchschnitt innert zehn Minuten beim Kunden oder der Kundin seien, werde honoriert: «Wir haben bereits über 8000 Kundinnen und Kunden in Zug und Zürich.» Eine weitere Expansion sei 2023 geplant. «Wir haben die Ambition, national vertreten zu sein.»

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Probleme mit Alkohol?

Hier findest du Hilfe:

Sucht Schweiz, Tel. 0800 104 104

Blaues Kreuz Schweiz, Beratungsstellen

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Feel-ok, Informationen für Jugendliche

My Drink Control, Selbsttest

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