Bilder aus Hotelzimmer: Standen die Terroristen unter Drogen?
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Bilder aus HotelzimmerStanden die Terroristen unter Drogen?

Erste Bilder zeigen, wo sich die Terroristen vor ihrer Tat aufgehalten hatten: Ermittler stiessen in Hotelzimmern in einem Vorort auf Spritzbesteck und Pizzakartons.

von
kko

Die Terroristen bereiteten sich in den beiden Nächten vor den Anschlägen offenbar in verschiedenen Pariser Vororten auf ihre Tat mit über hundert Toten vor. Brahim Abdeslam hatte über ein Webportal ein Haus in Bobigny nordöstlich von Paris gemietet. Sein Bruder, der dringend gesuchte und als Kopf der Gruppe gehandelte Salah Abdeslam (26), buchte mit seiner Kreditkarte zwei Hotelzimmer in Alfortville, einem Ort im Südosten der Hauptstadt Frankreichs. Das bestätigten die französische Polizei sowie das Innenministerium dem französischen Magazin «Le Point».

Ein Video zeigt nun das Innere der Zimmer 311 und 312. Spritzen, Nadeln und Infusionsschläuche sind auf einem Couchtisch zu sehen, daneben liegen Schokoladen-Madeleines aus dem Hotel-Automaten und Pizzakartons eines Lokals von nebenan.

Die Polizei vermutet einerseits, dass das Spritzbesteck zur Herstellung von Sprengstoffgürteln benutzt wurde oder aber die Terroristen sich damit Medikamente und Drogen injizierten. Mit Abdeslam sollen mindestens zwei weitere Personen in den Zimmern übernachtet haben. Das Hotel hat zwar keine Überwachungskameras. Die Ermittler stellten jedoch DNA-Proben sicher und nahmen die Festplatte des Computer der Rezeption mit.

«Wie lebende Tote»

Falls sich die Attentäter vor ihrer Tat mit Drogen oder Medikamenten aufputschen, wäre dies nichts Neues. Nachdem im Juni ein Attentäter fast 40 Menschen im tunesischen Sousse getötet hatte, wurde in seinem Blut später die Droge Captagon nachgewiesen. Augenzeugen berichteten, wie er mit geradezu verklärtem Blick gemordet haben soll.

Auch wenn keine toxikologischen Untersuchungen über die Angreifer vorliegen – Überlebende vom Anschlag im Pariser «Le Bataclan» berichten Ähnliches. Die Männer seien äusserst methodisch und ruhig vorgegangen, hätten wie «lebende Tote» ausgesehen, zitiert «Le Point» Zeugen.

Der medizinische Name für Captagon lautet Fenetyllin. Die Einnahme des Amphetamin-Derivats führt zu einer erhöhten Aufmerksamkeits- und Leistungsbereitschaft und gibt dem Konsumenten ein Gefühl der Stärke und Unbesiegbarkeit. Die international verbotene Substanz ist als Doping für Selbstmordattentäter beliebt und wird angeblich in grossen Mengen in Syrien für Jihadisten und den Verkauf in anderen Golf-Ländern produziert.

Wegen Marihuana Strafe bezahlt

Am Mittwoch wurde zudem bekannt, dass der gesuchte Terrorist einmal wegen eines Drogendelikts die Aufmerksamkeit der Behörden erregt hatte. Der 26-jährige Belgier Salah Abdeslam hatte Anfang Jahr von der niederländischen Polizei eine Geldstrafe wegen Drogenbesitzes erhalten. Dabei handelte es sich um eine kleine Menge Marihuana.

Abdeslam kam mit einer Busse von 70 Euro davon. Die Daten von Abdeslam tauchten nach Angaben der Polizei damals nicht in ihren Systemen auf. (kko/sda)

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