16.01.2019 11:50

Streit unter Kollegen

Star-Architekt Botta will Zersiedelung stoppen

Der Tessiner Star-Architekt Mario Botta tritt einen Streit unter Architekten los: Er wirbt für ein Ja zur Zersiedelungsinitiative – anders als viele Kollegen.

von
eke/pam
1 / 9
Der Tessiner Star-Architekt Mario Botta spricht sich für die Zersiedelungsinitiative der Jungen Grünen aus.

Der Tessiner Star-Architekt Mario Botta spricht sich für die Zersiedelungsinitiative der Jungen Grünen aus.

Keystone/Karl Mathis
Gemäss Botta müssten Siedlungen endlich verdichtet gegen innen gebaut werden.

Gemäss Botta müssten Siedlungen endlich verdichtet gegen innen gebaut werden.

Francesca Agosta
Ansonsten verliere die einzigartige Schweizer Natur ihre Identität.

Ansonsten verliere die einzigartige Schweizer Natur ihre Identität.

Benedetto Galli

Rund 200 Architektinnen und Architekten, darunter Mario Botta, haben einen öffentlichen Brief zugunsten der Zersiedelungsinitiative unterzeichnet. Darin warnen die Unterzeichnenden vor einer verschwenderischen Nutzung des Bodens: «Der Boden wächst nicht nach, wir dürfen ihn nicht länger vergeuden.»

Alle bisher getroffenen Massnahmen hätten nichts gebracht. Noch immer werde in der Schweiz jede Sekunde ein Quadratmeter Land überbaut. Wem die Siedlungsentwicklung nach innen mehr ist als ein Lippenbekenntnis, der werde der Zersiedelungsinitiative zustimmen. «Wer sie ablehnt, ist mit dem Landschaftsfrass einverstanden. So einfach ist das.»

«Verdichtung gegen innen»

Der bekannte Schweizer Architekt Mario Botta führt gegenüber 20 Minuten aus: «Es braucht in den bestehenden Siedlungen dringend eine Verdichtung gegen innen.» Ansonsten verschwimme der Kontrast zwischen Siedlungsgebiet und unbebauter Landschaft immer mehr und die einzigartige Schweizer Natur verliere ihre Identität.

Die Arbeit der Architekten sieht Botta durch die Initiative nicht eingeschränkt: «Mit neuen Technologien sind in den Siedlungsgebieten weiterhin ansprechende Bauten möglich, wo möglich kann in die Höhe gebaut werden.» Die Initiative, so Botta, biete für das Problem der Zersiedelung eine simple Lösung. Sie will die Gesamtfläche der Bauzonen in der Schweiz auf dem heutigen Stand einfrieren.

Mittel sind bereits vorhanden

Der schweizerische Ingenieur- und Architektenverein (SIA) widerspricht dem Star-Architekten. Von Landschaftsfrass könne keine Rede sein «Das ist eine polemische, wenig sachliche Äusserung, die wohl zu Abstimmungskämpfen gehört», sagt der stellvertretende Geschäftsführer Mike Siering. Man sei mit dem Ziel der Initianten, die Landschaft vor der Zersiedelung zu schützen, einverstanden. Die nötigen Mittel dazu seien bereits vorhanden.

Der SIA meint damit das revidierte Raumplanungsgesetz 1, das es bereits ermögliche, zu grosse Bauzonen zu verkleinern. Der Verein befürchtet, dass die Auswirkungen der Initiative kontraproduktiv sein könnten. Problematisch sei, dass die bestehenden Bauzonen eingefroren würden: «In peripheren Zonen werden zu grosse Bauzonen bestehen bleiben. Wir wollen aber eine Verkleinerung, dort wo es nötig ist.» Die Zersiedelungsinitiative verhindere das. Sie sei kontraproduktiv, so Siering: «Sie befördert die Zersiedelung, statt sie zu stoppen.» Ausserdem würden die Bodenpreise weiter steigen und den dringend benötigten Wohnraum weiter verteuern, hielt der Verband in einer Medienmitteilung fest.

Botta widerspricht dieser Kritik: «Die Bodenpreise sind ein wirtschaftspolitisches Problem», sagt er. «Ich arbeite in vielen Teilen der Welt, und an jedem Ort ist das System anders.»

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.