Zensur in Kuba: Star-Bloggerin und Opositionelle verhaftet

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Zensur in KubaStar-Bloggerin und Opositionelle verhaftet

In Kuba sind nach Angaben der Opposition 22 Regierungsgegner festgenommen worden. Auch die preisgekrönte Bloggerin Yoani Sanchez soll von den Behörden angehalten worden sein.

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Yoani Sánchez beschreibt in ihrem Blog «Generación Y», der internationale Auszeichnungen erhalten hat, den Alltag auf Kuba und kritisiert das Regime.

Yoani Sánchez beschreibt in ihrem Blog «Generación Y», der internationale Auszeichnungen erhalten hat, den Alltag auf Kuba und kritisiert das Regime.

Die kubanische Bloggerin Yoani Sánchez ist am Donnerstagabend in Bayamo, der Hauptstadt der Provinz Granma, festgenommen worden. Dies teilten der kubanische regimefreundliche Blogger Yohandry Fontana und die Radiojournalistin García Ginarte aus Havanna mit. Sánchez habe ab Freitag über den Prozess gegen den spanischen Politiker Angel Carromero berichten wollen, der vor mehreren Wochen einen tödlichen Unfall verursacht hatte.

Der 27-jährige Carromero wird beschuldigt, am 22. Juli in der Nähe von Bayamo einen Unfall verursacht zu haben, bei dem der bekannte Dissident Oswaldo Paya ums Leben gekommen war. Laut der offiziellen Version der kubanischen Regierung sei der Spanier mit seinem Auto, in dem ausser Paya auch ein schwedischer Jungpolitiker unterwegs war, mit erhöhter Geschwindigkeit gegen einen Baum gerast. Die Staatsanwaltschaft fordert sieben Jahre Haft für den Politiker der spanischen Volkspartei. Payas Familie zweifelte jedoch an dieser Version und fordert eine unabhängige Untersuchung.

Der offiziellen Angaben zufolge habe Yoani Sánchez vorgehabt, den Prozess mit einer «Provokation und einer Medienshow» zu stören. Festgenommen wurde auch ihr Mann Reinaldo Escobar. Beide sollen, so Blogger Fontana, von der US-Vertretung in Havanna «Anweisungen» erhalten haben, «um dem Prozess zu schaden». Sánchez twitterte bereits am Donnerstag über die vielen Male, die sie auf dem Weg nach Bayamo angehalten wurden, um das Auto zu kontrollieren.

Opositionelle wollten sich treffen

Am selben Tag wurden nach Angaben der Opposition auch 22 Regierungsgegner festgenommen. Unter den Festgenommenen sei Sacharow-Preisträger Guillermo Fariñas, sagte der Oppositionelle Ramón Jiménez der französischen Nachrichtenagentur AFP.

Fariñas' Mutter Alicia Hernández sagte AFP, ihr Sohn habe sich zum Zeitpunkt seiner Festnahme im zentralkubanischen Santa Clara zu einem Treffen der Opposition auf den Weg machen wollen. Die Regierungsgegner bereiteten demnach eine Schrift mit dem Titel «Bürgerantrag auf ein anderes Kuba» vor.

Fariñas gehört zu den prominentesten Kritikern der kommunistischen Führung Kubas. Er war erst im August für 40 Stunden festgenommen worden. Der Soziologe war 2010 vom europäischen Parlament mit dem Sacharow-Preis, einer Auszeichnung für Menschenrechtsaktivisten, geehrt worden.

Er hatte zuvor einen 135-tägigen Hungerstreik für die Freilassung von 406 politischen Häftlingen abgehalten. In Kuba herrscht seit 2006 Raúl Castro, der das Amt von seinem Bruder Fidel übernommen hatte. Jede Form der Opposition ist in Kuba verboten. (kle/sda)

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