Salon Ajkune: Star-Coiffeur führt Viertagewoche bei gleichem Lohn ein
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Salon AjkuneStar-Coiffeur führt Viertagewoche bei gleichem Lohn ein

Im neuen Salon des Coiffeurs Ajkune arbeiten Angestellte nur vier Tage und erhalten den vollen Lohn. Funktioniert das Pilotprojekt, wird das Arbeitsmodell in allen Geschäften eingeführt.

von
Barbara Scherer
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Coiffeusen und Coiffeure müssen beim Coiffeur Ajkune in Zürich nur noch vier Tage pro Woche arbeiten.

Coiffeusen und Coiffeure müssen beim Coiffeur Ajkune in Zürich nur noch vier Tage pro Woche arbeiten.

Coiffeur Ajkune
Dabei erhalten die Angestellten aber weiterhin den vollen Lohn.

Dabei erhalten die Angestellten aber weiterhin den vollen Lohn.

Coiffeur Ajkune
Im Juli eröffnet Geschäftsführerin Ajkune Ahmetaj zusammen mit Violeta Arberi (r.) den neuen Salon in Zürich.

Im Juli eröffnet Geschäftsführerin Ajkune Ahmetaj zusammen mit Violeta Arberi (r.) den neuen Salon in Zürich.

Privat

Darum gehts

  • Beim Coiffeur Ajkune gehen Stars wie Rapperin Loredana ein und aus.

  • Der Coiffeur eröffnet einen neuen Salon in Zürich.

  • Dort arbeiten die Angestellten für ein Jahr nur vier Tage pro Woche bei gleichem Lohn.

Vier Tage in der Woche arbeiten bei vollem Lohn. Immer mehr Firmen verkürzen die Arbeitszeit ihrer Angestellten – insbesondere im IT-Bereich. Dass die Viertagewoche auch in anderen Branchen möglich ist, will nun Coiffeur Ajkune beweisen und führt als einer der ersten Schweizer Coiffeursalons die verkürzte Arbeitswoche ein.

Im Juli eröffnet Geschäftsführerin Ajkune Ahmetaj zusammen mit Violeta Arberi einen neuen Salon in Zürich. Dort arbeiten die Mitarbeitenden vier Tage und erhalten den vollen Lohn. Das Pilotprojekt soll ein Jahr dauern. «Funktioniert die verkürzte Arbeitswoche, werde ich sie in allen Geschäften einführen», so Ahmetaj.

Weniger Umsatz, dafür motiviertes Personal

Anlass zum neuen Arbeitsmodell habe ihr die Corona-Krise gegeben. Die Mitarbeitenden wollen mehr Freizeit, um Familie und Freunde zu treffen, erklärt Ahmetaj: «Bekommen sie diese Zeit, sind sie motivierter bei der Arbeit.»

Fürs Geschäft bedeutet das aber weniger Umsatz. Doch damit könne sie leben, so Ahmetaj: «Ich habe lieber motiviertes Personal.» Obwohl die Arbeitswoche einen Tag kürzer ist, verlängern sich die Arbeitszeiten pro Tag nicht.

Auch die Preise für die Kunden sollen gleich bleiben wie in den anderen Filialen. Beim Geschäft in Zürich handelt es sich um den vierten Coiffeur Ajkune in der Schweiz. Dabei gehören Stars und Sternchen wie etwa Rapperin Loredana oder Tayna zur Kundschaft von Ajkune Ahmetaj.

Über 100 Bewerbungen

Auf die beiden ausgeschriebenen Stellen für den neuen Salon hat Ahmetaj über 100 Bewerbungen erhalten. Normalerweise seien es zehn bis 20. «Und dabei habe ich die Jobs nur auf Instagram ausgeschrieben.» Das zeige, wie gross das Interesse in der Branche an der verkürzten Arbeitswoche sei.

Zudem haben sich viele qualifizierte Personen beworben. Das sei ungewöhnlich. «Denn viele Coiffeusen und Coiffeure mit einer guten Ausbildung haben sich nach Corona selbstständig gemacht», sagt Ahmetaj. Sie sei überzeugt davon, dass die Viertagewoche eine gute Sache ist.

Um herauszufinden, wie die verkürzte Arbeitswoche funktioniert, wird auch die Geschäftsführerin ab August für drei Monate nur noch vier Tage arbeiten. «Wenn ich so etwas einführe, muss ich es auch selber ausprobiert haben», erklärt Ahmetaj.

Vorreiter in der Branche ist Graziano Cappilli, Inhaber der beiden Ketten Amici und Adesso Hair Design. Er hat die Viertagewoche bereits im Februar in seinen elf Filialen in drei Kantonen eingeführt. Zurzeit arbeiten vier Mitarbeitende im verkürzten Arbeitsmodell.

Kosten für Betrieb steigen wohl

Ob die Einführung der Viertagewoche bei gleichbleibendem Monatslohn ohne eine Kostensteigerung möglich ist, bezweifelt Michael Siegenthaler, Arbeitsmarktökonom der Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich. Denn die Angestellten verdienen so 20 Prozent mehr pro Stunde.

«Damit sich das für den Betrieb lohnt, müssten die Mitarbeitenden dann auch 20 Prozent produktiver sein», erklärt Siegenthaler. Da die Arbeitskonditionen besseres Personal anziehen, könne das teilweise funktionieren: «Gut ausgebildete Mitarbeitende sind schneller und besser. Das sorgt für zufriedenere Kundschaft.»

Doch gerade beim Haareschneiden gebe es eine Limite in der Geschwindigkeit. Somit könne die Produktivität nicht unendlich gesteigert werden. Siegenthaler denkt daher, dass das Arbeitsmodell nicht in allen Coiffeur-Betrieben funktionieren würde. 

Viertagewoche im Gesetz

In Belgien ist die Viertagewoche Gesetz. Arbeitnehmende haben das Recht auf eine verkürzte Woche bei gleichem Lohn. Allerdings bleibt die Arbeitszeit dabei gleich. Wer also einen zusätzlichen Tag frei haben möchte, muss die in Belgien geltenden 38 Stunden Wochenarbeitszeit auf vier Tage verteilen. Das heisst, pro Tag werden dann 9,5 Stunden gearbeitet. Chefinnen und Chefs in Belgien haben dabei das Recht, den Wunsch ihrer Angestellten zu verweigern. Sie müssen dies aber schriftlich begründen.

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