23.06.2020 10:10

Mysteriöser Todesfall

Starb Zachary, weil er zu schnell zu viel Wasser trinken musste?

In den USA starb der 11-jährige Zachary Sabin offenbar an den Folgen übermässigen Wasserkonsums. Seine Eltern sind wegen Mordes angeklagt.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Zachary Sabin wurde am 11. März tot und mit Schaum vor dem Mund in seinem Bett vorgefunden.

Zachary Sabin wurde am 11. März tot und mit Schaum vor dem Mund in seinem Bett vorgefunden.

Foto: Screenshot NewsChannel 13
Seine Eltern müssen sich nun vor Gericht verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, ihren Sohn umgebracht zu haben, indem sie ihn zwangen, viel Wasser innert kurzer Zeit zu trinken, wodurch der 11-Jährige eine Wasservergiftung erlitt.

Seine Eltern müssen sich nun vor Gericht verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, ihren Sohn umgebracht zu haben, indem sie ihn zwangen, viel Wasser innert kurzer Zeit zu trinken, wodurch der 11-Jährige eine Wasservergiftung erlitt.

Screenshot Twitter
In einer eidesstattlichen Erklärung gab die Stiefmutter des Verstorbenen an, sie hätte ihn «mit Nachdruck» angehalten, Wasser zu trinken, da der Bub an einer «urologischen Störung» litt.

In einer eidesstattlichen Erklärung gab die Stiefmutter des Verstorbenen an, sie hätte ihn «mit Nachdruck» angehalten, Wasser zu trinken, da der Bub an einer «urologischen Störung» litt.

Screenshot El Pasos County Sheriff’s Office Case

Darum gehts

  • Ein 11-Jähriger trinkt drei Liter Wasser in relativ kurzer Zeit.
  • Kurz darauf wird er tot in seinem Bett aufgefunden.
  • Schuld an seinem Tod sollen seine Eltern sein.
  • Ihnen wird vorgeworfen, ihren Sohn umgebracht zu haben.
  • Derzeit befinden sich die Eltern in Untersuchungshaft.

Viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen, ist wichtig. Doch es kann auch zu viel sein. Das zeigt – einmal mehr – der Fall Zachary Sabins aus den USA. Der 11-Jährige war am 11. März tot und mit Schaum vor dem Mund in seinem Bett vorgefunden worden. Schuld an seinem Ableben sollen die Eltern haben.

Seiner Stiefmutter Tara und seinem leiblichen Vater Ryan wird vorgeworfen, Zachary dazu gezwungen zu haben, innerhalb von nur vier Stunden drei Liter Wasser zu trinken – ohne zwischendurch etwas essen zu können und obwohl er US-Medienberichten zufolge mehrfach erbrach.

Vergiftungsanzeichen und blaue Flecke

Was sich genau im Hause Sabin abgespielt hat, muss das Gericht klären. Zwar starb er nachweislich an einer Wasservergiftung (siehe Box), doch der Gerichtsmediziner stellte nicht nur den Tod des Buben fest, wie Gazette.com schreibt, sondern fand auch Blut an seiner linken Augenbraue und auf der Stirn. Zudem hatte der 11-Jährige Prellungen an Kopf, Armen, Schienbeinen und Po.

Zacharys Stiefmtter Tara erklärte in einer eidesstattlichen Erklärung, sie sei am Abend vor seinem Tod zunächst mit Zachary und seinen Geschwistern allein zu Hause gewesen. Sie habe aber mit ihrem Mann telefoniert, um mit ihm über Zachary zu reden, der den ganzen Tag nichts getrunken habe, was problematisch sei.

Wasservergiftung

Wasser wird für viele Abläufe im Körper benötigt. Wird zu wenig getrunken, hindert das Gehirn, Nieren, Haut und Zellen sowie das Herz-Kreislauf-System an der Arbeit, was weitere Probleme nach sich zieht: Unter anderem nimmt die Konzentrationsfähigkeit ab und die Nieren scheiden nicht mehr genügend Giftstoffe aus.

Aber auch wenn zu viel Wasser in den Körper gelangt, ist das nicht gut. Dann gerät der Natriumspiegel im Blut durcheinander. Dem Körper fehlen wichtige Salze, das Gehirn schwillt an. In der Folge kommt es zu Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen. Im schlimmsten Fall drohen Koma und Tod. Wie viel Wasser zu viel ist, variiert von Person zu Person. Laut Forschern der Monash University in Melbourne ist man auf der sicheren Seite, wenn man immer nur dann trinkt, wenn der Durst sich meldet.

Kleine Schlucke und ein Wutanfall

Da der Urin des 11-Jährigen bereits «richtig dunkel und übelriechend» gewesen sei und er an einer «urologischen Störung» litt, habe sie ihren Stiefsohn auf Anraten ihres Mannes hin «mit Nachdruck» dazu angehalten, Wasser zu trinken.

Doch statt grosse Schlucke zu nehmen oder das Wasser zu exen, wie sein Vater, ein US-Soldat, geraten hatte, habe er nur genippt und einen heftigen Wutanfall bekommen, bei dem er sich immer wieder auf den Küchenboden geworfen habe, auf dem er schlussendlich zusammengesackt und eingeschlafen sei.

Eltern unter Mordverdacht

Versuche, Zachary zu wecken, seien aufgrund seines «Hardcore-Schlafs» fehlgeschlagen. Als er irgendwann doch aufwachte, habe er sich «merkwürdig verhalten» und über Kopfschmerzen geklagt. Ihn ins Bett zu bekommen, sei nicht einfach gewesen.

Wahrscheinlich sei es dabei zu den weiteren Blessuren gekommen, führt die Mutter in der Erklärung aus. Weiter berichtet sie, dass der Vater, nachdem er von der Arbeit nach Hause gekommen sei, so wütend über das Verhalten seines Sohnes gewesen sei, dass er ihn etwas härter angefasst und getreten habe. Die Eltern sitzen in Untersuchungshaft und müssen sich nun wegen Kindesmissbrauchs und Mordes verantworten. Der erste Verhandlungstermin ist für den 23. Juni 2020 anberaumt.

Wasservergiftungen kommen übrigens häufiger vor, als man gemeinhin denkt. Einige Beispiele finden sich in der obigen Bildstrecke.

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