Aktualisiert 09.06.2015 10:35

FastfoodStarbucks rückt McDonald's auf die Pelle

Früher verkaufte Starbucks fast ausschliesslich Kaffee. Mit Sandwiches und Salaten macht die US-Kette jetzt Fast-Food-Lokalen die Kunden streitig.

von
Kaspar Wolfensberger
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Starbucks nimmt vermehrt gesunde Produkte in sein Angebot auf.

Starbucks nimmt vermehrt gesunde Produkte in sein Angebot auf.

Jerry Cleveland
Die US-Kaffeehauskette ist schon länger in der Schweiz aktiv, wie hier am Central in Zürich.

Die US-Kaffeehauskette ist schon länger in der Schweiz aktiv, wie hier am Central in Zürich.

Photopress/Alexandra Wey
Bis in die Züge der SBB haben die Amis es schon geschafft.

Bis in die Züge der SBB haben die Amis es schon geschafft.

Keystone/AP/Christian Beutler

Ein unerwarteter Konkurrent macht McDonald's das Leben schwer: Starbucks. Die Kaffeehaus-Kette nimmt zurzeit in aller Welt neue, gesunde Food-Produkte in ihr Sortiment auf. Ein Blick auf die Auslagen in Schweizer Filialen bestätigt: Längst gibt es bei Starbucks nicht nur Kuchen, Donuts oder Muffins, sondern auch Salate, Wraps, Sandwiches, Piadinas oder Bagels. In den USA führt das Kaffeehaus sogar bereits Drive-Thru-Schalter ein, damit die Kunden ihre Kaffees und Sandwiches direkt aus dem Auto heraus kaufen können.

Für Experten der US-Investmentbank Goldman Sachs ist daher klar: «Starbucks ist die einzige grosse Food-Kette, die jungen Eltern die Bequemlichkeit des Fast-Foods anbietet, ohne dass sie deswegen ein schlechtes Gewissen haben müssen.» Vor allem dank gesunden Snacks wie Joghurt oder frischen Früchten biete Starbucks eine ausgewogene Ernährung für Kinder, so die Analysten. Dies müsse McDonald's Sorgen bereiten. Die Zeiten seien vorbei, in denen ein Happy-Meal-Spielzeug gereicht habe, um neue Kunden zu gewinnen.

McDonald's kämpft mit Problemen

Der Burgerbrater McDonald's kämpft tatsächlich mit Problemen. Vegetarische Gerichte und eine ausgeprägte Fitness-Kultur verderben vielen Leuten die Lust auf Big Macs und Milchshakes. Mit einem umfassenden Sanierungsplan versucht der amerikanische Konzern nun zu alter Stärke zurückzufinden. Ob dies gelingt, ist aber fraglich.

Martina Rauch, Dozentin für Marketing an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, teilt die Einschätzung der Goldman-Sachs-Experten grundsätzlich: «Besonders für jüngere Familien ist der Faktor Gesundheit ein wichtiges Entscheidungskriterium bei der Auswahl eines Restaurants, auch wenn es um Fast Food geht.» Allerdings sieht sie in der Erweiterung des Angebots von Starbucks nur begrenzt einen direkten Angriff auf McDonald's. «Jeder Anbieter entwickelt sich kontinuierlich weiter, um sich den Erwartungen der Kunden anzupassen», so Rauch.

Café als sozialer Treffpunkt

Was junge Eltern bei Starbucks besonders mögen, sei vielmehr das hochwertige Image. Dieses entstehe dank der Betonung der guten Qualität der Produkte. «Die ansprechende Einrichtung der Kaffeebars mit Lounge-Charakter lädt die Kunden ausserdem zum längeren Verweilen ein und macht die Cafés zu einem sozialen Treffpunkt», so Rauch. Für den Markenexperten Stefan Vogler ist genau dies der wichtigste Punkt. «Starbucks hat nichts mehr mit dem herkömmlich-hektischen Fast Food à la McDonald's zu tun», so Vogler zu 20 Minuten.

Allerdings ist auch McDonald's nicht untätig und reagiert auf die neuen Trends. «Bereits 2008 haben wir unsere Restaurants mit McCafés – separaten Kaffee-Ecken – ergänzt. Und seit diesem Jahr testen wir in 45 Restaurants warmes Frühstück», erklärt Aglaë Strachwitz von McDonald's. Ausserdem baut der Burger-Konzern sein Essensangebot laufend aus. «Neue Salate wie zum Beispiel mit Feta und Melone sowie die Clubhouse Burger mit weniger süssem Brot und viel Salat haben wir ins Angebot aufgenommen», so Strachwitz.

Ein zweites Zuhause

Für den Markenexperten Thomas Ramseier von Brandpulse liegt der Erfolg von Starbucks im Konzept des «Second Home.» Dieses beinhaltet die Idee, dass Kunden sich grundsätzlich an drei Orten aufhalten. Zuhause, im Büro und bei Starbucks, ihrem zweiten Zuhause. Dabei können die Starbucks-Kunden verschiedene Infrastrukturen wie Gratis-Wifi nutzen, damit sie sich besonders wohl fühlen.

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