Starfotograf startet Schock-Kampagne
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Starfotograf startet Schock-Kampagne

Der für seine Schockwerbung bekannte italienische Fotograf Oliviero Toscani sorgt erneut für Aufsehen: In einer Kampagne für ein Modelabel zeigt er den ausgemergelten nackten Körper einer jungen Magersüchtigen.

«No. Anorexia» heisst es kurz und knapp dazu: «Nein. Magersucht». Die Frau leidet seit 15 Jahren an der Krankheit und wiegt nur noch 31 Kilogramm.

Toscanis Bilder wurden am Montag, zu Beginn der Mailänder Modewoche, von mehreren italienischen Tageszeitungen und auf Plakaten in mehreren italienischen Städten veröffentlicht.

«Magersucht ist ein Tabuthema für die Modewelt, wie es früher mit Aids war», sagte Toscani, der durch seine umstrittenen Benetton-Werbekampagnen berühmt geworden war, der italienischen Nachrichtenagentur ANSA. «Ich glaube, dass die Mode stark zur Verbreitung der Anorexie beigetragen hat.»

«Die Medien führen Mädchen Erfolgsbeispiele vor, die unerreichbar sind», sagte er weiter. «Das Fernsehen hat eine Gesellschaft erschaffen, die sich nicht liebt und nicht akzeptiert. Das System ist degeneriert.»

Manifest gegen Magersucht

Das italienische Gesundheitsministerium unterstützt Toscanis Kampagne. Nach dem Hungertod eines Models hatten Regierung, Modeverbände und die Organisatoren der italienischen Modenschauen Ende vergangenen Jahres ein Manifest gegen Magersucht verfasst.

Es verbietet unter anderem die Teilnahme von Models unter 16 Jahren an den italienischen Modeschauen und verlangt von allen Teilnehmerinnen ein ärztliches Attest, dass sie unter keiner Essstörung leiden.

Bei Fabiola De Clercq, der Präsidentin eines Verbandes zur Erforschung der Magersucht, stiessen Toscanis Bilder jedoch auf Kritik: «Diese Kampagne macht so keinen Sinn», sagte sie. Ein derart krankes Mädchen gehöre in die Therapie. Die Werbung zeige die Schwere des Leidens nicht und könne keine positive Wirkung haben.

Abscheu oder Hilfe?

Das magersüchtige Fotomodel äusserte sich in einem Interview mit dem Magazin «Vanity Fair» zu der Kampagne. «Seit zu vielen Jahren verstecke ich mich, um meinen Körper nicht zu zeigen. Jetzt will ich mich ohne Angst zeigen, obwohl ich weiss, dass mein Körper Abscheu auslöst», sagte die Frau.

Das physische und psychologische Leid der letzten Jahre habe nur Sinn, wenn ihre Erfahrung jenen Menschen helfen könne, die ebenfalls gegen diese Krankheit kämpften, sagte die Magersüchtige.

Toscani sorgt mit seinen Werbekampagnen immer wieder für Diskussionen. Er war unter anderem verantwortlich für Plakate, die einen neugeborenen Säugling, die blutgetränkte Kleidung eines getöteten jugoslawischen Soldaten oder einen Aids-Kranken zeigten. (sda)

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