Star Style: Stark, Kelly!
Aktualisiert

Star StyleStark, Kelly!

Kelly Osbourne trägt mit Vater Ozzy ein schweres Erbe. Das schultert sie leichter als auch schon.

von
Violet Kiani

Wer Kelly Osbourne wirklich ist, weiss nicht mal Kelly Osbourne. So steht es jedenfalls auf ihrer Website. «Die letzten Jahre habe ich damit verbracht herauszufinden, wer Kelly Osbourne ist», schreibt sie dort. Im Moment ist Kelly Osbourne ein schlankes, zufrieden lächelndes, nüchternes, 26-jähriges Mädchen, das gern in Designerkleidern posiert. Vielleicht bleibt das so, vielleicht aber auch nicht.

Kelly Osbourne ist wie ein Jo-Jo. Mal oben, mal unten. Mal dick, mal dünn. Mal abhängig, mal nüchtern. In den vergangenen acht Jahren sprang sie wie ein Pingpongball von einer Karriere zur nächsten. Sie hat gesungen, getanzt, ein Modelabel gegründet, ein Buch geschrieben, in einem Musical gespielt und ist mit der Familie in der Dokusoap «The Osbournes» vor der Fernsehkamera gestanden. Ihr Debütalbum «Shut up» war authentisch und gar nicht peinlich, wie es einem verwöhnten Rockstar-Spross zuzutrauen wäre. «Changes», das Duett mit ihrem tapfer am Leben bleibenden Vater Ozzy, war ein Nummer-eins-Hit. Ihr Ratgeber «Fierce» war ein Bestseller, und ihre Auftritte im Musical «Chicago» und in der TV-Show «Dancing With the Stars» überzeugten die Kritiker.

Doch viel stärker als die guten haben sich die anderen, weniger schönen Momente in ihr Bewusstsein eingegraben. Der Moment vor zwölf Jahren etwa, als ihr Freund vor allen Bekannten mit ihr Schluss machte, weil er sie zu dick fand. Oder die «Kelly, du bist fett und hässlich!»-Rufe aus den Autos, die vor der Osbourne-Villa in Beverly Hills vorbeifuhren. Oder die Magazine, die sie wegen ihres Gewichts hänselten. «Ich trug bloss Kleidergrösse 38», schreibt Kelly in ihrem Buch.

So viele Schmerzen

Ihre Mutter kämpfte vor den Kameras gegen den Krebs, ihr Vater gegen seine Alkoholsucht, während Kelly versuchte, normal und stark rüberzukommen. Mithilfe des Schmerzmittels Vicodin schien das auch gar nicht so schwer. «Mit Vicodin verschwanden Traurigkeit und Schwere. Ich fühlte mich grossartig. Eine Packung Vicodin war für mich wie eine Packung Selbstbewusstsein.» Nach drei Entziehungskuren hat sie die Sucht überwunden. «Es ist nicht unwahrscheinlich, dass ich zurückfalle. Wenn ich daran denke, muss ich weinen.»

Noch ein Tiefschlag

Einen guten Grund, sich zurück ins Chemie-Märchenland zu katapultieren, lieferte ihre grosse Liebe Luke Worrall, als er sie betrog und sie vor wenigen Monaten die Verlobung aufkündigte. «Auch wenn ich in L. A. bin, fühle ich mich nicht stabil», sagt sie. Glücklich sei sie nur in London, wo man weder Untergewicht noch die neuste Clutch haben müsse, um akzeptiert zu sein. Aber L. A., das sind ihr geliebter Bruder Jack, ihre ältere Schwester Aimee, ihre Mutter, die ihr grösstes Vorbild ist, und ihr Vater Ozzy, um den sie sich ständig Sorgen macht. Andere Mädchen mögen wenig Lust haben, Zeit mit der Familie zu verbringen, aber bei Kelly ist das anders. Auch wenn sie ihre wahre Identität noch nicht gefunden hat, eines ist sie ganz sicher: eine Osbourne. Das sind Leute, die lebenden Tauben den Kopf abbeissen und von Schönheits-OPs ab­hängig sind. Daran gemessen, ist Kelly Osbourne eigentlich ganz normal.

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