Gamescom 2018: Starke Schweizer an der grössten Gamesause
Aktualisiert

Gamescom 2018Starke Schweizer an der grössten Gamesause

Mit 23 Games ist die Schweizer Delegation an die Gamescom gereist – mit dem besten Line-up je. Und es kam hoher Besuch.

von
Jan Graber

Die Schweizer sind an der diesjährigen Gamescom mit dem besten Line-up je vertreten. (Video: Jan Graber)

Der Schweizer Stand an der Gamescom ist kaum zu übersehen. Rot leuchtend lockt er die Fachbesucher der Gamescom an, um ihnen das Schaffen der Schweizer Gamedesigner zu zeigen. Mit 23 Games sind sie angereist, zur gesamten Delegation zählen aber mindestens 50 Leute. 100'000 Franken lässt die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia dafür springen. Das Ziel: Kontakte knüpfen, Start-up-Investoren finden und vor allem auf die Werke aufmerksam machen, die die Schweizer dieses Jahr mitgebracht haben.

Sie haben einiges zu bieten. Unter den herausragenden Werken befinden sich zwei Spiele, die schon erfolgreich auf dem Markt sind: «Airheart: Tales of Broken Wings» von Blindflug und das mehrfach ausgezeichnete Adventure «FAR: Lone Sails» von Okomotive. Mit «Deru» wird im Oktober ein Game erscheinen, das schon mehrmals an der Gamescom zu sehen war und Preise eingeheimst hat.

Nicht nur am eigenen Stand

In Zukunft vermehrt für Aufmerksamkeit sorgen dürfte, dank einem ungewöhnlichen Ansatz, das Puzzle-Adventure «Letters» von 5am Games. Das am diesjährigen Ludicious Gamefestival Zürich ausgezeichnete «Colorful Darkness» der Westschweizer Piñata Punch gehört ebenfalls zu den eindrücklicheren Arbeiten. Optisch zu brillieren vermögen dazu «Anshar Online», «Inviziballs» und «Nimbatus» und mit «Airships: Conquer the Skies» ist ein weiteres, kürzlich veröffentlichtes Bijou aus Retrografik und eigensinnigem Gamedesign zu sehen.

An der diesjährigen Show werden hingegen auffallend wenige Virtual-Reality-Spiele gezeigt. Einzig «Hana Hana» von Melodie Musset entführt mit ihrem sinnlichen Kunstgame ins Reich der dritten Dimension. Die Schweizer sind zudem mit sechs Spielen in der Indie-Booth-Arena vertreten, darunter das herausstechende Geschicklichkeitsspiel «Modsork» sowie das durchgeknallte «Retimed».

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Virtuelle Weltraumschlachten: In «Anshar Online» von OZWE Games stülpen Spieler ein Occulus-Rift-Headset über und stürzen sich in die Schlacht gegen andere Spieler.

Virtuelle Weltraumschlachten: In «Anshar Online» von OZWE Games stülpen Spieler ein Occulus-Rift-Headset über und stürzen sich in die Schlacht gegen andere Spieler.

Prozedurale Zerstörung: In «Nimbatus» von Stray Fawn Studios bauen Spieler ihre eigenen Bergbau-Dronen um prozedural generierte Galaxien auseinanderzunehmen.

Prozedurale Zerstörung: In «Nimbatus» von Stray Fawn Studios bauen Spieler ihre eigenen Bergbau-Dronen um prozedural generierte Galaxien auseinanderzunehmen.

Himmelsfischer: Im Dieselpunk-Abenteuer «Airheart: Tales of broken Wings» begeben sich Spieler auf die Jagd nach dem Himmelswal. Käpt'n Ahab lässt grüssen.

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Rundgang an der Gamescom 2018

Die bedeutenste öffentliche Gamemesse, hat die Türen aufgestossen. Erste Eindrücke von der Gamescom.

Wichtiger Besuch aus der Schweiz

Im Gegensatz zu einigen anderen länderspezifischen Ständen im Businessbereich, an denen die Vertreter betreten herumstehen und auf Kundschaft hoffen, herrscht bei den Schweizern ein ständiges Kommen und Gehen. Kaum je eine Spielstation, an der nicht gerade das Game getestet und mit den Entwicklern geplaudert wird.

Als Premiere wagte sich mit Philippe Bischof erstmals ein Pro-Helvetia-Direktor ins Getümmel der Gamescom, um sich mit den Schweizer Gamedesignern zu unterhalten und sich ihre Arbeiten erklären zu lassen. Er zeigte sich angenehm überrascht. «Im Vergleich mit anderen Kulturmessen herrscht an der Gamescom eine entspannte Atmosphäre, in der sich Business und Kreation spielerisch begegnen», sagte er. Er sei hier, um die Funktionsmechanismen der Gamebranche kennen zu lernen. Und: «Für mich ist es wichtig, das Zwischenmenschliche und die Akteure zu erleben.» Ein vertiefter Einblick helfe, die Förderidee noch besser zu verstehen und weiterhin erfolgreich umzusetzen – für ihn stehe es ausser Frage, die Gameförderung zu etablieren und sie ständig weiterzuentwickeln. Das mittelfristige Ziel: noch mehr Mittel für die Gameförderung zu gewinnen.

Rundum überzeugend

Fazit: Die Schweizer Gamedesigner legen den bisher stärksten Auftritt an einer Gamescom hin. Die Spiele überzeugen fast rundum, das Niveau ist so hoch wie kaum je und die Qualität lässt wenig Wünsche offen. Und dies, ohne dass die innovativen Elemente, die die Schweizer Games speziell machen, auf dem Opferstock der Wirtschaftlichkeit enden.

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