Starke Schweizer Schwimmer an der WM
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Starke Schweizer Schwimmer an der WM

Flavia Rigamontis Silbermedaille, sechs Halbfinal- Qualifikationen, ein Olympia-Quotenplatz für die Crawlstaffel, ein Europa- und sechs Schweizer Rekorde sowie insgesamt über 40 Prozent persönliche Bestleistungen - die WM in Melbourne waren für Swiss Swimming ein voller Erfolg.

Für den Grossanlass in Australien hatte der Verband mit einem Finalplatz, zwei Halbfinal-Teilnahmen und 30 Prozent persönlichen Bestzeiten Zielsetzungen vorgegeben, die sehr vorsichtig waren und deshalb auch weit übertroffen werden konnten. «Wir erwischten in Melbourne fast die perfekte Welle», sagte Swiss-Swimming-Direktor Alex Miescher. Der Solothurner zeigte sich «erfreut, dass der Schweizer Schwimmsport echte olympische Perspektiven hat». Vor den Weltmeisterschaften sei er sich da nicht so sicher gewesen, so Miescher. Im Vergleich mit den WM 2005 in Montreal, die bei allerdings nur sechs Schweizer Einsätzen insgesamt ebenfalls gut verliefen, war in Melbourne das Bestreben der Schwimmer erkennbar, wieder vermehrt auf die olympischen Distanzen zu setzen.

Für Lorenz Liechti, der selber mehrere Grossanlässe als Schwimmer miterlebt hat und nun Geschäftsführer von Swiss Swimming ist, waren nicht nur die «Zahlen, sondern gerade auch der Teamgeist hervorragend». Die Jungen hätten sich gut eingefügt und die Chemie innerhalb der Delegation habe durchwegs gestimmt. Dadurch hätten die Schweizer bis ganz am Schluss gute Leistungen gezeigt, was in der Vergangenheit nicht immer so gewesen sei, so Liechti. Für Headcoach Gennadi Turetski war der Schlüssel zum Erfolg, dass «die Athleten sich dank unserer optimalen Planung wohl gefühlt haben und für die Rennen bereit waren». Für Olympia 2008 in Peking wolle man es genauso handhaben, so der Russe.

Rigamonti als «Lokomotive»

Einmal mehr erfüllte Flavia Rigamonti, seit rund einem Jahrzehnt die «Lokomotive» der Schweizer Schwimmer, ihr Soll mit Bravour. Die Tessinerin verbesserte mit 25 Jahren ihre Bestzeit über 1500 m Crawl um fast neun Sekunden, knackte die magische 16-Minuten-Grenze und schlug mit Europarekord an. Das dritte WM-Silber nach 2001 und 2005 war der verdiente Lohn. Dass dieser Sternstunde für den Schweizer Schwimmsport drei Tage später eine «Contre-Performance» Rigamontis über die olympische Distanz von 800 m folgte, war so unerwartet wie unerklärlich.

Nicht so sprunghaft wie Rigamonti, sondern seit Jahren konstant macht Dominik Meichtry Fortschritte. Der in Kalifornien studierende Crawl-Spezialist ist mittlerweile in der erweiterten Weltspitze angelangt, zur erstmaligen Final-Qualifikation über 200 m fehlten ihm in Australien nur noch Sekundenbruchteile. Der St. Galler Meichtry plant die Final-Premiere nun für die Olympischen Spiele.

Von den WM-Debütanten durfte das Trio Damien Courtois, Adrien Perez und Alessandro Gaffuri zufrieden sein, einzig Dimitri Waeber vermochte in der vergangenen Woche nicht seine Bestleistung abzurufen. Die grösste Enttäuschungen setzte es für Karel Novy ab. Der 26-jährige Waadtländer verhalf zwar am ersten Sonntag der 4x100- m-Crawlstaffel zum Olympia-Quotenplatz, die Zeiten und Platzierungen in den Einzelrennen waren gemessen an seinem Potential aber klar unterdurchschnittlich. Dass Novy zudem noch direkt neben Meichtry schwimmend mitverfolgen konnte, wie ihm dieser im Vorlauf über 100 m den Landesrekord wegschnappte, passte ins Bild.

Starker WM-Abschluss von Lang

Als letzte Schweizer standen am Wochenende Flori Lang über 50 m Rücken sowie die 4x100-m-Lagenstaffel im Einsatz. Das Quartett Lang, Dimitri Waeber, Damien Courtois und Dominik Meichtry hatte sich die Verbesserung des siebenjährigen Schweizer Rekords zum Ziel gesetzt. Selbst wenn die Schweizer nicht wegen eines Wechselfehlers disqualifiziert worden wären, weil Schlussschwimmer Dominik Meichtry um zwei Zehntel zu früh vom Startblock sprang, wäre dem Unterfangen kein Erfolg beschieden gewesen. Vor allem Brustschwimmer Waeber war im Vergleich zu Remo Lütolfs Zeit in Sydney 2000 deutlich zu langsam unterwegs, aber auch Meichtry (Crawl) und Courtois (Delfin) blieben hinter ihren Leistungen im Einzelrennen zurück.

Einzig Lang durfte am Sonntag ohne Vorbehalte zufrieden sein. Auf dem Startabschnitt unterbot der 24-jährige Zürcher in 56,10 seine Bestleistung vom März 2004 um 0,32 Sekunden, zum Landesrekord von Karel Novy fehlen ihm noch 28 Hundertstel. «Dieses Rennen tut mir wirklich gut. Das war endlich mal ein Schritt vorwärts. Eigentlich hätte ich mir aber für diese WM noch mehr erwartet», sagte Lang. Im Einzelrennen Anfang Woche war er schon im Vorlauf mit der schwachen Zeit von 57,10 (33. Rang) deutlich gescheitert. Am Samstag über 50 m Rücken hingegen hatte Lang als Neunter eine gewohnt gute Figur gemacht, die Final-Teilnahme verpasste er nur um fünf Hundertstel.

(si)

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