Währungsturbulenzen: Starker Franken - und die SNB schaut zu
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WährungsturbulenzenStarker Franken - und die SNB schaut zu

Die heimische Wirtschaft ächzt unter dem starken Franken und hofft auf die Nationalbank. Laut Ökonomen will diese aber gar nicht intervenieren.

von
Sandro Spaeth

Die aktuelle Frankenstärke bedroht die Schweizer Exportindustrie. Die Exporteure fürchten wegen des teuren Frankens für europäische Kunden nicht mehr erschwinglich zu sein. Lange Zeit galt ein Kurs von 1.50 Franken pro Euro als Schmerzgrenze. Nun liegt der Euro seit rund 10 Tagen im Bereich 1.43 Franken.

Wie können sich Schweizer Exporteure gegen die Folgen eines starken Frankens wehren? «Massnahmen für Einzelfirmen sind schwierig», sagt der Swissmem-Sprecher Ruedi Christen. Schon heute würden die Firmen versuchen, im Euroraum einzukaufen, um damit die Grundkosten tief zu halten. Preiserhöhungen, um die nötigen Margen zu erreichen, sind laut Christen allerdings nicht möglich.

50 Milliarden gegen den starken Franken

Bleibt den Exporteuren also nur noch die Hoffnung auf eine Abschwächung des Frankens, welche die Nationalbank (SNB) durch Interventionen am Devisenmarkt erreichen könnte. Lange Zeit verteidigte die SNB die Marke von 1.50 Franken pro Euro. So geschehen während der Wirtschaftskrise 2009, als die Nationalbank 50 Milliarden Franken einsetzte, um den Schweizer Franken zu schwächen. Konkret haben die Notenbanker Franken gegen Fremdwährungen verkauft. Dies lässt sich in der SNB-Bilanz nachlesen: Die Devisenanlagen erhöhten sich im Jahr 2009 auf 95 Milliarden Franken.

SNB lässt sich nicht in die Karten blicken

Ob die Nationalbank aktuell etwas gegen die aktuelle Frankenstärke unternimmt, ist nicht klar. Der SNB-Sprecher Werner Abegg lässt sich nicht in die Karten blicken und sagt gegenüber 20 Minuten Online: «Wir werden eine übermässige Aufwertung des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro entschieden bekämpfen.»

Noch ziert sich die SNB. Der ZKB-Ökonom Anastasios Frangulidis sieht keine Anzeichen, dass die Währungshüter derzeit am Devisenmarkt intervenieren. «Die Schweizer Wirtschaft kann den starken Franken im Gegensatz zu vor sechs Monaten viel besser verkraften.» Die Märkte in den USA, Asien und in Nordeuropa hätten sich bereits etwas erholt, und damit sei auch die Nachfrage nach Schweizer Produkten gestiegen. Frangulidis folgert: «Eine Intervention ist gar nicht nötig». Wichtig ist laut dem Ökonomen, dass die Nationalbank glaubwürdig bleibt: Dann nämlich könne sie den Frankenkurs bereits mit der Ankündigung von Interventionen beeinflussen.

Umrechnungsverluste und Inflation drohen

Dass die SNB durchaus aktiv ist, glaubt hingegen der Bankenspezialist Hans Kaufmann: «Die SNB hat laut ihrem Bulletin massive Fremdwährungspositionen aufgebaut, die sie noch weiter erhöhen könnte.» Laut Kaufmann riskiert die Nationalbank aber auch grosse Verluste, falls sich der Euro trotz Zukäufen weiter abwertet. Währungskäufe bergen weitere Gefahren: Kauft die Nationalbank weiter Devisen, droht längerfristig Inflation, weil die Geldmenge zu diesem Zweck ausgedehnt wird. Die Inflationsgefahr ist laut Kaufmann vorerst aber eher gering, weil die Produktionskapazitäten der Industrie schlecht ausgelastet und Preiserhöhungen deshalb kaum möglich sind.

Wirkt wie eine Zinserhöhung

Neben der Erholung der Wirtschaft in den USA und Asien gibt es noch einen anderen Grund, warum die SNB nicht an den Devisenmärkten interveniert. Die Drosselung der Exporte hat eine Wirkung wie unpopuläre Zinserhöhungen. «Die Aufwertung des Frankens seit Mitte Dezember hat die gleiche Wirkung auf die Wirtschaft wie eine Erhöhung der Leitzinsen um einen Prozentpunkt», sagt UBS-Ökonom Giovanni Staunovo.

Der ZKB-Ökonomen Fangulidis rechnet damit, dass sich der Euro bis in einem Jahr sogar auf 1.40 Franken weiter abschwächt. Und wie steht es dann um die Konkurrenzfähigkeit der Schweizer Wirtschaft? «Die Währung ist nicht der einzige Aspekt, der zählt. Wichtig sind auch Faktoren wie Ausbildungsstand, Innovation und Produktivität», so Frangulidis.

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