Grüsse vom Zentralstern: Starker Sonnensturm trifft die Erde
Aktualisiert

Grüsse vom ZentralsternStarker Sonnensturm trifft die Erde

Die Erde spürt zurzeit die Auswirkungen eines Sonnensturms, der deutlich stärker ist als sein Vorgänger von Ende Januar. Die Teilchenwolke aus dem All könnte den Flugverkehr und Satelliten stören.

Die Sonnenaktivität schwankt im Rhythmus von etwa elf Jahren und nimmt seit 2010 wieder zu.

Die Sonnenaktivität schwankt im Rhythmus von etwa elf Jahren und nimmt seit 2010 wieder zu.

Erste schnelle Teilchen von der Sonne seien bereits auf der Erde eingetroffen, der Sturm dauere wohl aber noch den ganzen Tag an, sagte Werner Curdt vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau (D). Über dem Norden Europas könnten am Abend bunte Polarlichter zu sehen sein.

Ein relativ schwacher Sturm sei schon am Mittwochabend messbar gewesen, erklärte Paolo Ferri vom Raumflugkontrollzentrum Esoc der europäischen Raumfahrtagentur ESA. «Wir haben jetzt Warnungen vor einem Sturm, der am Abend kommen soll.»

Nicht mit voller Wucht

Erwartet werde, dass dieser fünffach stärker ausfalle. Bislang seien keine Schäden an Satelliten bekannt, sensible Geräte seien vorsichtshalber schon am Mittwoch abgeschaltet worden. Schwierig sei es derzeit, die Lageregelung der Raumsonde «Venus Express» zu kontrollieren.

Sonnensturm trifft auf die Erde

Die Eruption in der Nacht zum Mittwoch habe in der linken Sonnenhälfte gelegen, der Hauptsturm fliege deshalb wohl links an der Erde vorbei, sagte Curdt. «Er wird uns also vermutlich nicht voll treffen.» Der Sturm im Januar habe die Erde rechts passiert.

Spektakuläre Nordlichter über Skandinavien

Das Gebiet auf der Sonne, in dem die aktuelle Eruption erfolgte, sei aber weiter aktiv. Es liege jetzt etwa auf der Sonnenmitte - am kommenden Wochenende sei deshalb die Wahrscheinlichkeit für gewaltige Sonnenstürme, die die Erde direkt treffen, am höchsten.

Gewaltiger Sonnensturm

Sensible Geräte

Sie könnten zum Ausfall von Flügen und Stromnetzen führen - und die Satelliten in der Erdumlaufbahn beeinträchtigen. «Es gibt zwei Probleme mit den Satelliten», sagte Ferri. Manche Satelliten wie das Weltraumteleskop «Integral» hätten sensible Geräte an Bord, die mit Hochspannung arbeiteten. «Und die reagiert sofort und sehr dramatisch.»

Eine SDO-Aufnahme des Sonnensturms

Die Geräte würden deshalb bei einer Sonnensturm-Warnung sofort abgeschaltet. «Das haben wir gestern schon gemacht mit «Integral».» Die Vorhersage von Sonnenstürmen, die auf die Erde zurasen, habe sich in den vergangenen Jahren stark verbessert - und die Gefahr für Schäden an Satelliten damit verringert.

Das schlimmste Problem sei ohnehin ein anderes, erläuterte Ferri. Die Lage mancher Satelliten werde über spezielle Sternensensoren gesteuert. «Diese Sternensensoren werden praktisch blind, wenn dieser Sturm geladener Partikel kommt. Im Moment erleben wir das bei «Venus Express».»

Zyklische Aktivität

Die Raumsonde fliege um die Venus, die Intensität des Sonnensturms sei dort noch stärker. Ausweichend könnten Radiosignale zur Lagesteuerung genutzt werden - das sei aber sehr aufwendig und nicht so präzise.

Für Mitte 2013 rechnen Experten mit einem Maximum der Sonnenaktivität. Aus den Aussenschichten der Sonne werden dann besonders oft grosse Gaswolken ins All geschleudert. Die Aktivität schwankt im Rhythmus von etwa elf Jahren und nimmt seit 2010 wieder zu.

Der aktuelle Sturm ist nach NASA-Angaben der zweitstärkste des aktuellen Sonnenzyklus. In den nächsten eineinhalb Jahren wird es wohl noch mehrere Sonnenstürme geben, die stärker werden. Wie viele es sein werden, kann nicht vorhergesagt werden. (sda)

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