Juliette & The Licks - «You're Speaking My Language»: Starkes Ego
Aktualisiert

Juliette & The Licks - «You're Speaking My Language»Starkes Ego

In «Strange Days» mimte Juliette Lewis die kaputte Sängerin. Mit ihrer Band Juliette & The Licks rockt sie nun auch abseits der Leinwand am Mikrofon.

Juliette, macht eine erfolgreiche Schauspielerin nun plötzlich auch noch Musik?

Ich wollte das schon als Teenie tun, traute mich aber nie oder war zu faul. Das Schlimmste, was ich dann tun konnte, war Schauspielerin zu werden. Beim Film triffst du nur Leute, die entscheiden, was gut für dich ist. Filme sind grosse Herausforderungen, doch steckt weniger von mir drin als in meiner Musik.

Also hast du den Spiess umgedreht und agierst nun als Boss für deine Jungs?

Yeah, vier Jungs rumboxen: Dafür bin ich geboren worden (lacht heiser). Nein, wir sind gleichberechtigte Bandmitglieder und Songwriter. Ich wollte kein Solo-Act eines Produzenten sein. Das hätte zwar bestimmt geklappt, aber ich mag das Unsichere, das Spiel mit grossen Risiken.

Trotzdem heisst die Band Juliette & The Licks. So stehst du ziemlich im Zentrum.

Ich sag dir, warum: Ich bin eine echt starke Frontfrau. Das ist wie bei Iggy Pop and The Stooges oder Tom Petty and The Heartbreakers. Es war auch klar, dass bei meiner Musikkarriere erst alle von meinen Filmen sprechen würden. Davor verstecke ich mich nicht. Ich sage: Yeah! Fuck, yeah, it's me! It's Juliette and the motherfucking Licks!

Man darf dich aber gemäss Labelinfo nicht auf deinen Ex Brad Pitt, Hollywood, Drogen oder Scientology ansprechen.

Das sind alte Geschichten, die mit der Band nichts zu tun haben.

Du singst vom Vater und alten Lovers, nur die Filmwelt klammerst du aus.

(Zögerlich:) Ich habe einen Song dazu in Arbeit. Auch versteht man als Hörer den Hintergrund nicht immer – den verneble ich gerne. Meine Texte sind persönlich, aber ich packe das in Metaphern.

Da steckt viel Wut und Aggression drin.

Für guten Rock'n'Roll braucht es Protest, Revolution und Feindseligkeit, aber «You're Speaking My Language» bringt auch neue Elemente. Ich bin im Alltag keine wütende Person, aber das Rebellische, Exzessive ist Teil des Rock'n'Roll-Theaters. Ich bringe Dramatik in die Musik.

Dann siehst du deine wilde Bühnenshow auch als Rolle?

Keine Rolle. Jeder Song hat einen Charakter, den ich rüberbringen will. Klar bin ich auf der Bühne nicht wie im Wohnzimmer. Ich mach eine Performance, wie Iggy Pop oder Grace Jones: Das liebe ich.

Ist das Rockerleben aufregender als jenes einer Hollywood-Schauspielerin?

Beides ist sehr harte Arbeit. Ich war nie das Glamourgirl und spielte oft harte Charaktere in schrägen Filmen: «Natural Born Killers», «Cape Fear» – da arbeitest du 18 Stunden am Tag. Dieser Geist steckt auch in der Band. We're on a mission: Wir wollen viele Leute erreichen und hoffen auf gute CD-Verkäufe – denn wir wollen eine nächste Platte machen.

Olivier Joliat

Juliette & The Licks «You're Speaking My Language» (Fiddler/Namskeio).

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