«freestyle.ch»: Stars der Szene fliegen am Ufer des Zürichsee
Aktualisiert

«freestyle.ch»Stars der Szene fliegen am Ufer des Zürichsee

Am Wochenende ist die Zürcher Landiwiese abermals Start- und Landeplatz des grössten Trendsport-Events in Europa. Snowboarder Iouri Podladtchikov fiebert seinem Heimspiel entgegen.

von
Stefan Baumgartner

Best of freestyle.ch 2009 (Video: YouTube)

0,4 Punkte hatten Podladtchikov am 18. Februar 2010 gefehlt, um sein grosses Ziel zu erreichen. Eine Olympia-Medaille war fest eingeplant. Am Ende musste sich der Wahlzürcher mit dem undankbaren 4. Platz begnügen. «I-Pod» bekundete monatelang Mühe, den Rückschlag zu verarbeiten. Über 200 Tage nach der Niederlage in Cypress Mountain sieht Podladtchikov immer mehr die positive Auswirkung: «Nachgetrauert habe ich genug lange. Einer meiner engsten Freunde sagte neulich, eigentlich sei die verpasste Medaille das Beste gewesen, was mir passieren konnte. Ich musste mich nach dem Tief wieder richtig reinsteigern und noch mehr Gas geben als vorher.»

Für den Vieldenker und Lebemann hat der Olympia-Auftritt «viele Türen geöffnet», vor allem aber ist der Bekanntheitsgrad massiv gestiegen. Die vielen positiven Reaktionen erstaunten Podladtchikov: «Ich dachte, ich werde auseinandergenommen. Aber die Leute merkten, dass meine Zielsetzung kein Bluff gewesen war. Ich bekam sehr viel Trost und Support. Wenn ich aber Journalist wäre, dann wäre ich mit mir viel härter ins Gericht gegangen.»

Stars à discrétion

Am «freestyle.ch» geniesst Podladtchikov Heimvorteil. Seit er «acht- oder neunjährig» ist, besucht der mittlerweile 22-jährige Schweizer mit russischen Wurzeln jede Austragung. Heuer ist Podladtchikov zum sechsten Mal als Athlet dabei und findet, es wäre Zeit, einmal zu gewinnen: «Wenn mein Plan aufgeht, habe ich mehr Spielraum, was meine Tricks angeht», erklärt er. «Vor einem Jahr hatte ich nur einen Wettkampf-Trick auf Lager.» Dieser reichte ihm immerhin, um auf der Landiwiese die so genannte Crossover-Session mit dem jeweils besten Athleten der anderen Disziplinen Freeski, FMX (Motocross) und Skateboard für sich zu entscheiden.

Neben Podladtchikov werden weitere junge und bekannte Gesichter der Freestyle-Szene starten. Bei den Snowboardern sind die weiteren Schweizer Christian Haller und Gian-Luca Cavigelli (für den am Fuss verletzten Pat Burgener), die finnischen Spitzenfahrer Peetu Piiroinen und Heikki Sorsa oder der aktuelle TTR-Leader Gjermund Braten (nach starkem Saisonstart in der südlichen Hemisphäre) am Start. Bekanntester Motocross-Fahrer ist der Waadtländer Mat Rebeau, der sich von einer Anfang Jahr erlittenen Verletzung erholt zu haben scheint.

Das Feld der Skateboarder wird von Pierre-Luc Gagnon angeführt. Der Kanadier gewann die amerikanischen (vor Shaun White!) und asiatischen X-Games. Der Star der Freeskier heisst Jon Olsson. Der exzentrische Schwede, ein Lamborghini-Fahrer mit Steuersitz in Monte Carlo, zelebriert die junge Sportart richtiggehend. In seinem Sog entwickeln sich Athleten wie Elias Ambühl rapide. Der 18-jährige Bündner bezwang seinen schwedischen «Lehrmeister» an dessen Einladungswettkampf und wurde auch an den X-Games in Aspen starker Dritter.

Zwei statt drei Tage

Erstmals seit der ersten Austragung vor 15 Jahren findet das freestyle.ch nur noch an zwei Tagen statt. Verglichen mit dem sehr publikumsintensiven Samstag und den Finaldurchgängen am Sonntag sei der Freitag jeweils schwach besucht gewesen, begründete das OK um Gründer Erwin Flury den Schritt. Ein weiterer Grund für die Programmstraffung waren negative Feedbacks der Teilnehmer, die nach überstandener Qualifikation erst rund 48 Stunden später wieder im Einsatz standen.

Durch die Veränderung werden statt wie im Vorjahr 47 000 «nur» 35 000 Besucher erwartet. Das Budget blieb mit 3,8 Millionen Franken gleich wie 2009; das am Freitag «eingesparte» Geld wurde in die Veränderung der Infrastruktur (unter anderem neuer FMX-Kurs mit zwei Absprüngen und Landungen) investiert. Neben dem CSI Zürich, Weltklasse Zürich und dem Ironman gehört freestyle.ch zu den vier grössten Sportveranstaltungen der Stadt. In der Branche Trendsport ist das Flugspektakel in Wollishofen mit über 110 000 Dollar Preisgeld gar europaweit führend.

Mehr TV-Coverage

Dass freestyle.ch im nationalen Sportkalender eine gewisse Wichtigkeit erlangt hat, bleibt den Schweizer TV-Stationen nicht verborgen. Heuer zeigen erstmals zwei Sender Livebilder. SF zwei sendet am Sonntag von 16.15 bis 17.55 Uhr - in dieses Zeitfenster fallen die Finals. Und auf dem Kanal des Schweizer Sportfernsehens (SSF) ist am Samstagabend von 22.00 bis 22.45 Uhr die Crossover- Session zu sehen.

Zürich (Landiwiese). «freestyle.ch». Programm. Samstag, 25. September:

Qualifikationen Skateboard (13.00), Freeski (14.00), FMX (15.45), Snowboard (17.45). Crossover Session mit Snowboard, Freeski, FMX und Skateboard (21.30)

Sonntag:

Halbfinals Skateboard (13.00), Freeski (14.00), FMX (15.00), Snowboard (16.00) und Finals in allen Disziplinen (17.00) (Live auf 20 Minuten Online).

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