Aktualisiert 31.07.2019 07:54

Strom

Start-up installiert gratis Solarzellen aufs Dach

Eine Lausanner Firma baut für Hausbesitzer kostenlos Solaranlagen. Wie kann dieses Geschäftsmodell funktionieren?

von
Dominic Benz
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Derzeit macht Younergie intensiv Werbung auf Facebook und Instagram.

Derzeit macht Younergie intensiv Werbung auf Facebook und Instagram.

Das Westschweizer Start-up installiert kostenlos Solarzellen auf den Dächern von Hausbesitzern.

Das Westschweizer Start-up installiert kostenlos Solarzellen auf den Dächern von Hausbesitzern.

«Auch um die Baubewilligung, die Installation oder die Wartung muss der Kunde sich nicht kümmern», sagt Oscar Ax (im Bild), Younergy-Vertriebsleiter für die Deutschschweiz, zu 20 Minuten.

«Auch um die Baubewilligung, die Installation oder die Wartung muss der Kunde sich nicht kümmern», sagt Oscar Ax (im Bild), Younergy-Vertriebsleiter für die Deutschschweiz, zu 20 Minuten.

Wer eine Solaranlage auf sein Hausdach stellen will, muss nicht nur viel Geld investieren, sondern auch viel Papierkram erledigen. Mit den Anlagen von Younergy ist das anders. Das Westschweizer Start-up installiert Solaranlagen kostenlos. «Auch um die Baubewilligung, die Installation oder die Wartung muss der Kunde sich nicht kümmern», sagt Oscar Ax, Younergy-Vertriebsleiter für die Deutschschweiz, zu 20 Minuten.

Zahlen muss der Hausbesitzer einzig für den mit der Anlage produzierten Strom. Diesen verkauft Younergy per Solar-Abo: Die Kunden verpflichten sich, den Strom für die nächsten 20 Jahre zu beziehen. «Wir wollen den Schweizer Haushalten günstige Solarenergie bieten», sagt Ax. Für seine Idee wirbt das Start-up derzeit intensiv auf Facebook und Instagram.

Leicht steigende Preise

Die Höhe des Strompreises hängt von der geschätzten Energieproduktion des Hausdachs, den Installationskosten oder den lokalen Preisen ab. Im Schnitt liegen die Kosten bei rund 18 Rappen pro Kilowattstunde. Laut Ax ist der Solarstrom bei einem lokalen Elektrizitätswerk meist teurer. «Bei rund 80 bis 90 Prozent unserer Anlagen ist der Preis tiefer.»

Bei Younergy kann der Preis dennoch pro Jahr um maximal 2 Prozent anziehen. Grund sind etwa teuer werdende Solaranlagen. Dass Younergy-Kunden aber plötzlich mehr zahlen als bei lokalen Netzanbietern, sei unwahrscheinlich, so Ax. Denn die Strompreise auf dem Markt würden jedes Jahr tendenziell stärker steigen.

Vergütung für überschüssigen Strom

Profitieren können Younergy-Kunden auch vom überschüssig produzierten Strom, der ins Netz eingespeist wird. Dafür erhält der Hausbesitzer vom lokalen Energieversorger eine Vergütung. Auch im Falle einer Pleite von Younergy trägt der Kunde kein Risiko. Zwar müsste sich dann der Hausbesitzer selber um die Wartung der Anlage kümmern. «Dafür hat er eine kostenlose Anlage auf dem Dach, die ihm gehört», sagt Ax. Im Schnitt kostet eine Solaranlage rund 20'000 Franken.

Das 2015 gegründete Lausanner Start-up verdient sein Geld mit einer Marge auf den Strompreis bei den Abos und dem direkten Verkauf von Solaranlagen. Bisher hat die Firma knapp 600 Anlagen installiert, davon sind rund 310 Solar-Abos. 2025 will Younergy 5000 Abonnenten haben. Der Umsatz soll sich in diesem Jahr auf 5,5 Millionen Franken belaufen. Gemäss Ax ist die Firma profitabel. «Die Nachfrage ist gross.» Wer als Investor an Bord ist, will die Firma nicht sagen.

Wenig Anreize für Solaranlagen

Christina Marchand ist von der Geschäftsidee der Jungfirma überzeugt. «Younergy ist vor allem für Leute interessant, die sich selber eine Solaranlage nicht leisten können», sagt die Stromexpertin an der Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaften und Betreiberin der Vergleichsplattform Mynewenergy.ch. Die Solaranlagen seien für die Hausbesitzer mit wenig Risiken und fast keinem Aufwand verbunden. «Trotz des möglichen Preisanstiegs von 2 Prozent jährlich ist das Risiko, dass man für den Strom mehr als auf dem Markt bezahlt, sehr gering», so Marchand. Da es auch noch andere Anbieter von fremdfinanzierten Solaranlagen gibt, empfiehlt die Expertin Angebote zu vergleichen.

Ein Problem für Younergy sei aber, dass es für die meisten Schweizer keinen finanziellen Anreiz gebe, sich eine Solaranlage aufs Dach zu stellen. «Unsere Strompreise sind die tiefsten in Europa. Für viele Haushalte ist die Stromrechnung ohnehin ein fast vernachlässigbarer Posten», so Marchand. Daher beschäftigten sich die Menschen selten damit, woher der Strom komme. «Solaranlagen werden leider bis heute vor allem von Leuten gekauft, die sich grundsätzlich für grünen Strom interessieren.»

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