Aktualisiert 16.04.2015 12:15

Messerscharf

Start-ups kreuzen mit Gillette die Klingen

Mit günstigen Rasierklingen aus dem Netz greifen verschiedene Start-ups aus Deutschland und der Schweiz die Weltkonzerne an. Ihr Credo: Faire Preise.

von
C. Landolt
Ein glänzendes Geschäft ist das Business mit der Rasur. Dank Webshops kommt nun aber Bewegung in einen monopolistischen Markt.

Ein glänzendes Geschäft ist das Business mit der Rasur. Dank Webshops kommt nun aber Bewegung in einen monopolistischen Markt.

Für Rasierer greifen Männer (und Frauen) tief in die Tasche. Wer schon einmal vor einem Regal mit Ersatzklingen stand, staunt über die Preise nicht schlecht. Knapp 20 Franken kosten beim Grossverteiler acht Stück der Gillette-Mach-3-Klingen, jene des Modells Fusion Pro Glide mit fünf Klingen rund 40 Franken.

Acht Klingen Hydro 5 von Wilkinson Sword, der Nummer zwei im Rasiermarkt, kosten knapp 30 Franken. Das ist viel Geld. Wechselt man jede Woche die Klinge, kostet die tägliche Rasur bei gleichbleibenden Preisen im Jahr zwischen 195 und 260 Franken.

Zu viel Geld für ein paar Gramm Stahl und Plastik, dachte sich der Luzerner Thomas Gmünder. «Muss ein Gebrauchsgegenstand so viel kosten?», habe er sich gefragt, als er seines Hipster-Bartes überdrüssig wurde. Dank fehlendem Zwischenhändler, bescheidener Verpackung und ultrakleinem Werbebudget kostet sein Starter Set Shavemaster.ch mit vier 5-fach Klingen und Trimmer-Blade nur 11 Franken, Ersatzklingen rund 25 Franken. Er vertreibt sie ausschliesslich übers Internet.

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Klingen aus dem Netz

Der prominenteste Internet-Unternehmer, der mit den Rasur-Riesen die Klingen kreuzt, ist jedoch Christopher von Hallwyl. Sein Münchner Start-up Shave-Lab.com fertigt die Rasierer auf eigenen Maschinen in Fernost und verkauft die Rasierer ebenfalls im Netz. «Rasierklingen müssen überhaupt nicht teuer sein», sagt von Hallwyl. Seine Klingen für Männer und Frauen sind im Schnitt um 50 Prozent günstiger als jene von Gillette. Und sein Geschäftsmodell floriert. 18 Monate nach dem Start war Shave-lab.com bereits profitabel. Das Unternehmen wächst laut von Hallwyl pro Jahr um durchschnittlich 280 Prozent.

Einer der ersten, der Rasierer und Zubehör übers Netz vertrieb, war der Zuger Thomas Bleiker. Seine Firma McShave vertreibt die bekannteste Rasierutensilien übers Netz. Bleiker bezieht seine Ware direkt aus Übersee und tritt als Preisbrecher auf. Bei ihm kosten 16 Rasierklingen Gillette FusionPower Glide 67.60 statt 103.80 Franken. Er sagt: «Gillettes Rasierklingen sind gut, aber völlig überteuert.»

Wunder Punkt: der Preis

Die etablierten Marktführer scheinen die neue Konkurrenz aus dem Netz zu spüren. Offenbar trifft gerade die Frage der Preisfindung auf einen wunden Punkt. So versuchte Gillette Shave-Lab.com acht Monate nach dem Start juristisch zu belangen, der Rechtsstreit wurde jedoch beigelegt. Wie hoch die Margen der traditionellen Hersteller und des Handels sind, hatte ein Insider vor einiger Zeit in der britischen «Daily Mail» offenbart. Eine Klinge des Typs Gillette Fusion Power kostet dem Bericht zufolge in der Herstellung inklusive Verpackung umgerechnet nur etwas über zehn Rappen, werde aber im Handel für bis zu fünf Franken verkauft.

Dennoch senken die beiden Klingenkönige Gillette und Wilkinson ihre Preise nicht. Das kommt den No-Name-Anbietern zugute. Seit mehreren Jahren greifen die Verbraucher nämlich stärker zu No-Name-Marken. Während der klassische Rasurmarkt 2012 nur um 3,6 Prozent wuchs, lag die Steigerungen bei den No-Name-Rasierern bei 13 Prozent. In jedem dritten Schweizer Haushalt rasiert sich übrigens jemand nass – Tendenz steigend. Denn laut Christopher von Hallwyl «klingt der Trend zum Bart bereits wieder ab oder ist schon vorbei».

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