Aktualisiert 18.05.2016 14:35

Gerichtsurteil

Stationäre Massnahme für Brandstifterin von Biel

Nachdem eine psychisch kranke Frau (39) 2013 ihre Küche in Brand setzte, wurde sie nun verurteilt. Damals wurde eine Familie massiv gefährdet.

von
cho
Urteil gegen Brandstifterin: Eine psychisch kranke Frau wurde in Biel verurteilt.

Urteil gegen Brandstifterin: Eine psychisch kranke Frau wurde in Biel verurteilt.

Kein Anbieter/NC

Das Regionalgericht Berner Jura-Seeland hat am Mittwoch für eine 39-jährige Frau eine stationäre therapeutische Massnahme zur Behandlung ihrer schweren psychischen Störung angeordnet. In einem akuten psychotischen Zustand hatte sie ihre Küche in ihrer Wohnung in Biel in Brand gesetzt.

Eine im 12-Familien-Haus wohnende Familie – zwei Erwachsene und drei Minderjährige – musste wegen Verdachts auf Rauchvergiftung ins Spital gebracht werden. Giftige Rauchgase waren ins Treppenhaus geströmt.

Täterin war schon 19 Mal in Klinik

Die Mieterin hatte im Herbst 2013 in der Küche ihrer 2-Zimmer-Wohnung einen Abfallsack und einen mit Kleidern gefüllten Plastiksack angezündet. Nach der Tat, die strafrechtlich als Brandstiftung gilt, sagte sie, sie habe damit «die Gottlosen aus ihrem Leben verbannen» wollen.

Nach der Untersuchung im Spital wurde die verwirrte Frau in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Sie weilt bereits zum 20. Mal dort. In Behandlung ist sie seit dem 20. Lebensjahr.

Der psychiatrische Gutachter diagnostizierte paranoide Schizophrenie mit schwerem, chronischem Verlauf. Zum Zeitpunkt der Tat habe die Patientin unter Wahnvorstellungen und akustischen Halluzinationen gelitten. Sie sei nicht in der Lage gewesen, über Recht und Unrecht nachzudenken und damit schuldunfähig gewesen.

Vor dem in Fünferbesetzung tagenden Kollegialgericht erklärte die Frau, sie habe den Abfall weghaben wollen. Dass sie ihn hätte auf die Strasse stellen müssen, sei ihr in jenem Moment nicht bewusst gewesen. Sie habe das Feuer falsch eingeschätzt und nicht mit derart schweren Folgen gerechnet.

Medikament abgesetzt

Sie habe zwei Tage zuvor eines ihrer Medikamente abgesetzt und sei dann «in einen Strudel geraten», berichtete die Frau weiter.

Staatsanwalt Andreas Jenzer hakte nach: Dass sie sich weigere, ein verschriebenes Medikament einzunehmen, weil sie es als nicht gut erachte oder die Nebenwirkungen fürchte, sei ihr grosses Problem.

Die Folge seien Tätlichkeiten gegen Ärzte und Mitpatienten sowie die Verlegung in die Hochsicherheitsabteilung gewesen. Dem Gericht bleibe gar keine andere Wahl, als dem Gutachten zu folgen und eine stationäre Massnahme anzuordnen. Die erhöhte Rückfallgefahr und die Notwendigkeit, die Behandlung zu optimieren, liessen nichts anderes zu.

Dem stimmte Verteidiger Bernhard Leuenberger zu. Er wehrte sich aber erfolgreich gegen die von Jenzer beantragte Auferlegung der Gerichtskosten. (cho/sda)

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