Von wegen Harnwegsinfekt - Statt Bakterien hatte 45-Jährige ein Trinkglas in der Blase
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Von wegen HarnwegsinfektStatt Bakterien hatte 45-Jährige ein Trinkglas in der Blase

Operation statt Antibiotika: Statt eine Blasenentzündung zu behandeln, mussten tunesische Ärzte ihre Patientin von einem Trinkglas befreien, das vier Jahre lang in ihrer Blase gesteckt hatte.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Sie vermutete eine Harnwegsinfektion, dabei gingen die Unterleibsschmerzen  der 45-jährigen Tunesierin auf ein Glas zurück, das vier Jahre lang in ihrer Blase steckte. Im Laufe der Zeit hatte sich ein riesiger Blasenstein darum herum gebildet.

Sie vermutete eine Harnwegsinfektion, dabei gingen die Unterleibsschmerzen  der 45-jährigen Tunesierin auf ein Glas zurück, das vier Jahre lang in ihrer Blase steckte. Im Laufe der Zeit hatte sich ein riesiger Blasenstein darum herum gebildet.

Urology Case Reports: A. Chaabouni et al. (2022)
Eine Röntgenaufnahme offenbarte das. Das vom Blasenstein umgebene Trinkglas ist gut zu erkennen. Das Gefäss ist vermutlich über die Harnröhre dorthin gelangt.

Eine Röntgenaufnahme offenbarte das. Das vom Blasenstein umgebene Trinkglas ist gut zu erkennen. Das Gefäss ist vermutlich über die Harnröhre dorthin gelangt.

Urology Case Reports: A. Chaabouni et al. (2022)
Beides wurde in einer Operation entfernt – zwei Tage später konnte die Patientin das Spital wieder verlassen. 

Beides wurde in einer Operation entfernt – zwei Tage später konnte die Patientin das Spital wieder verlassen. 

Symbolbild: Unsplash

Darum gehts

  • Mit einem besonderen Fall hatten es tunesische Urologen zu tun.

  • Ihre Patientin litt anders als vermutet nicht an einer Blasenentzündung. 

  • Die Schmerzen im Unterleib gingen auf ein Trinkglas in ihrer Blase zurück. 

  • Den Ärzten gelang es, den Fremdkörper zu entfernen. 

Der Spitalbesuch verlief völlig anders als erwartet: Bei der Untersuchung entpuppte sich die vermeintliche Blasenentzündung einer Tunesierin als rund acht Zentimeter grosser Blasenstein. Normalerweise sind Blasensteine so klein, dass sie mit blossem Auge nicht zu erkennen sind. Sie entstehen, wenn der Urin nicht vollständig aus der Blase entleert wird und werden in der Regel einfach aus dem Körper ausgeschwemmt.

Nicht aber im Fall der 45-Jährigen: Bei ihr ist der Blasenstein um ein Trinkglas herum gewachsen, das sich offenbar vier Jahre lang in ihrer Blase befunden hatte. «Die Patientin gab an, damals einen intravaginalen Fremdkörper (Glas) zu erotischen Zwecken benutzt zu haben», berichten die behandelnden Mediziner im Fachjournal «Urology Case Reports».

Erstmals richtige Untersuchung

Schon häufiger habe die 45-Jährige über Schmerzen im Unterleib geklagt und gab an, bereits mehrmals eine Blasenentzündung gehabt zu haben. Diese sei jedoch nie wirklich untersucht worden, so das Team um den Urologen Ahmed Chaabouni vom Universitätsspital Habib Bourguiba im tunesischen Sfax in dem Fallbericht.

Da zwei häufige Symptome von Harnwegsinfekten – Blut im Urin und Harninkontinenz – fehlten, schauten die Ärzte dieses Mal ganz genau hin. Dabei entdeckten sie auf Röntgenaufnahmen im Innern der Blase etwas, das von der Form her einem Glas ähnelte (siehe Bildstrecke) und von einem «riesigen Blasenstein mit einer Grösse von 8 cm x 7 cm x 8 cm» umschlossen war. Die Ärzte entfernten beide Gebilde. Die Operation glückte. Schon zwei Tage später konnte die Patientin das Spital verlassen.

«Masturbatorischer Charakter»

Wie genau das Trinkglas in die Blase gelangt ist, lassen Chaabouni und sein Team offen. Sie erklären aber, dass die Zahl der Frauen, die sich zum Vergnügen Fremdkörper in die Harnröhre einführen, «relativ hoch» sei. Auch Männer tendierten dazu. Die Harnröhre sei erogen: Etwas in sie einzuführen könne einen «masturbatorischen Charakter» haben, so die Mediziner.

Viele Betroffene schafften es nicht, den Fremdkörper anschliessend wieder selbst zu entfernen. Da es ihnen sehr peinlich sei, einen Arzt aufzusuchen, «führt dies zu einem Krankheitsbild, das meist atypisch ist und in einem bestimmten Patienten-Milieu auftritt», heisst es in dem Fallbericht. Es gibt eine ganze Reihe von Gründen für das Einführen von Gegenständen in die Harnröhre oder in den Po: etwa psychiatrische Erkrankungen, Autoerotik, Rauschzustände und vermeintliche Verhütungsmittel.

Besonders kompliziert seien Fälle, «die spät diagnostiziert werden und oft mit wiederkehrenden Harnwegsinfektionen, Blasensteinen und/oder Fisteln verbunden sind». 

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